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Individueller Austausch

Daniela Mattern aus Krummensee
Aufenthalt in Savenay (Loire-Atlantique)

21.9.- 18.12.1996

Die Zeit vom 21. bis zum 18. Dezember 1996 verbrachte ich in Frankreich, genauer gesagt in der Bretagne. Obwohl ich jetzt schon fast wieder 2 Wochen zuhause bin, denke ich noch recht häufig daran zurück. Ganz gleich, ob man mit guten Freunden zusammensitzt, die einfach mal erfahren wollen, was man in den 3 Monaten so gemacht hat oder ein anderes Mal in Mitschriften oder Aufzeichnungen blättert oder gar einen Brief von französischen Freunden bekommt. Man erinnert sich gern an das Erlebte, es sind schöne Erinnerungen. Diese Zeit ist irgendwie so schnell vergangen.

Die erste Woche meines Aufenthaltes sollte ich als einzige Deutsche an dieser Schule verleben, worüber ich im nachhinein sehr froh bin, da ich so Gelegenheit hatte, erste Kontakte zu knüpfen, die anderenfalls sicher nicht so intensiv ausgeprägt worden wären. Nicht selten saß ich mit französischen Schülern in der Cafeteria oder auf dem Schulhof und wir redeten über dies und jenes fast wie zuhause. Irgendwie half mir das schon über mein anfängliches Heimweh hinweg. In manchen solcher Gespräche fühlte ich mich beinahe wie eine von ihnen, richtig akzeptiert, kaum mehr fremd. Das gab mir auch einen recht guten Einstieg in die Sprache und bald hatte ich zumindest mit dem Sprechtempo und dem Verstehen keine Probleme mehr.

In der ersten Zeit besuchte ich erst einmal alle Stunden gemeinsam mit meiner Französin. Sie ist momentan in einer 1ère L und hat demzufolge sehr viel Sprachunterricht. Deshalb begleitete ich dann auch andere Klassen, um mir z.B. ein Bild vom Sprachunterricht zu machen. Doch recht bald stand für mich fest, welche Fächer ich belegen würde (ich mußte ja, da ich parallel den deutschen Stoff erarbeiten sollte, nur 15 Stunden belegen). Mein Stundenplan enthielt dann aber an die 20 Stunden, weil ich sonst für meine Begriffe zu viele Freistunden gehabt hätte. Bei meiner Auswahl der Fächer bin ich im großen und ganzen nach meinen persönlichen Interessengebieten gegangen. Es spielte aber auch eine Rolle, inwiefern ich den Lehrer gut verstehen konnte und in welchem das jeweilige Fach dazu beitrug, Fortschritte in der Sprache zu machen, wichtige neue Wörter zu lernen. So entschied ich mich letztendlich hauptsächlich für literarische Fächer wie Geschichte/Geographie, Französisch, Kunst, Englisch, Sport. In der Regel schrieb ich im Unterricht mit, den ich grundsätzlich sehr interessant fand.

Auf der einen Seite lernte ich viel Neues (z.B. die frz. Literatur des 19. Jhdts., die Bretagne) oder wir betrachteten bereits Gelerntes (z.B. Belle Epoque, 1. Weltkrieg) aus einem anderen Gesichtspunkt. Des öfteren konnte ich mich sogar aktiv am Unterricht beteiligen, was anfangs schon etwas Überwindung kostete. Auch schrieb ich Arbeiten mit und hielt zum Ende hin in Französisch einen Vortrag (Schiller «Die Räuber», Sturm und Drang). Ich wollte alles ausprobieren, kennenlernen.

Dennoch muß ich sagen, daß die Schule eine recht große Umstellung war, da man in Frankreich den ganzen Tag dort verbringt und so häufig erst gegen 17.00/18.00h zuhause ist. Mir fiel auch auf, daß in Frankreich der Vorlesungscharakter dominiert, während in Deutschland der Unterricht Seminaren ähnelt. Schließlich waren da noch die zahlreichen Freistunden, die ich aber beim Volleyballspielen, im CDI, wo ich arbeitete oder mit den Franzosen und Deutschen verbrachte.

Eines haben französischer und deutscher Schulalltag jedoch gemeinsam: der eigentliche Höhepunkt ist das Wochenende...Oft besichtigten wir etwas (Mont Saint-Michel oder Carnac), besuchten Freunde oder machten Einkaufsbummel. Das alles gab mir Gelegenheit, die wunderbare Gegend etwas näher kennenzulernen. Am Abend amüsierten wir uns dann wahlweise in Kino, Disko oder auf einer Party. Manchmal genossen wir aber auch einfach nur unsere ausgedehnten Spaziergänge. Schade war einzig, daß die Eltern meiner Austauschpartnerin getrennt waren, und wir so an den Wochenenden abwechselnd bei der Mutter bzw. Vater wohnten. Eine schöne Abwechslung waren aber auch die Wochenenden, die ich allein bei neugewonnenen Freunden verbrachte. So lernte ich viele Menschen kennen und denke, daß ich mir ein recht gutes Bild vom französischen Familienleben machen kann.

Auf alle Fälle stellt dieser Austausch für mich einen wichtigen Schritt auf dem Weg des Erwachsen-werdens dar. Durch die Trennung von zuhause meine ich, sehr viel selbständiger geworden zu sein. Auch bin ich froh, das Land, die Leute, ihre Mentalität und Kultur näher kennengelernt zu haben. Und nicht zuletzt kann ich für mich sagen, daß ich eine Sprache kennen- und liebengelernt habe.

Deshalb empfehle ich einen solchen Austausch jedem, der sich zutraut, ein paar Monate von zuhause weg zu sein. Er wird mir immer in guter Erinnerung bleiben.

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