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Leistungssport als Feld interkulturellen Lernens

- Ein Arbeitspapier -

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Verabschiedet von den Teilnehmern der Jahrestagung der deutschen und französischen Sportfachverbände am 4.-6.11.1992 in Hannover.  

Inhaltsverzeichnis

 

3.3 Das sportliche Rahmenprogramm

Das deutsch-französische Leistungssportprogramm kann auch ein Ort des Kennenlernens neuer oder verwandter Sportarten sein, die für das besuchte Land oder die Region charakteristisch sind oder als Freizeitsportarten die eigene Sportart stützen oder ergänzen. Immer sind sie mögliche Anlässe für interkulturelle Erkenntnisse.

 

3.3.1 Freizeitsport

Freizeitsportarten können unter verschiedenen Aspekten das Programm einer Maßnahme bereichern:

- Kennenlernen neuer/anderer/ergänzender Bewegungselemente in anderen Sportarten

- Förderung kreativer, spielerischer Momente

- Förderung der Gruppendynamik

- Vermittlung besonderer Erlebnisse

 

Beispiele:

Synchronschwimmen - Jazztanz
Durch Jazztanz kann das Training bestimmter Bewegungselemente des Synchronschwimmens unterstützt werden.

Leichtathletik - Gewichtheben
Neben Kraftgewinn bietet des Gewichtheben für den Leichtathleten ein vollkommen anderes Bewegungserleben.

Basketball - Dauerlauf
Dauerlauf stützt das Ausdauertraining und führt die Hallensportler u.U. auch an die frische Luft.

Rugby- Schießen/Kajak
Die im Freizeitprogramm angebotenen Sportarten haben nichts mit der trainierten Sportart zu tun. Sie bieten eine willkommene Abwechslung.

Rudern - New Games
Die neuen Spiele stützen den gruppendynamischen Prozeß.

Beispiele: siehe die Broschüre "Ratgeber Sport", Seite 80-87

Segelfliegen - Dauerlauf/Ballspiele
Dauerlauf verbessert die Ausdauer, die Ballspiele kompensieren die Belastungen, die während des Fluges im Stillsitzen verarbeitet werden müssen.

Die Beispiele sind als Anregungen zu verstehen. Der eigenen Kreativität der Programmgestalter und Trainer sind keine Grenzen gesetzt.

 

3.3.2 Regional charakterisierte Sportarten

Sportarten, die eine regionale Besonderheit darstellen, lernt der Lehrgangsteilnehmer als Beispiele für kulturelle Vielfalt kennen.

Beispiele:

Petanque (Boule)

Boßeln und Klootschießen

Fingerhäkeln Tamborinball; etc.

Die eigene Sportart wird von den Jugendlichen in ihrer spezifischen Ausprägung als Träger kultureller Merkmale begriffen.

Beispiele:

100 Jahre Menschenflug - der Traum vom Fliegen

Basketball in den USA und Europa

Rudertechnik Vergleich Frankreich-Deutschland

 

3.3.3 Neue Sportarten in Deutschland und Frankreich

Die -möglicherwelse- in Frankreich und Deutschland unterschiedliche Entwicklung neuer Sportarten kann als Ausdruck gesellschaftlichen Wandels erlebt und begriffen werden.

Beispiele:

Windsurfen,

Sportklettern,

Drachenfliegen,

Gleitschirmfliegen,

Mountainbike,

Boungee-Springen

 

3.3.4 Sport in der Werbung

Spots mit sportlichen Inhalten in der Werbung signalisieren Jugendlichkeit und Dynamik. Der Kontrast zur eigenen Sporterfahrung öffnet den kritischen Zugang zu einem anderen Verständnis zur Rolle des Sports heute.

Beispiele:

Analyse von Werbefilmen im Kino oder Fernsehen,

Analyse von Plakatwänden,

Kaufhausbesuche.

 

3.3.5 Das sportliche "Umfeld" des Programmorts

Auch die Betrachtung des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds des Lehrgangsorts unter sportlichem Aspekt kann interessant sein:
Welche Sportarten werden in der Region/Stadt/Gemeinde angeboten, betrieben?

Welche Rolle spielen die örtlichen Spitzenmannschaften im Leben der Region?

Wie ist die soziale und gesellschaftliche Struktur und Position der diversen Vereine und Sportarten?

Öffentliche Förderung und Sponsoring?

Wie ist der Schulsport organisiert?

Und alle Fragen ergänzt um das "Wo liegen die historischen und sonstigen Ursachen? Warum ist dies anders als bei uns?"
So kann man leicht am Beispiel des Rugby auf Phänomene der räumlichen Gliederung Frankreichs in bestimmte kulturhistorisch definierte Regionen (Besetzung durch Angelsachsen) verweisen, auf die Abhängigkeit von Präferenzen für bestimmte Sportarten von sozialer Schichtenzugehörigkeit; Häufung bestimmter charakterlicher Merkmale bei Vertretern bestimmter Sportarten (entgegen den nationalen Klischeevorstellungen) etc..

 

3.3.6 Exkursionen und Besichtigungen

In die Thematik des "kulturellen Umfelds des Sports" sollten "Exkursionen und Besichtigungen" eingeordnet werden.

Einige Beispiele:

Besuch von sportlichen Einrichtungen (Sportstätten, Leistungszentren) und Veranstaltungen; Treffen mit Sportlern einheimischer Vereine.

Beispiel für eine Betriebsbesichtigung in Anbindung an Interessen der Teilnehmer im Bericht über ein Programm der Fallschirmspringer in Saarlouis:
"Im Anschluß daran besuchten die Teilnehmer eine Fallschirmfabrik. Dort hatten sie Gelegenheit, Herstellungstechniken und -verfahren ihres Sportgeräts aus unmittelbarer Nähe kennenzulernen. In der Diskussion wurden verschiedene Sportfallschirmsysteme aus Frankreich, Deutschland und USA unter Sicherheitsgesichtspunkten, was Verarbeitung und Handhabung betrifft, und bezüglich ihrer Leistung verglichen. Insbesondere im Hinblick auf den gemeinsamen europäischen Markt sah die Mehrheit der Teilnehmer einheitlichere Bauvorschriften für die Schirme als wünschenswert an. Packvorführungen mit sachkundigen Erläuterungen bildeten den Abschluß dieses interessanten Besuchs".

Solche Aspekte sollten zwar nicht entscheidend sein für die Auswahl des Programmorts, könnten aber mit herangezogen werden. Auch in anderen Sportarten könnten die Produktion des Geräts oder der Handel (Bootswerften, Turngerätehersteller, Schuhe, Kleidung, Sportgeschäfte) Besuchsziele sein und Anlaß für vergleichende Diskussion unter den Teilnehmern.

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