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Enseigner dans lécole de lautre :
regards croisés dinstituteurs |
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Zuviel des GutenDiese Rahmenbedingungen erleichterten mir das sich Zurechtfinden in der neuen Umgebung erheblich. Der für deutsche Verhältnisse ungewohnte Schulalltag (vormittags 3 Stunden Unterricht, 2 Stunden Mittagspause, dann wieder 3 Stunden Unterricht) erzeugte bei mir einen "déjà vu" Effekt, ich hatte ihn ja selber 5 Jahre gelebt, diesmal erlebte ich ihn aber aus der umgekehrten Perspektive, als Lehrender.
Es war meistens mühselig Schüler am Nachmittag für ein Fach zu begeistern, das ohne Zensuren unterrichtet wurde und damit von ihnen nicht ernst genommen wurde, zu dem sie gewissenermassen sogar über Jahre (teilweise von CE1 an) gezwungen wurden und das die Mehrheit im Collège wieder abgeben wollte.
Ein einjähriger "Schnupperkurs", der dann auf freiwilliger Basis fortgesetzt werden kann, wäre der überwiegenden Mehrheit der Schüler entgegengekommen und hätte das Ziel, möglichst viele Schüler für Deutsch als 1.Fremdsprache zu motivieren, unterstützt. Oder das Angebot hätte nur für 2 von 5 Grundschulen gelten sollen, sodass die Eltern bei der Einschulung eine Wahl gehabt hätten.
Insgesamt wurde ich bei meiner Arbeit (in Coutances, was sicher nicht einfach zu verallgemeinern ist), sowohl durch die materiellen Bedingungen, als auch durch den internen Schulablauf stark an meine Grundschulzeit erinnert, obwohl diese nun schon 25 Jahre zurücklag:
"Bewährtes"
bewahren?
- Das sich Anstellen bevor man in die Klasse / auf den Hof geht.
- Der überwiegend kognitive und lehrerzentrierte Lernprozess.
- Die Klassenlehrerin / der Klassenlehrer, die / der alle Fächer für ein Jahr unterrichtet, in manchen Fächern logischerweise ohne ausreichende Fachkompetenz.
- Die hohe Disziplin innerhalb des Schulalltags und das "Ausbrechen" der Kinder aus diesem Rahmen, sobald die Kontrolle wegfällt, z.B. auf dem Schulweg.
- Die relativ schlechte Ausstattung mit Lehr- und Lernmitteln in den meist einzügigen Grundschulen, auch wenn gerade zu meiner Zeit die Aktion "Jeder Schule ihren Computer" anlief (aufgrund der fehlenden Fortbildung verstaubten diese Computer recht bald).
- Das Fehlen von Fachräumen bis hin zur Turnhalle.
- Die individualisierten Elterngespräche, dagegen fanden Elternabende zu pädagogischen Themen nicht statt.
Praxis reflektieren
Diese Unterschiede zu meiner eigenen Unterrichtspraxis und meinen Unterrichtsbedingungen in Berlin fielen mir besonders auf, selbst wenn man ein Gefälle Grossstadt/Kleinstadt mitberücksichtigt.
Daraus ergaben sich immer wieder Anknüpfungspunkte, mit Kollegen über eigene Vorstellungen, was zu einer wünschenswerten, "modernen" Schule gehören sollte, zu diskutieren. Ihre Nachfragen zur "deutschen" Schule machten mir umgekehrt viele Defizite in unserem Schulsystem deutlich.
Konkrete Anknüpfungspunkte für Auseinandersetzungen ergaben sich häufig, manchmal genügte dazu schon der kleinste Anlass: Da der Frühdeutschunterricht in meinem Verständnis nur mit abwechslungsreichen Methoden zum Erfolg führen konnte, waren Sitz- und Spielkreise, Gruppentische, Partnerarbeit und Sketche Bestandteil des Unterrichts. Die Vizerektorin einer Schule beklagte sich dann des öfteren bei mir, dass es in meiner Klasse zu laut sei (Tische rücken, Lachen) und die Schüler immer zu "aufgekratzt" in ihren anschliessenden Unterricht kämen. Sie stellte in Zweifel, ob die Schüler "so" überhaupt was lernen würden.
