Frühe Sprachvermittlung
Enseigner dans l’école de l’autre :
regards croisés d’instituteurs

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Fremdsprache
fremde Sprache
fremdes Denken
fremdes Fühlen
Das Beherrschen der Sprache des Gastlandes ist sicher keine Vorbedingung, um eine effective Arbeit zu leisten, sich wohl zu fühlen oder um akzeptiert zu werden (ohne Tschechischkenntnisse habe ich trotzdem später drei Jahre in Prag mit viel Freude gearbeitet und gelebt), es erleichtert aber nicht nur die Kommunikation, sondern gibt einem die Möglichkeit einen Blick hinter die Alltagskommunikation zu werfen, sich mit anderen Gefühlen, Gedanken und Wertungen, die sowohl individuell, als auch kulturell geprägt sind, auseinanderzusetzen.
Umgekehrt erlebte ich mich in Prag aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse immer wieder ais Aussenstehender. Und mir fehlte einfach die Motivation Tschechisch zu lernen (war mein Anspruch an die Sprachaneignung zu hoch? Reichte mir das Französische? Oder gab ich mich bewusst mit der Rolle des etwas hilflosen Ausländers zufrieden?).

Dieses Gefühl Ausländer und damit Aussenseiter zu sein, der alles mehr oder weniger von aussen her wahrnimmt wie in Prag, habe ich in Frankreich nur selten. Die Wahl einer solchen Aussenseiterrolle im anderen Land machte mir die Gefahr deutlich, alles nur auf dem Hintergrund der eigenen Kulturerfahrungen zu sehen und einseitig zu beurteilen.
Die Grenzen der Verständigung bei einer fehlenden gemeinsamen Sprache waren deutlich: Mein intensivster Kontakt war der zu einem tschechischen Künstler, mit dem ich mich sehr differenziert auf französisch verständigen konnte (lm Laufe meines Aufenthalts entstand sogar ein Fotobuch über seine Arbeit ais Grafiker). Trotzdem merkte ich, dass das Zurückgreifen auf eine dritte Sprache eher hemmend wirkte: Ein authentischer, direkter Austausch von Gedanken, besonders wenn diese mit kulturellen Gesichtspunkten, persônlichen Gefühlen oder was ich als belastend empfand, mit geschichtlicher, unbewältigter Vergangenheit verknüpft waren, fand nur ansatzweise und das oft mit vielen Missverständnissen statt.
Man muss sich also sehr klar werden über den eigenen Anspruch, das eigene Engagement und die eigene Bereitschaft, mit denen man sich in die andere Kulturumgebung einbringen will, um nicht selber über die Reaktionen der Aussenwelt enttäuscht zu werden.
Wie und mit welchen Mitteln man in die andere Kulturumgebung "einsteigt" bleibt einem selber überlassen, ist von den eigenen Möglichkeiten, Vorlieben und Fertigkeiten abhängig.
Gastland als
Therapiezentrum
Überfrachtet man aber seine neue Umgebung mit zu hohen Ansprüchen, oder erwartet man von ihr sogar die Lösung von Schwierigkeiten und Problemen, die man mit sich selber oder im Zusammenleben und in der Kommunikation mit anderen Menschen "zu Hause" hatte, so ist ein Auslandsaufenthalt von vornerein zum Scheitern verurteilt und alle scheinbaren negativen Alltagserfahrungen werden auf die neue Lebensumgebung und ihre Bedingungen geschoben.
Dies führt zu einem sich Verschliessen und Abkapseln, das wiederum von der Umwelt als Desinteresse oder Überheblichkeit interpretiert wird. Dann genügen schon Kleinigkeiten aus dem Alltag, um sich gegenüber dem Gastland abzugrenzen bzw. die Schuld für ein Sich-nicht-Wohlfühlen der neuen Umgebung zuzuschreiben.

Aus der Not
eine Tugen
Meine sprachlichen Möglichkeiten um in die neue französische Umgebung einzutauchen wurden schon früh, eher unfreiwillig "angelegt":
Aufgewachsen im französischen Sektor von Westberlin, hatte meine geschiedene Mutter Schwierigkeiten, mich in eine deutsche Grundschule einzuschulen: Was sollte sie mit mir nach dem kurzen Schulvormittag, der üblicherweise nach der 4. Stunde endet, anfangen?
Einen Hort gab es nicht, ihre Eltern arbeiteten auch und sie kam erst um 18.30 Uhr aus dem Geschäft. Ein benachbarter Geschäftsfreund wusste Rat und Tat: Ab in die französische Grundschule, dort dauert der Schulalltag bis 17.OOUhr! Rückkehr mit dem Schulbus gegen 17.30 Uhr.
In die École Primaire de Berlin gingen zwar nur die Kinder der hochrangigen Militärs und Angestellten, aber irgendwie klappte es doch.
Jedenfalls fand ich mich als einziger Deutscher in einer CP-Klasse mit lauter Franzosen wieder, denn in der Schule mit ca. 250 Schülern gab es sowieso nur drei deutsche Schüler.
Lernen
auch ohne
Lust und
Laune
Sicherlich waren dies günstige Bedingungen zum Erlernen einer Fremdsprache, die bei dieser Intensität schon nach einigen Monaten zu meiner zweiten Muttersprache wurde.
Das strenge, rigide französische Schulsystem (besonders das im Ausland) und die Haltung nicht weniger Franzosen gegenüber uns paar Deutschen (schliesslich waren sie die "Besatzer"), trugen aber wenig zu einem offenen Kulturaustausch bei, sondern liefen mehr auf Abgrenzung hinaus...
Denke ich heute an diesen Zeitabschnitt zurück, so fallen mir sofort einige besonders markante Benachteiligungen ein, die ich damals als sehr schmerzhaft empfunden habe, trotzdem überwiegen die vielen positiven Momente (eine typische Reaktion, um etwas im Nachherein schöner erscheinen zu lassen?) und auch ein wenig Genugtuung, es unter diesen Bedingungen geschafft zu haben.
Manchmal wundere ich mich allerdings, dass ich nicht eine stärkere Ablehnung gegenüber dem "Französischen" in dieser Grundschulzeit entwickelt habe.
Jedenfalls war der weitere Schulverlauf vorgezeichnet: Deutsch-Französisches Gymnasium und anschliessend Pädagogische Hochschule mit Fach Französisch, um danach Erwachsenenbildung zu studieren.
Zu dem so erworbenen "Sprachgepäck" kamen noch Erfahrungen aus diversen Seminaren zwischen 1970 und 1980 mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk auch in Frankreich hinzu.

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