tandem Sprachanimation in den Begegnungen junger Berufstätiger
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und des Referats "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW

DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

KAPITEL III

Das PROJEKT BIELEFELD

3.1. Durchführung
1991 intensivierte das DFJW seine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Bielefeld, denn deren Arbeiten über die natürliche Kommunikation zwischen Gesprächspartnern unterschiedlicher Muttersprache konnten die Basis für ein Forschungsprojekt in Jugendbegegnungen bilden.
Es ging bei dieser Zusammenarbeit um die Beobachtung natürlicher Kommunikationssituationen zwischen Jugendlichen in binationalen Begegnungen und um die Durchführung einer Studie mit folgenden Zielen:

  • Zusammenführen von Informationen über den Ablauf natürlicher Kommunikation zwischen den Teilnehmern,
  • Auflisten von Kommunikationsstrategien, die von Jugendlichen in deutsch-französischen Begegnungssituationen tatsächlich angewendet werden.


Das sogenannte Projekt Bielefeld sah vor, dass "auf der Grundlage des Grundprinzips der "teilnehmenden Beobachtung" (...) eine Datensammlung über Sprachkontakte und deren Verlauf in Begegnungssituationen durchgeführt werden"
(s. BRICAUD, DAUSENDSCHÖN-GAY, 1991) sollte.

Teilnehmende Beobachtung bedeutet für die Begleiter, dass sie in der deutsch-französischen Begegnung eine Doppelrolle spielen müssen. Zum einen sind sie aktiv als Begleiter, zum anderen müssen sie sich zurücknehmen, da sie eine Reihe von Beobachtungen über den Ablauf der Kommunikation zwischen den Jugendlichen durchführen. Diese beobachtenden Begleiter (animateurs-observateurs) müssen eine Reihe von Qualifikationen mitbringen: Zweisprachigkeit, Erfahrungen in der Begleitung von Gruppen sowie die Sensibilisierung für den interkulturellen Bereich.

Für die Durchführung dieser Studie wurden zwei vom DFJW subventionierte Begegnungen ausgewählt, die im Sommer 1992 stattfanden. Die eine binationale Begegnung wurde von den Francas und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Sontra (bei Kassel) durchgeführt, an diesem Aufenthalt nahmen 37 Jugendliche im Alter zwischen elf und 15 Jahren teil. Organisatoren der zweiten Begegnung waren das Bureau International de Liaison et de Documentation (B.I.L.D.) und die Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit (GüZ). Hierbei handelte es sich ebenfalls um eine dreiwöchige Begegnung in Langholz (Norddeutschland), in die allerdings ein binationaler Sprachkurs integriert war (fünf Vormittage à drei Stunden pro Woche). Daran nahmen 30 Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren teil.

Vor Beginn der Begegnungen fand im Sommer 1992 eine Vorbereitungssitzung mit allen am Projekt Beteiligten unter der Leitung von Bernadette Bricaud (DFJW) und Ulrich Dausendschön-Gay (Universität Bielefeld) statt. Dabei konnten die insgesamt fünf Beobachtungsinstrumente genauer definiert werden, die den beobachtenden Gruppenbegleitern für die Untersuchung zur Verfügung gestellt wurden:

  • die Fragebögen, die zu Anfang und am Ende der Begegnung ausgeteilt wurden. Sie hatten zum Ziel, verschiedene Basisinformationen über die Teilnehmer zu sammeln, etwas über die Entwicklung von Kontakt und Kommunikation untereinander herauszufinden sowie über den eventuell vollzogenen Spracherwerb während der Begegnung.
  • ein Beobachtungsleitfaden, mit dessen Hilfe die beobachtenden Begleiter den Verlauf der interkulturellen Begegnung und das sprachliche Verhalten der Jugendlichen festhalten konnten.
  • ein Leitfaden für die Durchführung narrativer Interviews: Die beobachtenden Begleiter sollten ausgewählte, einzelne Teilnehmer per Tonbandinterviews zu den von jenen erlebten natürlichen Kommunikationssituationen befragen.
  • Anweisungen für Audio- und Videoaufnahmen, um das Sprachverhalten der Jugendlichen zu dokumentieren.
  • und schließlich die Bitte, alle weiteren für die Auswertung interessanten Informationsquellen zusammenzutragen (Wandplakate, Seminarzeitungen usw.) sowie Dokumente über Sprachaktivitäten, die in den Begegnungen durchgeführt wurden.


Nach den Begegnungen setzte sich das Team am Ende des Sommers erneut zusammen, um den Ablauf der Begegnungen zu erörtern. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Methode der teilnehmenden Beobachtung machte es möglich, die Daten zu sammeln, die jedoch in beiden Begegnungen sehr unterschiedlich ausfielen. Die Befragung mit Hilfe von Fragebögen und narrativen Interviews fand in beiden Begegnungen statt, wohingegen das Betreuertagebuch und die Audio-/Videobegegnungen nur in der B.I.L.D/GüZ-Begegnung eingesetzt wurden. Zudem gibt es aus dieser Begegnung mehr Wandplakate, auf denen Sprachaktivitäten festgehalten sind, als aus der Francas/AWO-Begegnung. Aus allen erhobenen Daten bilden die Fragebögen, das Betreuertagebuch (B.I.L.D./GüZ) sowie die Interviews (Francas/AWO) das wohl interessanteste Material.
Die Fragebögen, ausgewertet und analysiert von Bettina Offermann, eröffneten einen Gesamteindruck über den Ablauf der beiden Begegnungsaufenthalte, und sie ermöglichten, das Sprach- und interkulturelle Verhalten der Jugendlichen im Wesentlichen zu erfassen.
Das Tagebuch, das Andreas Boschen in der B.I.L.D/GüZ-Begegnung gemäß des Beobachtungsleitfadens führte, spiegelt die Entwicklung des binationalen Kontextes wieder. Gleichzeitig enthält es auf allgemeine Weise Informationen zu Situationen, die die Kommunikation förderten beziehungsweise nicht förderten. Mit seinen "aus dem Leben gegriffenen" Beobachtungen von Szenen aus dem Begegnungsalltag, stützt das Tagebuch die Tendenzen, die sich bereits aus der Auswertung der Fragebögen abgezeichnet hatten.
Die von mir (Fabienne Bailly) durchgeführten narrativen Interviews (Francas/AWO), die auf dem erwähnten Leitfaden beruhten, wurden transkribiert.
(s. BOSCHEN, OFFERMANN, 1993). Diese Interviews illustrieren auf lebendige und konkrete Weise die Ergebnisse der Fragebögen: Hier erzählen die Jugendlichen über die von ihnen eingesetzten Kommunikationsstrategien und darüber, wie Spracherwerb stattfand. Diese "Erlebnisberichte" aus der Sicht der Jugendlichen unterstützen die Analyse der Fragebögen. Und zudem führte die Tatsache, interviewt zu werden, die Jugendlichen dazu, einige der ursprünglich unbewussten Verhaltensweisen zu reflektieren - was wiederum bei ihnen ein Bewusstwerden ihres Sprach- und Lernverhaltens hervorrief.

Erhältlich sind die erwähnten Datensammlungen (Fragebögen, transkribierte Interviews, Beobachtungstagebuch, Audio- und Videoaufnahmen, Sprachmaterial) sowie die Auswertung dieser Materialien beim DFJW.

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