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Austausch zwischen deutschen und französischen weiterführenden Schulen:
Lessing-Schule, Bochum (Niedersachsen)
Collège Honoré de Balzac, Azay-le-Rideau (Indre-et-Loire)
Aufenthalt vom 12. - 20.9.1996 in Azay-le-Rideau
26 deutsche und 26 französische Schüler
Programm
Do. 12.9.1996
Anreise EC bis Paris Gare du Nord
Eiffelturm und Champs-Elysées, Übernachtung im FIAP
Fr. 13.9.1996
Louvre
TGV bis TOURS, Ankunft in Azay 19.03h
Aufnahme in die Gastfamilie
Sa. 14.9.1996
Futuroscope, Poitiers mit den Franzosen
So. 15.9.1996
In der Gastfamilie
Mo. 16.9.1996
Empfang in der Schule
Bahnfahrt nach Tours, Besichtigung der Altstadt und Stadtspiel
Wachsfigurenmuseum
Di. 17.9.1996
Unterricht
Besichtigung des Schlosses von Azay
Stadtspiel zur Entwicklung der sprachlichen Kompetenz, Verstehen schriftlich formulierter Fragen und mündliche Darbietung von Lösungen mit Aussprache-Korrektur
Empfang im Rathaus
Discoabend mit Bekanntgabe der Gewinner des Stadtspiels und Aufführung der Macarena
Mi. 18.9.1996
In der Familie
Vorbereitung der Fahrt nach Chinon durch Ausgabe von Informationsmaterial zur Geschichte der Stadt
Do. 19.9.1996
Unterricht, Fahrt nach Chinon, Führung durch die Altstadt, Weinmuseum, Führung durch die CIBEM (Fabrik zur Herstellung von Holzverpackungen)
Fr. 20.9.1996
Rückreise
Vorbereitung
Die Schüler lernen Französisch seit Klasse 7 als 2. Fremdsprache. Lexikalische Strukturen vor allem zu folgenden Themen bereiteten den Schüleraustausch im Unterricht vor:
Unter Freunden / Freunde und Geschwister / Eltern (L1)
Tätigkeiten in einer Familie / Freizeit zu Hause (L2)
Gestaltung der Freizeit (L3)
Markt in Poitiers / Einkauf an einem Marktstand (L5)
Ein Tag in der Schule/Unterricht und Hausaufgaben (L6)
In einem Hotel (L7)
Krankheit/Konflikt in der Familie (L8)
In einem Jugendzentrum (L9)
Zugrunde lag das Lehrwerk «Etudes Françaises - Echanges 1». Durch den häufigen Einsatz von Audio-Kassetten wurden vor allem Aussprache und Hörverstehen gefördert.
Folgende Unterrichtsinhalte bereiteten die Begegnung von geographischer Seite vor:
Unsere eine Welt: Welt-Bilder
Auswertung einer "lmage-Umfrage" von Deutschen und Franzosen
Entwicklung moderner Kommunikationsmittel (weltumspannendes Kommunikationsnetz, z. B. Internet)
Entwicklung der Verkehrsmittel (z. B. Modernisierung der Bahn)
Gefährdung des Lebensraumes: Untersuchung des Austauschprogramms unter ökologischen Aspekten (u.a. Bewertung von Verkehrsmitteln)
Die begleitenden Lehrer waren aufgrund ihrer Fächer Französisch, Erdkunde und Erziehungswissenschaft mit den geplanten Programminhalten vertraut. Der Leiter kannte als Klassenlehrer die Schüler aus dem Unterricht, die Begleiterin lernte die Klasse während einer eintägigen Klassenfahrt und in gemeinsamen vorbereitenden Unterrichtsstunden kennen.
Frau Diekmann-Hille, die Begleiterin, befand sich sprachlich in einer Situation, die der der Schüler ähnelte: ihre sprachliche Kompetenz in Französisch war nicht sehr ausgeprägt. Der Austausch war für sie Reaktivierung und Fortentwicklung alter Sprachbestände. Sie nahm zum ersten Mal an einem Austausch teil, wie in den Jahren zuvor andere Kolleginnen (fast ausnahmslos nicht aus der Fachschaft Französisch).
Ziel dieses Vorgehens ist u. a., Schüleraustausch oder Schulpartnerschaft für eine größere Anzahl von Kollegen bzw. Kolleginnen erfahrbar zu machen, um nicht zuletzt die richtlinien-gemäßen schulinternen Lehrpläne, wo sinnvoll, mit Inhalten internationaler Beziehungen zu verknüpfen.
