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Enseigner dans lécole de lautre :
regards croisés dinstituteurs |
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Günter Krauke Eigentlich sollte es nur ein Bericht mit Gedanken über meine 2 jährige Tätigkeit als Austauschlehrer in Frankreich werden. Dass die Wurzeln für diese 2 Jahre aber viel tiefer liegen und mich entscheidend noch heute in meiner Entwicklung beeinflussen wurde mir beim Schreiben schnell klar. Ausgehend von diesem sehr persönlichen und damit auch widersprüchlichen Blickwinkel, möchte ich versuchen, die häufig verwendeten Formeln "interkulturelles Lernen und Leben" durch meine Biographie und Erfahrungen zu illustrieren und damit zur Diskussion zu stellen. - Ich wurde mit offenen Armen von den französischen Kollegen empfangen, da der Frühdeutschunterricht seit mehreren Jahren in Coutances an den Grundschulen bei Lehrern, Eltern und Schülern gut verankert war. Er war gewissermassen ein Aushängeschild für die 3 Schulen, so dass die 2 anderen, die keinen Deutschunterricht hatten, ihn immer wieder auch für sich forderten.
ZEIT(ungs)AUSSCHNITTE
Treiben zwischen zwei Kulturen
Wiederfinden
anders sein"Sommer" 98 - lch sitze in meinem Ferienhaus in Agon - Coutainville. Das Wetter ist mies: Ein kleiner "crachin", der durch jede Jacke dringt, begleitet von einem unangenehmen, böigen Wind, zwingt mich im Haus zu bleiben, nur das Rauschen des Meeres, 300 m entfernt, kann mich erfreuen.
Und trotzdem: Seit einem Jahr habe ich darauf gewartet, endlich wieder hier sein zu können, Freunde zu treffen, die Austern- und Miesmuschelfischer wiederzusehen, mit ihnen Pastis zu trinken und ein Stück "anders" leben zu können als in Berlin, was bei mir mit dem Kauf von frischen Krabben auf dem Markt, einem Brot "cuit au feu de bois", einem handgeschöpften Camembert und einem Glas Rotwein aus dem Anjou, selbstabgefüllt, anfängt.
Zeitungsausschnitte-
LebensabschnitteIst dieses Nieselregenwetter nun der richtige Zeitpunkt, um einen Bericht über einen Lebensabschnitt ohne Melancholie zu schreiben? Ein Lebensabschnitt, der mit den beiden Jahren 1983 - 85 als Austauschlehrer hier in Coutances (12 km von Agon-Coutainville entfernt) einen logischen Hôhepunkt hatte, aber schon als 5-jähriger Schüler vorbereitet wurde und sicher immer noch nicht zum Abschluss gekommen ist? Vor mir liegen rund 30 Zeitungsauschnitte aus der Regionalpresse, die mir dabei helfen sollen, Momente meiner Anwesenheit hier in der Normandie wieder in Erinnerung zu rufen. Artikel, deren Inhalt mir gewissermassen ein Feedback geben, wie meine Tätigkeit als Deutschlehrer in den Grundschulen gesehen wurde, über Fotoausstellungen und Dia-Vorträge, Berichte über drei Austauschprogramme, die ich durchgeführt habe, aber auch eigene Artikel. Sie sind gedruckte Spuren meiner Tätigkeit und meines "Sich-Einleben und Einbringen" in eine andere Kultur, die ich zugegebenermassen mit etwas Stolz aufgeklebt und archiviert habe. Durch sie werden gleichzeitig Spuren und Ereignisse in mir angesprochen, die mich geprägt haben und die auch weiter in meinem Fühlen, Denken und Handeln von Bedeutung sind.
über Bilder
zu eigenem
SprachhandelnWie fing alles an? Ich leitete im Sommer 1983 ein Deutsch-Französisches Seminar für Volkshochschuldozenten im Foyer des Jeunes Travailleurs in Coutances, das dritte seiner Art. Ziel: Herstellung von visuellen, landeskundlichen Materialien, die im Fremdsprachenunterricht eingesetzt, eine Auseinandersetzung mit der anderen (französischen) und daraus folgernd mit der eigenen Kultur anregen sollten.
Wahrnehmung
Alltag
IdentitätFotografisch festgehaltende Alitagssituationen, poetisch geprägte, Assoziationen weckende Fotos und Fotoserien wurden didaktisch aufbereitet und als Arbeitsblätter von uns gestaltet. Es entstanden Materialien, die zur Kommunikation in der Fremdsprache motivierten, weil sie von einem gemeinsam gesehenen, konkreten Foto ausgingen, aber zu den unterschiedlichsten Interpretationen und Assoziationen bei den Teilnehmern von VHS-Kursen führten.
