Mein Name ist Sebastian, ich wohne in Buxtehude und gehe auf die Halepaghenschule.
Ich habe auf dem 2-wöchigen Frankreichaustausch zwischen der HPS und dem College Guillaumer im Oktober 2007 vom Brigitte-Sauzay-Programm erfahren.
Nachdem ich dann wieder nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich mit meinen Eltern darüber gesprochen und lange überlegt. Letztendlich sind wir zu dem Schluss gekommen, dass dieses Programm sehr sinnvoll wäre, um mich sprachlich zu verbessern, meine alte Heimat zu besuchen, und um vor allem Frankreichs Alltag mitzuerleben. So gab ich meiner Lehrerin Frau U. Bescheid, die mir darauf hin die nötigen Papiere lieferte, die für den Austausch nötig waren.
So kam es, dass mein Austauschpartner A. vom Februar bis zum April sich in Deutschland aufhielt und somit die erste Hälfte des Austausches erfüllte.
Nachdem er dann abgereist, flog ich auch schon einige Wochen später am 4.Mai nach Frankreich. Nach dem 2-Stündigen Flug erreichte ich dann den Flughafen in Blagnac. Dort wurde ich von den Eltern von A. empfangen, M. und Mme B.. A. war nicht da, weil er sich noch mit seiner Klasse in England befand. Nachdem wir im Haus ankamen, konnte ich mein Zimmer beziehen. Danach unterhielt ich mich eine ganze Weile mit den Eltern und erfuhr unter anderem, dass es die Woche im Haus sehr voll werden würde, da am folgenden Sonntag die Konfirmation von A. anstände. Den Nachmittag erkundete ich ein bisschen das Haus und lernte zudem noch die Schwester von A. kennen, M., die mit ihren Mann, B., und ihren beiden Kindern aus Paris gekommen waren.
Am Abend aßen wir gemeinsam und da bemerkte ich die erste Besonderheit. Es gibt 4 Gänge: Der 1.Gang ist die Vorspeise. Hier gibt es oft Salat oder auch mal eine Frucht wie eine Pampelmuse oder Melone. Dann folgt die Hauptspeise. Hierbei handelt es sich hauptsächlich immer um eine warme Speise. Natürlich kommen darunter auch französische Spezialitäten vor, so wie Cordon Bleu oder unter anderem auch Minicrepes, die mit einer speziellen elektrischen Herdplatte gefertigt werden. Dann folgt der dritte Gang. Hier wird dann der Käse serviert, da Franzosen normalerweise Käseliebhaber sind und Frankreich sich mit seinen Produkten schon weltweit einen Namen gemacht haben. Es werden meistens 4-5 verschiedene Arten, darunter auch oft der bekannte Camembert, aufgetischt. Wenn niemand Hunger auf Käse hat, wird dieser Gang einfach übersprungen und geht direkt zum eigentlichen 4.Gang. Hierbei handelt es sich um die Joghurts, Frischkäse und frischen Früchten.
Nachdem wir fertig waren, wurde es langsam Zeit A. vom Flughafen abzuholen. Als wir ankamen, mussten wir noch einige Minuten warten bis wir A. in Empfang nahmen. Unter den vielen Schülern sah ich auch bekannte Gesichter, die ich schon den letzten Austausch kennengelernt habe. So fuhren wir dann wieder zum Haus zurück.
Am nächsten Tag sollte ich meinen ersten Schultag erleben. Die Schule fängt regulär immer um 8 Uhr an, da aber die Klassenfahrt stattgefunden hatte, fiel der Unterricht an diesem Montagmorgen aus. Beim Frühstück entdeckte ich wieder neue Sachen. In Frankreich ißt man morgens Croissants, ,,American Sandwichs´´, die halt dem Toast ähneln, Weißbrot oder auch Milchbrötchen, die man gerne mit Nutella und verschiedenen Konfitüren bestreicht und dann oft in den, ,,Bolle“ voll mit Tee oder Milch tunkt. Gerne werden auch mal Cerealien gegessen. Kaffee wird weniger getrunken. Dann, nach dem Mittagessen, brachen wir zur Schule auf. Den Zaun, der die gesamte Schule umschloss erkannte ich sofort wieder. Wer es nicht rechtzeitig bis zum Klingeln durch das Tor schafft, hat Pech. Die ersten beiden Stunden hatten wir Sport. Hier fiel mir schon auf, wie strikt die französischen Schulen sind. Die Sporthalle lag etwas außerhalb und so mussten wir alle warten, bis die Lehrerin das Tor aufgeschlossen hatte. Nach dem Unterricht mussten wir auf die Lehrerin waren, um zurückzugehen dürfen. An diesem Tag schon und auch in den folgenden Wochen fiel mir auf, dass es im Unterricht sehr frontal zugeht. Die Schüler müssen schreiben, schreiben, schreiben. In der Mathestunde fiel das einem besonders auf. Der Lehrer schreibt hauptsächlich die ganze Stunde lang an die Tafel, erklärt dazu ein wenig, und die Schüler schreiben ab. Fragen dürfen gestellt werden, der Lehrer verteilt Übungsblätter und dann geht es sofort zum nächsten Thema. Aufgaben zusammen lösen oder mündliche Beteiligung kommt so gut wie nie vor. Nur in den Sprachen wie Deutsch und Englisch ist der Unterricht etwas abwechslungsreicher gestaltet. Das Mündliche hat eine höhere Priorität als in anderen Fächern und wird auch bewertet. Denn in Frankreich hat das Schriftliche viel mehr Gewicht als das Gesagte. Die mündliche Beteiligung wird in den meisten Fächern überhaupt nicht mit in die Note mit einbezogen. Nach der Schule hatte A. Badminton. Er spielt in einer Sport-AG in der Schule und aber auch im Verein. In den nächsten Tagen trafen noch die Großeltern und E., der ältere Bruder von A., und seine Freundin C. ein.