Auch der Erfolg des für März 1997 geplanten Gegenbesuchs der französischen Teilnehmer in Bochum wird zu einem nicht unbedeutenden Teil davon abhängen, in welchem Maße Lehrer und Lehrerinnen unserer Schule bereit sind, unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktivitäten zu entwickeln, die sich zu einem angemessenen Programm zusammenfügen (z.B. Musikveranstaltungen in der Aula, Sportveranstaltungen, Begleitung und Führung bei diversen anderen Aktivitäten).
Begleiter als Vertreter
Lange vor Beginn der Fahrt wurde aus den Reihen des Kollegiums ein Kollege, Herr Schweihoff, mit den Fächern Musik und Sozialwissenschaften, als Vertretung für den möglichen Ausfall eines der beiden Begleiter gewonnen. Dieser wurde rechtzeitig in die Detailplanung einbezogen.
Briefwechsel
Im Herbst 1995, nach den ersten Monaten Französischunterricht, begann der Briefwechsel zwischen der Klasse 7a und Schülern der 4ème und 3ème des Collège Balzac. Die sprachlichen Ergebnisse wurden zunehmend differenzierter. In dieser Anfangsphase des Sich-Kennenlernens bestand eine wesentliche Aufgabe darin, über die Beschreibung seiner Familie und die eigene Charakterisierung einen geeigne-ten Partner zu finden. In den meisten Fällen gelang dies problemlos.
Bis zur Fahrt im September 1996 wurden zahlreiche Briefe ausgetauscht, wenn auch in unterschied-licher Frequenz in bezug auf jeden Schüler. Feste, Geburtstage und Urlaub boten eine Vielfalt von Anlässen, außerhalb des Unterrichts Texte unterschiedlicher Art zu verfassen und zu empfangen. Besonders interessante Ergebnisse in sprachlicher oder inhaltlicher Hinsicht wurden in den Unterricht angemessen integriert (z.B. die Auswertung einer authentischen Speisekarte aus der Kantine oder der Vergleich der Stundenpläne).
Erstellen von Videos
Über diese Texte hinaus wurden zwei selbst gedrehte Videos ausgetauscht. Zunächst stellten die französischen Teilnehmer Sehenswürdigkeiten von Azay-le-Rideau, ihre Schule mit unterrichtlichen Aktivitäten und sich selbst vor. Nachdem dieser Film -leider nur als Schwarz-Weiß-Ereignis aufgrund der unterschiedlichen Farbwiedergabesysteme (PAL bzw. SECAM)- eingehend betrachtet worden war, allein schon, um den Austauschpartner anschaulich zu erleben, revanchierten wir uns mit einem Video, auf dem jeder sich vorstellte und einen kurzen Gruß übermittelte.
Außerdem wurden Schüler der Klasse 7a bei sportlichen Aktivitäten auf dem Schulhof gefilmt, sowie auch sehr intensiv die Möglichkeiten der unserer Schule unmittelbar angeschlossenen Zweigstelle der Stadtbücherei dargestellt. Der Film wurde von den Schülern selbst erstellt. Allerdings gingen filmtechnische sowie sprachliche Vorbereitungen voraus.
Abschließend wurde eine zweite Version des Films mit Musik unterlegt und durch optische Effekte reizvoll verfremdet. Die Möglichkeit hierzu ergab sich durch die Mitarbeit meines Sohnes, der als Zivildienstleistender in einem Jugendzentrum mit den dort vorhandenen AV-Medien die Überarbeitung vornahm.
Vorbereitung einer Soiree Disco
Vor den Sommerferien '96 fand an unserer Schule eine Projektwoche statt unter dem Thema "Gesundheit". Als besondere Aktivität hatte ich für meine Klasse 7a einen Tanzlehrer beauftragt, den Schülern in der Sporthalle Macarena, den Modetanz '96, beizubringen. Dieser Tanz wurde am letzten Tag der Projektwoche neben anderen Ergebnissen auf der Terrasse des Freibades Bochum-Langendreer mit großem Erfolg demonstriert. Mit den Schülern hatte ich vereinbart, diesen Tanz in Azay anläßlich der Soiree Disco in der festlich ausgestatteten Kantine des College aufzuführen.
Da meine Frau und ich seit einem Jahr regelmäßig Tanzkurse besuchen, lernten wir diesen Tanz kennen und als für Schüler -und uns- realisierbar schätzen. Durch meine eigene Erfahrung, Motivation und einen ausgezeichneten Tanzlehrer war es keine unlösbare Aufgabe, selbst zunächst unwillige Jungen zum Tanzen zu bewegen.
