Als ich in der 8. Klasse war, hat meine Mutter vom Brigitte-Sauzay-Programm gehört. Meine Eltern wolllten dann unbedingt, dass ich diesen Austausch in am Ende der 10. Klasse mache. Von dieser Möglichkeit war ich erstmal nicht begeistert : Zwei Monate weit weg von meiner Familie, von meinen Freunden, von meinen Zuhause… .
Aber als ich älter wurde, fand ich die Idee, zwei Monate in Deutschland zu verbringen, richtig gut. Ich wollte jetzt unbedingt an diesem Schüleraustauschprogramm teilnehmen. Um besser Deutsch zu lernen, um selbstständiger zu werden – und auch , weil meine Mutter aus Deutschland kommt und ich es wichtig fand, mein zweites Land endlich besser kennen zu lernen.
Ich wollte den Austausch am liebsten in Berlin machen. Ich mag nämlich große Städte.
Ich habe mich dann auf der Website des « Office franco-allemand de la jeunesse » (OFAJ) aktiv auf die Suche nach einer Austauschpartnerin gemacht. Ich habe an viele Mädchen aus Berlin geschrieben, die ähnliche Interessen wie ich hatten. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich A. kennengelernt habe, aber sie war es : Meine Austauschpartnerin.
A. wohnt in einer kleinen Stadt ungefähr eine halbe Stunde mit der S-Bahn von Berlin. Sie hat keine Geschwister. Wir haben uns schon bevor ich in Berlin angekommen bin, viele E-Mails geschrieben.
Der 26. April war der große Tag : Ich bin mit dem Zug zu A. und ihrer Familie nach Berlin gefahren.
A. und ihre Eltern haben mich am Hauptbahnhof von Berlin empfangen. Sie hatten einen roten Luftballon mitgebracht, damit ich sie erkennen konnte.
Wir haben direkt nach meiner Ankunft eine Tour durch Berlin gemacht. Es war toll !!!
Ich habe mich mit A. und ihren Eltern sehr gut verstanden. Ihre Eltern haben mit mir viel unternommen : Wir sind oft nach Berlin gefahren. In Berlin haben wir zum Beispiel eine Schiffstour auf der Spree gemacht und wir waren auch im Grips-Theater (das ist ein berühmtes Theater für junge Leute). Wir haben auch mehrere interessante Museen besichtigt.
Ich habe in den zwei Monaten auch einen großen Teil von A.’s Familie kennen gelernt : die Großeltern, Tanten und Onkels…
Ich habe übrigens im selben Zimmer wie A. geschlafen. Das war überhaupt kein Problem, da ihr Zimmer riesig ist. Wir hatten also viel Platz.
Besonders schön war für mich, dass A. viele verschiedene Freizeitaktivitäten macht und ich überall (außer zum Klavierunterricht) mitkommen konnte. Ich habe also beim Zeichenkurs, beim Radioclub, beim Theaterclub und beim Tanzkurs mitgemacht. Das hat mir gut gefallen, so konnte ich nämlich neue Sachen ausprobieren und kennen lernen.
A.’s Schule war auch wirklich toll ! Ich fand das Schulgebäude sehr schön. Und die Schule hatte einen großen Schulhof, wo man gut spazieren gehen kann. Es gab auch eine Aula (das ist eine großer Saal für Feste usw.) und eine Cafeteria, wo das Essen sehr lecker war. In der Schulkantine konnte man übrigens immer zwischen mehreren Gerichten auswählen und ein vegetarisches Essen und ein Bio-Essen wurden auch täglich angeboten.
A.’s Klasse fand ich richtig nett. Ich habe mich dort sofort wohlgefühlt. Ich habe mich mit allen Freunden von Anne sehr gut verstanden und sie sind jetzt auch meine Freunde geworden.
Außer mir waren in der Klasse noch zwei andere Französinnen. Sie waren Austauschschülerinnen wie ich. Sie waren sehr freundlich und ich fand es gut, nicht die einzige Ausländerin zu sein. Wir haben übrigens nur Deutsch miteinander gesprochen.
Der Mathematik-, Chemie- und Physikunterricht war für mich schwer zu verstehen – doch diese Fächer fallen mir auch in Frankreich nicht so leicht. Aber in Deutsch, Geschichte, Englisch, Sport und natürlich in Französisch bin ich schnell gut mitgekommen.
Ich habe bemerkt, dass die deutschen Schüler sehr gut Englisch sprechen, viel besser als in Frankreich. Sie hatten ja auch bis letztes Jahr 5 Stunden Englisch pro Woche … .
Ich fand es schön, zwei Monate lang nur bis 14 Uhr Schule zu haben und nicht bis 18 Uhr wie in Frankreich. Und ich kann es bezeugen : Obwohl sie am Nachmittag keinen Unterricht haben, lernen die deutschen Schüler nicht weniger als die Franzosen ! Eher im Gegenteil : in Englisch und Mathe sind sie viel weiter.
Ein anderer Unterschied : In Deutschland gibt es hitzefrei. Wenn es heiß ist, haben die Schüler nur bis 12 Uhr Schule. Als ich in Deutschland war, war das Wetter sehr sommerlich und ich hatte das Glück, dass es in der Zeit, in der ich da war, eine Woche lang hitzefrei gegeben hat. Da hatten wir schon um 12 Uhr frei und wir sind immer nach der Schule mit dem Fahrrad zum Baden an einen großen See (der sogar einen richtigen Badestrand hatte !) gefahren.
Meine Fortschritte in Deutsch habe ich vor allem beim Lesen bemerkt. Es ist für mich jetzt viel leichter als vor dem Austausch, ein ganzes Buch auf Deutsch zu lesen. Und ich habe natürlich viele neue Wörter und Ausdrücke dazugelernt.
Dieser Austausch hat mir auch geholfen, unabhängiger zu werden : Ich war zwei Monate weit weg von meinen Eltern und von meinem « normalen » Leben. Ich musste alleine zurechtkommen und habe das auch gut geschafft.
Ich würde diesen Austausch immer wieder machen, wenn ich könnte. Doch dann würde ich länger als zwei Monate bleiben – zwei Monate waren nämlich viel zu kurz.
Ich bedanke mich dafür, dass ich diesen Austausch machen durfte. Die zwei Monate bei A. waren so super ! Ich habe in dieser Zeit so viele tolle Leute kennen gelernt und so viele neue Sachen entdeckt !
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