tandem Sprachanimation in den Begegnungen junger Berufstätiger
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und des Referats "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW

DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

4.2. Verwendung von Beobachtungsinstrumenten für die Sprachanimation
Das Projekt Bielefeld bediente sich verschiedener Methoden, Beobachtungen durchzuführen und zu Untersuchungsergebnissen bezüglich der natürlichen Kommunikation in Gesprächssituationen zu gelangen. Einige dieser Untersuchungsinstrumente haben sich jedoch auch als mögliche Instrumente der Sprachanimation erwiesen: Es handelt sich hierbei um Leitfragen für Beobachtungen und einen Leitfaden für Gespräche in der Muttersprache, sowie um Abschlussfragebögen.

4.2.1. Leitfragen für eine Beobachtung durch den Sprachanimateur
Der Sprachanimateur sollte flexibel sein und es verstehen, sich an die jeweilige Begegnungssituation anzupassen, er sollte in der Lage sein, spontan im richtigen Moment die passende Aktivität anzubieten.


Um diese vielfältigen Zielsetzungen zu erreichen, können die Leitfragen für eine Beobachtung ein sehr interessantes Arbeitsmittel darstellen.

Der im Projekt Bielefeld angewendete Beobachtungsbogen war dafür gedacht, den Sprachanimateuren für die Erstellung des Tagebuches als Leitfaden zu dienen. Der Bogen kann dem Sprachanimateur, in bearbeiteter Form (siehe Anhang), tatsächlich bei der Beobachtung natürlicher Kommunikation helfen und ihm bestimmte Informationen über das kommunikative Verhalten der Jugendlichen während der Begegnung aufzeigen. Er muss ihm ermöglichen, die kommunikationshemmenden Blockaden zwischen den Jugendlichen zu erkennen, die kommunikationsfördernden Situationen zu analysieren und eine Unterscheidung der verschiedenen, angewendeten Lernstrategien einzuleiten.

- Erkennen der Blockaden zwischen den Jugendlichen
Die Blockaden können verschiedenen Ursprungs sein und schon von Beginn der Begegnung an vorhanden sein (Angst vor dem anderen, Angst vor der Fremdsprache) oder erst im Laufe des Aufenthaltes auftauchen (Konflikte, Missverständnisse, Scheitern der Kommunikation, usw.).

Der Sprachanimateur soll das Verhalten der Teilnehmer beobachten und dabei versuchen, die schon vorhandenen, länger anhaltenden und sich neu bildenden Blockaden zwischen Franzosen und Deutschen zu erkennen. Der Beobachtungsbogen kann ihm dabei helfen, sich darüber bewusst zu werden, welche Beobachtungen er machen sollte und welche Art von Fragen den Jugendlichen evtl. gestellt werden kann, um ihre Störungen im Kommunikationsprozess besser zu verstehen.

Ausgehend davon kann der Sprachanimateur Spiele zum Abbau von Hemmschwellen vorschlagen, die den Jugendlichen helfen, ihr Selbstvertrauen im Umgang mit anderen und im sprachlichen Bereich zu festigen, um sie somit zur Kommunikation und zum Lernen zu ermutigen. Weiterhin kann er versuchen, die oftmals durch kulturelle oder sprachliche Unterschiede entstandenen Konflikte und Missverständnisse durch den Dialog zu dedramatisieren.

- Analyse der kommunikationsfördernden Situationen
Ebenso kann der Sprachanimateur unter Zuhilfenahme des Beobachtungsbogens Situationen erkennen, die zwar für eine Kommunikation günstig sind, für die es den Jugendlichen jedoch an sprachlichen Kenntnissen mangelt, um wirklich kommunizieren zu können: Dadurch ist er eher imstande, auf die sprachlichen Bedürfnisse zu reagieren, die durch diese Situationen hervorgerufen werden.


Dem Sprachanimateur kommt also die Rolle des teilnehmenden Beobachters in der Begegnung zu. Es ist daher gut möglich, dass er einen gewissen Abstand in Bezug auf seine Rolle als Sprachanimateur für notwendig hält. Das wiederum kann ein Problem hinsichtlich seiner Einbeziehung in den Tagesablauf der Begegnung zur Folge haben. Diese Frage sollte im Team besprochen werden.

- Erkennen der angewendeten Lernstrategien
Wichtig ist, dass der Sprachanimateur den Anteil der natürlichen Kommunikation in seiner Gesamtheit erfasst. Wenn sich seine Beobachtungen vorrangig auf zwei Bereiche konzentrieren (die Blockaden und die sprachlichen Bedürfnisse), die er behandeln sollte und muss, so kann der Sprachanimateur jedoch auch beobachten, wie die Jugendlichen miteinander kommunizieren, und welche Strategien sie dazu anwenden. Zudem kann die teilnehmende Beobachtung, für den Fall, dass keine Interviews möglich sind, ein Mittel dafür sein, bestimmte Lernstrategien zu erkennen, um diese hinterher in der Gruppe zusammenzufassen.