Wandel
erwünscht?Auch wenn zum Glück die Mehrheit der Kollegen an den drei Schulen meine Arbeit unterstützte, gab es doch auch Zweifier, die diese offeneren Lernmethoden nicht ernst nahmen und sogar ablehnten, weil sie ihrer eigenen Sichtweise, wie sich ein Lehrer zu verhalten hat diametral entgegen standen. Ich erinnere mich noch gut an ein paar Kollegen, die immer einen weissen Kittel zur Arbeit anzogen, um die Ernsthaftigkeit ihrer Position bei Schülern und Eltern zu unterstreichen.
Der Apfel
fällt nicht weit
vom BaumNach dem ersten halben Jahr fühlte ich mich "zu Hause", der Schulalltag lief ohne grössere Überraschungen ab und privat entstanden erste freundschaftliche Verbindungen mit Kollegen.
Meine Söhne hatten sich auch eingelebt, so dass ich ihnen zumuten konnte in die École Maternelle zu einer befreundeten Kollegin zu gehen. Allerdings habe ich am Anfang aufgrund meiner eigenen Erfahrungen stärker darauf geachtet, wie sie sich in diesem Sprachbad zurechtfanden und half ihnen da, wo sie aufgrund der mangelnden Sprachfähigkeiten Probleme oder Missverständnisse mit ihren Mitschülern oder der Lehrerin hatten.
Mittags holte ich sie dann zum gemeinsamen Kantinenessen ab. Die Mittagspause war für sie eine willkommene Sprachpause.
Ich erlebte an ihnen im Laufe der Zeit, wie schnell man nicht nur eine neue Sprache, sondern auch Kulturelles erlernen und aufnehmen kann. Die Vielfältigkeit der École Maternelle in ihren Aktivitäten bis hin zum Beginn von Schreiben und Lesen beeindruckte mich, auch wenn die Schwerpunkte, im Gegensatz zu unserer Vorschulerziehung schon stärker auf die Anpassung an die Anforderungen des Schullebens lagen.
Entwurzelung
VerzweigungMir fällt es dann immer schwer nachzuvollziehen, wenn Eltern einen solchen Lernprozess in einer Fremdsprache nicht als eine Chance für die Zukunft ihrer Kinder begreifen. Statt ihn so weit wie möglich zu begleiten und zu unterstützen sehen sie ihn vielmehr als eine Gefahr der Entfremdung von der eigenen Kultur und lehnen ihn deshalb ab.
Dies kann man in Berlin leider nur zu häufig beobachten, wo insbesondere türkische Kinder dann entweder zwischen beiden Kulturen hin und her gerissen sind, bzw. sich nationale Ingroups gegen deutsche Schüler bilden oder aber die "westliche" Kultur gegen den Willen der Eltern so sehr verinnerlichen, dass es zu schmerzhaften Brüchen und Dramen in der Familie kommt.
Landeskunde
hautnah
begreifenSo ging das erste Jahr schnell vorbei und ich hatte den Eindruck, noch nicht genug aufgenommen zu haben, so dass ich eine Verlängerung mit der eindeutigen Zustimmung meiner Familie beantragte.
Neben meinem Schulleben entwickelte sich im Laufe der Zeit ein kameradschaftliches Verhältnis zu den Austern-, Krabben- und Miesmuschelfischern. Der zuweilen grosse Unterschied zwischen Ebbe und Flut (bis zu 13 Meter) erlaubt an der normannischen Küste eine intensive Nutzung auch des Meeresbodens. Die Austernfischerei gehört mittlerweile zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Normandie.
Da ich ab dem Alter von 5 Jahren regelmässig mit meinem Opa auf dem Tegeler See in Berlin zum Angeln fuhr, faszinierte mich hier alles was mit See, Meer und Leuten zusammenhängt. Mit dem Traktor bis zu 5 km bei Ebbe rausfahren, die Miesmuscheln um die Stämme binden, Austernsäcke umdrehen, Reusen einholen und selber nach allen möglichen Krebsen und Krabben zwischen den Felsen suchen, das waren Freizeitaktivitäten, die nicht nur mich, sondern auch meine Söhne immer wieder begeisterten.
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