Ein sprachliches Handeln, das weit über die üblichen Frage-Antwort Übungen bei Lektionstexten hinausging und das ich im Laufe meiner Tätigkeit als VHS-Dozent (auch eine wichtige Einnahmequelle während meiner Studienzeit) immer wieder mit Erfolg bei den Kursteilnehmern anregte und förderte.
Denn es entstand bei ihnen das Bewusstsein, das in der anderen Sprache kommunizieren nicht nur bedeutet sich verständlich zu machen, um im Urlaub im anderen Land "überleben" zu können.
Sondern sie erfuhren im Lernprozess, dass sie sich mit der Sprachaneignung die Chance schafften, sich selber mit ihren eigenen Gefühlen, Gedanken und Wertungen in einen Kommunikationsprozess einbringen zu können. Die daraus entstehende Motivation im Kurs intensiv weiterlernen zu wollen, kam dann auch dem jeweiligen Dozenten zu gute.
Während der Seminare lernte ich aber auch "Land und Leute" kennen und schätzen. Besonders die Aktivitäten rund ums Meer faszinierten mich. Mit etwas Wehmut kehrte ich nach solchen Seminaren nach Berlin zurück.
Kontinuität
MobilitätAls ich dann ein paar Monate später in der Rundschreibenmappe im Lehrerzimmer die Aufforderung für Grundschullehrer fand, sich für einen Aufenthalt in Frankreich zu melden, stand mein Entschluss schnell fest. Ich war zwar erst 5 Jahre im Schuldienst, hatte ein angenehmes Kollegium und einen toleranten Direktor, trotzdem schlich sich schon eine gewisse Routine ein, kam in mir eine Unruhe hoch, weil ich mit Schrecken daran dachte, in diesem Fahrwasser bis zum 65. Lebensjahr weitermachen zu müssen.
Mit diesen Überlegungen kam ich nach Hause. Da unsere beiden Kinder erst 2 und 3 Jahre alt waren, fiel es meiner Frau nicht schwer, in das Projekt zunächst für ein Jahr einzuwilligen. Die Aussicht die eigenen Französischkenntnisse in einer interessanten Umgebung aufzubessern, reizte sie. Und eine Berufspause fand sie reizvoll, da sie im Gegensatz zu mir schon viel länger im Berufsleben stand.
Fuss fassen
So ging es mit "Sack und Pack", einem ganzen VW Bus voll ab in die Normandie. Wir mieteten uns ein Ferienhaus in der Nähe vom Meer in Coutainville, ich arbeitete in drei Schulen in Coutances, meine Frau kümmerte sich um die Kinder und genoss dabei die Nähe zu Strand und Meer und abends kehrte ich nach Schule und Einkauf wieder zurück ans Meer. Zwei Tage Arbeit, mittwochs Pause, die wir ausgiebig zu Erkundungstouren nutzten, dann wieder 2 Tage Arbeit bis zum Wochenende. (Mein Sturidenplan erlaubte mir im Gegensatz zu meinen französischen Kollegen einen freien Sonnabend.)
Orientierung
EinlebenDie Eingewöhnungsphase verlief recht reibungslos, abgesehen davon, dass ich nach dem meist gehaltvollen, etwas schweren Mittagessen in der Kantine der École Normale, einem Kaffee und einem "Pousse-café" abwechselnd bei den Kollegen eingenommen (eine jahrelange, liebgewordene Tradition), ziemlich angeschlagen in die Nachmittags"runde" von 14.00 - 17.00 Uhr glitt.
Dass mir dies so leicht fiel hatte natürlich Gründe:
- Ich kannte die Umgebung schon etwas durch das Seminar. Als geborener Grossstadtmensch war ich gerne bereit, mich auf neue Lebensumstände und Alltagsrealitäten einzustellen. Vor allen Dingen weil dieses "Experiment" von vornherein auf eine bestimmte Zeit beschränkt war. Ich empfand daher Neugier Anderes, Ungewohntes zu entdecken und auf mich wirken zu lassen.
- Da meine Familie mitgekommen war, hatte ich nie das Gefühl allein zu sein, konnte auftretende Probleme auch auf Deutsch diskutieren.
- Aber vor allem: Ich hatte keine Sprachprobleme, konnte mich nicht nur im Alltagsfranzösisch zurechtfinden, sondern war auch in der Lage, mich mit Eltern, Kollegen, Direktoren oder auch dem Leiter der École Normale (meinem Vorgesetzten) angemessen zu unterhalten, um gegebenenfalls eigene Sichtweisen und Meinungen in Gespräche, die den Deutschunterricht betrafen, einbringen zu können. Diese Fähigkeit wurde besonders von offizieller Seite anerkannt und stärkte die Stellung des Postens bei Verhandlungen.
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