4.2.2. Leitfaden für Gespräche in der Muttersprache und Abschlussfragebogen
Die letzte Frage des Abschlussfragebogens der Begegnung hat ein interessantes Phänomen aufgezeigt. Sie zielte auf die Fragestellung, ob die Jugendlichen durch die Beantwortung des Fragebogens und der Teilnahme an den Interviews bewusster über bestimmte Probleme nachdachten. Mehrere Jugendliche bejahten diese Frage, einige unter ihnen gaben sogar an, bewusster mit mit ihrem eigenen Sprachverhalten und in den Kontakten mit den Jugendlichen der anderen Nationalität umzugehen. Dies bedeutet, dass sie durch das Ausfüllen des Fragebogens und der Teilnahme an Interviews dazu angehalten wurden, über ihr eigenes Sprachverhalten nachzudenken, die Kommunikationssituationen bewusster zu erleben und über die von ihnen angewendeten Lernstrategien zu reflektieren. Wir wissen, dass «das sich Bewusstwerden des eigenen Lernvorgehens den Lernprozess selbst fördert.»
(s. DAUSENDSCHÖN-GAY, 1995), so dass Abschlussinterviews und –fragebögen, die zunächst nur als Beobachtungsmittel gedacht waren, sich folglich als integrativer Bestandteil der Sprachanimationspädagogik erwiesen haben. Auf diese neue Zielsetzung zugeschnitten, könnten sie als Sprachaktivitäten in binationalen Begegnungen zur Anwendung kommen.

Leitfaden für Interviews in der Muttersprache
Der im Anhang vorgeschlagene Leitfaden für Interviews zielt auf folgende Lernstrategien ab:

  • die von den Jugendlichen angewendeten Kommunikationsstrategien;
  • die Strategien des Spracherwerbs, d.h., die verschiedenen Vorgehensweisen beim Erwerb der Partnersprache.


Dieser Leitfaden ist als Hilfestellung für den Sprachanimateur gedacht: er kann ihn als Orientierungshilfe für seine Umfrage nutzen, sollte aber darauf achten, seine Interviews so natürlich wie möglich zu gestalten.

Die Interviews gestatten den Jugendlichen, sich ihrer Lernstrategien bewusst zu werden. Durchgeführt werden sollten sie in Kleingruppen von 4 – 5 Jugendlichen. Der Sprachanimateur sollte versuchen, sie auf 20 Minuten zu begrenzen, um selbst bei der Auswertung nicht unter einem Berg von Papier unterzugehen. Er könnte sich evtl. gleichzeitig auch Notizen machen, so vermeidet er das wiederholte Anhören der Kassetten. Die Aufnahme des Interviews könnte in diesem Falle überflüssig erscheinen, dennoch ist es wichtig, sie durchzuführen, um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen zu schärfen. Diese Vorgehensweise kann entweder dadurch begründet werden, dass man sie als Studie über die Art und Weise des Kommunikationsablaufes zwischen den Teilnehmern vorstellt (was die Jugendlichen auch sehr ernst nehmen), oder, dass man die Kassetten später spielerisch nutzt, z.B., indem man einen Zusammenschnitt aus den lustigsten und ausgefallensten Antworten macht.

- Abschlussfragebogen
Der hier vorgestellte Fragebogen ist die leicht abgewandelte Form des Abschlussfragebogens des Projektes Bielefeld (der Fragebogen zu Beginn der Begegnung ist für die Sprachanimation von keiner Bedeutung). Er wird in den letzten Tagen der Begegnung ausgeteilt und verfolgt zwei Zielsetzungen:

  • die Jugendlichen sollen sich ihres Sprachverhaltens bewusst werden, die Lernstrategien sollen systematisiert werden, mit dem Ziel, auch über die Begegnung hinaus selbständigen Spracherwerb zu fördern, und den Einfluss der Interviews zu verstärken;
  • das Sprachverhalten der Jugendlichen im ganzen, sowie die Bedeutung der während des Austausches eingeführten Sprachanimation auszuwerten.


Der Fragebogen stellt in der Tat eine Art Zusammenfassung der in der Begegnung gelebten Kommunikation dar: in 10 Punkten ermöglicht er uns, einen kurzen Zwischenbericht über die Entwicklung der binationalen Kontakte, die der Kommunikation zugrundeliegenden Motivation, die kommunikationsfördernden Sprachsituationen, die Lernstrategien und den Spracherwerb zu geben. Die Ergebnisse können sofort ausgewertet und vor Ende der Begegnung ausgehängt werden, somit können die Strategien der Kommunikation und des Spracherwerbs gleichzeitig systematisiert werden.

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