Intensiver und kooperativer Gedankenaustausch
Meine Kollegin Mme Barrier und ich standen während der Vorbereitungszeit in regem Kontakt in Form von Briefen, Fax-Mitteilungen oder auch häufigeren Telefonaten, wenn dies unumgänglich schien. Dadurch wurde das Programm gemeinsam entwickelt, aber auch Fragen in bezug auf die Austauschteilnehmer diskutiert. Die geistige Beweglichkeit sowie die Offenheit meiner Kollegin ermöglichten meist eine sinnvolle Lösung sich abzeichnender Probleme.
Aktualität durch Internet
Mit einigen anderen Kollegen erprobe ich zur Zeit die Eignung von Internet für den schulischen Bereich. Wir verfügen privat über Internet-Zugänge, und können wegen der Verknüpfung mit der Ruhr-Universität Bochum Informationen aus dem Internet zum Ortstarif bekommen. Ein Internet-Zugang unserer Schule ist in Auftrag gegeben. Bei der Vorbereitung dieses Austausches konnte ich so detaillierte Informationen über den Service der SNCF erhalten, z. B. über Möglichkeiten der Gepäckaufbewahrung an den Pariser Bahnhöfen wie auch über die technische Ausstattung des TGV, den wir für die Strecke Paris-Tours (nur Hinfahrt) geplant hatten.
Informationen über die Wahl der zweiten Fremdsprache
Bereits in Klasse 6 informierte der Leiter des Austausches Schüler und Eltern über die Möglichkeit, bei der Wahl von Französisch als zweiter Fremdsprache an einem Schüleraustausch teilzunehmen. Somit war den meisten bekannt, daß das Thema Austausch mit Frankreich an unserer Schule einen hohen Stellenwert besitzt.
Klassenpflegschaftssitzungen
In Klasse 8 finden in der Regel an unserer Schule mehrtägige Klassenfahrten statt. In den ersten Wochen des Schuljahres 1995/96 galt es somit, Schüler wie Eltern für das Unternehmen "Schüleraustausch" zu gewinnen. Der Austausch sollte klassenbezogen erfolgen. Alternativen waren die Teilnahme an einer Skifreizeit, die an unserer Schule bereits Tradition hat und von Sportkollegen federführend organisiert wird, sowie eine andere Klassenfahrt mit noch zu bestimmendem Zielort.
Schüler wie Eltern entschieden sich nach intensiven Informationen und Gesprächen mit großer Mehrheit für den Austausch. Auf drei Klassenpflegschaftssitzungen stand das Thema "Schüleraustausch" jeweils auf der Tagesordnung. Die rechtzeitige Einbeziehung der Eltern erwies sich als sinnvoll und notwendig, da sie besonders beim Gegenbesuch als Akteure innerhalb ihrer Gastfamilie in Erscheinung treten.
Allerdings konnten auch im persönlichen Gespräch mit den Eltern Probleme bzgl. Auffälligkeiten diskutiert werden, die sich während der Briefwechsel schon manifestiert hatten. In einem Fall stellte sich die Frage, ob es wirklich angemessen sei, eine Schülerin mit einer bestimmten Gastfamilie zu verbinden. Meine Ansprechpartnerin Mme Barrier, die am College das Fach Deutsch unterrichtet, hatte trotz Anzeichen einer gewissen Erkrankung und Labilität der Mutter dieser Familie schließlich keine Bedenken geäußert. Beim Besuch in Azay schien es dann geboten, diese Schülerin aus aktuellem Anlaß einer anderen Gastfamilie zuzuordnen. Zwei Bochumer Familien haben bereits frühzeitig zu erkennen gegeben, daß sie nicht in der Lage sind, einen Gast aufzunehmen. Für sie werden andere Familien einspringen.
Schriftliche Mitteilungen
Da nicht alle Eltern an den jeweiligen Klassenpflegschaftssitzungen teilnahmen, wurden wesentliche Informationen nach und nach schriftlich ausgehändigt.
Programmverwirklichung
Durch angemessenes, differenziertes Eingehen auf Fehlverhalten bzw. auftretende Schwierigkeiten konnten Probleme gelöst bzw. gemindert werden, so z.B. das Verhalten im Zug während der Fahrt zusammen mit anderen Reisenden im Großraumwagen, die Vorbereitung des Aussteigens mit Koffer, das angemessene Beziehen der Abteile auf der Rückfahrt von Paris, der 4 1/2 stündige Aufenthalt auf Pariser Bahnhöfen am Tag der Rückfahrt, die Bewachung der Koffer im Bahnhofsbereich, der Metro-Transfer mit Koffer bzw. Reisetasche.