Denn außer der Konfirmation, die bevorstand, hatten noch der jüngere Bruder S. und Mme B. Geburtstag. Den Donnerstag fuhren nach Toulouse an die Garonne, da die Schule aufgrund eines Streiks ausgefallen ist, und es sehr schönes Wetter war. Zum Geburtstag von A. kamen dann Samstagabends noch weitere Verwandte, um S.und Mme B. zu gratulieren. Am nächsten Tag fand dann die Konfirmation statt. In Frankreich muss man nicht, wie in Deutschland, eine bestimmte Anzahl von Konfirmationsstunden vorweisen, um konfirmiert zu werden. Es ist einem überlassen wie oft man zu dem so genannten Katechismus geht.
Als wir zurückkehrten, wurden die Geschenke an A. weitergereicht. Groß gegessen wurde dann am Tisch abends zu Hause.
Da es das Pfingstwochenende war, hatten wir am nächsten Tag noch keine Schule.
Über die Nacht bin ich krank geworden. Ich dachte erst, es wäre nur ein Virus für ein paar Tage, aber als es nicht besser wurde, sind Mme B. und ich zum Arzt gefahren. Nach mehreren weiteren Arztbesuchen und Verschreibungen von Medikamenten, sind wir dann zum Spezialisten gegangen, der mich im Krankenhaus untersucht hat. Dann bekam ich Medikamente, die schließlich geholfen haben. Insgesamt hat das drei Wochen gedauert. Trotz allem war es eine gute Erfahrung, denn ich hab einmal das System, wie Ärzte in Frankreich arbeiten, gesehen und dazu noch einige Begriffe über Krankheiten und Medizin gelernt. Hier in Frankreich ist es üblich, das Ärzte sofort Medikamente verschreiben, aufgrund deren die Kinder schnell wieder gesund werden sollen, damit die berufstätigen Mütter nicht noch mehr Stress haben und wieder zur Arbeit gehen können. Zudem fragen Patienten bzw. Leute, die Patienten begleiten, wenn es sich um jüngere Kranke handelt (wie in meinem Fall), immer nach und diskutieren sehr lange mit dem Arzt.
Es ging nun langsam auf die Ferien zu. Man bekam schon den Sommer zu spüren. Am letzen Schultag dann war noch ein besonderes Spektakel. In Frankreich ist es üblich, dass die Schüler der 3ième sich verkleiden, weil es sich für sie um das letzte Schuljahr in der Sekundarstufe 1 handelt, und sie die Schule verlassen. Es gab viele Einfälle: als Inhaftierter, Schäfer, Frau, Terroristen, Hippies, Rocker…A. ging als Scout. So ging das Schuljahr in Frankreich zu Ende.
In den Ferien gingen wir ins Freibad, wo man übrigens keine Freizeitbadehosen anziehen darf, weil es Leute gibt, die sie den ganzen Tag so tragen und dann auch noch zum Baden benutzen. haben, können in diesen Prüfungen noch die fehlenden Punkte holen. Schüler, die schon bestanden haben, können hier noch ihre Gesamtpunktzahl aufpolieren.
Nach einigen Tagen traf J. mit ihren Kindern aus Senegal ein, wo sie mit S. (auch ein Bruder von A.) in Dakar lebt. S., ein Fernsehreporter bei Telefrance, kam aufgrund seiner Arbeit später nach. Der Grund für ihren Besuch war, dass beide am 30. Juli heiraten werden. Aber vorher ging es erstmal für uns alle nach Paris, wo wir in M’s Wohnung Quartier bezogen. Ab den nächsten Tag wurde dann die Stadt besichtigt, und um ehrlich zu sein…es ist unbeschreiblich. Man kann keine andere Stadt mit dieser vergleichen, da sie so besonders ist. Die belebten Straßen, historische Gebäude wo man auch hinguckt, wie der Eiffelturm oder Notre Dame, Museen wie der Louvre, Boulevards wie die Champs-Élysées, die Dèfense und überhaupt die gesamte städtische Atmosphäre. Leider ging diese Woche viel zu schnell um und so waren wir dann bald wieder zu Hause.
Die letzte Woche hatte begonnen. In diesen Tagen lernte ich auch S. kennen, der mittlerweile angekommen war. Dann war es bald soweit: Der 14.Juli. Ein Samstag. Die Abreise war ein bisschen besonders, denn ich bin nicht mit dem Flugzeug geflogen , sondern von meinen Eltern abgeholt worden, die Donnerstag schon mit dem Auto aus Deutschland aufgebrochen sind. Nach dem Mittagessen waren sie da. So traf dann meine Familie (mein jüngerer Bruder war auch mit) auf die Familie von A.. Ihn hatte ich übrigens schon Mittwoch verabschieden müssen, da er zum 3wöchigen Scouttreffen abreiste. Nach dem Verstauen der Sachen im Auto war es dann auch soweit. Ich verabschiedete mich nach dieser langen Zeit von den B’s.
Der Austausch war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. 2 ½ Monate im Ausland ist schon etwas anderes als nur 2 Wochen. Man lernt das Land, die Leute, die Sitten und die Kultur viel besser kennen. Man lebt sich wirklich richtig ein. So ist es auch mit der Sprache. Ich bin der Meinung, dass ich Fortschritte gemacht habe. Ich finde die Wörter schneller, ich spreche flüssiger und zudem sauberer. Dies geschieht ganz automatisch dadurch, dass man nur noch auf Französisch spricht und andere Sprachen außen vor lässt. |