Austausch im Berufsbereich
Begegnungen für arbeitslose Jugendliche

Inhaltsverzeichnis

I. JUGENDARBEITSLOSIGKEIT UND DEUTSCH-FRANZÖSISCHER AUSTAUSCH

6. Fazit

Die Kriterien für die Auswertung von Maßnahmen und damit für die Beurteilung des Erfolgs sind abhängig von den vorrangigen Zielen (berufliche Eingliederung, Persönlichkeitsentwicklung usw.) und von der Zusammensetzung der Gruppen. An den oben ausgeführten Besonderheiten dürfte deutlich geworden sein, in welch schwierigem Terrain sich entsprechende Bildungs- und Begegnungsveranstaltungen bewegen. Durch die beständige pädagogische Reflexion und Evaluation, die im Rahmen des DFJW durch Fortbildungen, Konferenzen und Veröffentlichungen unterstützt wird, geschieht die Qualitätssicherung der Praxis.

Die Komplexität dieser Arbeit macht mehr denn je Vorbereitungstreffen, aber auch Auswertungstreffen erforderlich. Da es hier um pädagogische Prozesse geht, die mit wechselnden individuellen und Gruppenbedingungen zu tun haben, lassen sich kaum allgemeine Kriterien aufstellen, die sich dann allgemein auswerten und quantifizieren ließen. Für eine Erfolgskontrolle, die Wirkungen messen will, müsste man die langfristigen Wirkungen beobachten, also die Jugendlichen eine Zeitlang, möglicherweise sogar über Jahre, begleiten - was natürlich nicht möglich ist.

Wo begleitende und nachfolgende Beobachtungen durchführbar sind - etwa mittelfristig bei festen Gruppen -, kann man eine Stärkung der persönlichen Identität, eine bessere Wahrnehmung von sozialen Möglichkeiten, eine Überwindung von (Zukunfts-) Ängsten und ein größeres Selbstvertrauen feststellen. Dazu kommt noch häufig eine ästhetisch-kulturelle Entdeckung: Für Jugendliche, die noch nie von zu Hause weg waren, kann der Anblick des Meeres oder der Berge einen Auslöser darstellen, der insgesamt zu einer Horizonterweiterung führt.

Die Bilanz einer solchen Begegnungsmaßnahme wird je nach den damit verbundenen institutionellen Erwartungen (Persönlichkeits- und Identitätsstärkung, Intensivierung des Sozialisationsprozesses im Rahmen der Gruppe usw.) unterschiedlich ausfallen. Im Blick auf das Hauptproblem gilt natürlich, wie bereits bemerkt, dass solche Maßnahmen keine Ausbildungs- oder Arbeitsplätze schaffen können. Aber sie können der fatalen Wirkung von Arbeitslosigkeit entgegensteuern - sie können Ausgrenzung verhindern und Teilhabe ermöglichen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass deutsch-französische Begegnungen für Jugendliche in sozialen und beruflichen Schwierigkeiten eine außergewöhnliche Gelegenheit darstellen, sich mit ihren Benachteiligungen, Risiken, Defiziten auseinanderzusetzen. Das DFJW kann selbstverständlich mit seinen Angeboten nicht die zumeist vielschichtigen Probleme der Jugendlichen lösen. Es werden aber durch das interkulturelle Lernen wichtige Impulse vermittelt, wie sich die konkreten Lebenslagen verbessern lassen. Denn gerade die Begegnungssituation ermöglicht es den Jugendlichen, in einem experimentellen Rahmen bestimmte Fähigkeiten zu erlernen und zu trainieren: Toleranz zeigen, Ängste abbauen und soziale Spielregeln akzeptieren. Dies alles sind wichtige Voraussetzungen, um im Berufsleben (wieder) Fuß zu fassen. Jugendlichen, die einen Arbeitsplatz suchen, hilft das DFJW dabei, Schlüsselqualifikationen zu erwerben, die die Chancen auf dem nationalen, teilweise auch auf dem europäischen Arbeitsmarkt erhöhen.

Um all diesen Jugendlichen, von denen hier die Rede war, wieder eine Perspektive zu geben, bedarf es einer besonderen pädagogischen Förderung und einer adäquaten finanziellen Ausstattung der Programme, die sich langfristig als wichtige Investition in die Zukunft erwiesen haben.

Über die Qualifizierungsprozesse hinaus - die sich mittelbar oder unmittelbar am Beschäftigungssystem orientieren - sieht das DFJW eine wichtige Aufgabe darin, in seiner Bildungspraxis den Grundwert der Solidarität zu bekräftigen. Mindestens so groß wie die Sorge um die eigene Zukunft ist bei vielen Jugendlichen die Befürwortung von Solidarität mit den Schwächeren und der Wunsch, nicht Objekt gesellschaftlicher Fürsorge, sondern Subjekt gesellschaftlicher Vorsorge zu sein. An solche Einstellungen gilt es anzuknüpfen. Es geht darum, persönlichen Mut zu stärken, Konfliktfähigkeit zu erweitern sowie Mitgefühl und Mitverantwortung zu verbinden. Insbesondere ist ein gezieltes Vorgehen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung aller Art dringend geboten. So verschränken sich in der interkulturellen Bildung Schlüsselqualifikationen und Sozialkompetenzen.

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