Bereits im Unterricht war durch geeignetes Filmmaterial sehr anschaulich auf Gefahrenpunkte im Zusamrnenhang mit der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gerade im Großraum Paris hingewiesen worden. In der Realität war es unumgängich, diese Informationen wieder bewußt zu machen und und die Ziele altersgemäß situationsspezifisch in überschaubaren Einheiten zu verwirklichen.
In Azay wurden allmorgendlich zunächst Besonderheiten in den Gastfamilien besprochen, auch, um die Erfahrungen zu relativieren und zu vergleichen.
Auswertung der Begegnung
Bereits vor der Begegnung waren den Schülern Aufgabenstellungen gegeben worden. Aus folgender Liste wählten sie aus (X = vergebene Themen, z. T. mehrfach). Nicht besetzte Themen sollen nachträglich vergeben werden.
Meine Gastfamilie und Umweltschutz
Ein typischer Tagesablauf in meiner Gastfamilie X
Das Wochenende in meiner Gastfamilie X
Das Futuroscope in Poitiers X
Das Leben in meiner Gastfamilie X
Die Bahn (Zugarten, Ausstattung)
Bus und Bahn im Vergleich
Streckenskizze (Länder, Haltestellen) X
Skizze der benutzten Metro-bzw. RER Strecke
Tagebuch
Tagebuch
Redaktionsmitglied einer Zeitung über den Austausch
Fotos X
Gestaltung der Info-Wand X
Erlebnisbericht (besonderes Ereignis) X
Die CIBEM
Schloss Azay X
Französische Küche X
Der Louvre
Der Eiffelturm X
Fazit
Von 24 deutschen Teilnehmern waren 21 mit ihren Gastfamilien sehr zufrieden (Noten zwischen "gut" und "sehr gut"). Eine Schülerin mußte schon nach dem zweiten Tag die Gastfamilie wechseln, weil sich erhebliche Kommunikationsdefizite im zwischenmenschlichen Bereich zeigten. Erschwert wurde die Situation dadurch, daß im Augenblick der Aufnahme der Hund der Familie tödlich überfahren wurde. Bereits im Vorfeld war diese Familie als "labil" vermutet worden.
Auch die Erfahrungen mit einer anderen Familie lassen erkennen, daß die gründliche Information der Eltern unerläßlich ist und daß die wiederholte Nichtteilnahme an Informationsveranstaltungen als warnende Hinweise ernst genommen werden müssen und unter Umständen offensiv das Gespräch mit diesen Eltern gesucht werden muß.
Im Hinblick auf die Nutzung der Bahn haben sich die bekannten Reisevorzüge während der Fahrt bestätigt (Bewegungsfreiheit, Kontakt mit anderen Reisenden). Auch der Bahnhof als Erlebniswelt gerade in Paris oder Tours ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Dazu kommen Züge unterschiedlichster Art, so daß am Ende der Begegnung die Schüler über ausgeprägte Bahnerfahrungen verfügen.
Andererseits stellt sich mir nach Abschluß dieser Begegnung die Frage, ob der Aufwand in einem vertretbaren Verhältnis zur eigentlichen Zielsetzung steht; trotz frühzeitiger Buchung der Bahnfahrkarten stellte ich bei der Ausgabe der Tickets durch ein DER-Reisebüro gravierende Buchungsfehler fest: falsches Datum auf dem Rückfahrschein, Zuweisung der Gruppe in einen Großraumwagen für Raucher, Reservierung von Sitzplätzen in weit entfernten Waggons für eine Nachtfahrt.
Weitere Erschwernisse in Stichworten:
Metro-Transfer mit Koffer zum Hotel bzw. zum Anschlußbahnhof
Streik der französischen Schaffner mit der Konsequenz einer einstündigen Verspätung in Azay
Mangelnder Informationsstand der Fahrer der benutzten Bahnbusse (Fahrauftrag in die entgegengesetzte Richtung)
Bei der Rückfahrt wiederum einstündige Verspätung des EC "Molière", somit Ankunft in Bochum um Mitternacht
Mangelhafte Serviceleistung in bezug auf Information der wartenden Eltern (Information durch Leiter und Auslösen einer Telefonkette über zufällig entdecktes Handy eines Mitreisenden)
H.-J. Rövekamp |