| Fachsprachenkurse im Tandem im Berufsbereich...
Das Engagement des DFJW für eine über den Massenaustausch von Jugendlichen hinausgehende, mehr in die Institutionen hinein wirkende Politik der Begegnung hat Mitte der 90er Jahre die Arbeit mit Berufstätigen und vor allem mit künftigen "Multiplikatoren" für die deutsch-französische Zusammenarbeit in allen Bereichen noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Mit fachsprachlich orientierten, intensiven Tandemkursen waren schon früher Erfahrungen gesammelt worden. Gruppen deutscher und französischer Landwirte, Konditoren, Köche, Friseure, Schreiner u. a. werden auch heute noch in gemeinsamen 2- bis 6-wöchigen Intensivkursen die meisten davon auch mit Ortswechsel bei Kursmitte auf Praktika und längere Aufenthalte im anderen Land sprachlich vorbereitet. Die Teilnehmer lernen dabei die wichtigsten Elemente der Allgemeinsprache und ein Minimum an berufsorientiertem Vokabular; sie erhalten Informationen über gesellschaftliche Strukturen bzw. die Organisation des Berufslebens im Gastland: Gewerkschaften, Berufsverbände, Kammern u.a., aber auch Arbeitsbedingungen, Unfallschutz, Berufsausbildung u. dgl. Meist werden Programme dieser Art mehr oder weniger offen in beiden Ländern ausgeschrieben, die Durchführung liegt z.T. bei Jugendreiseverbänden (z.B. Internationaler Fahrten- und Austauschdienst der Katholischen Landjugendbewegung, die Fédération Nationale des Foyers Ruraux, u.a.) oder z.B. bei den Compagnons du Devoir, einer französischen, auch in Deutschland tätigen Organisation für junge Handwerker. Eine besondere Form dieser berufsorientierten Arbeit stellen auch die regelmäßigen Treffen junger Winzer aus Ausbildungseinrichtungen in Baden, Rheinland-Pfalz und im Elsaß dar. Die Jugendlichen arbeiten einen Tag lang mit ihren Fachkollegen aus dem anderen Land in Weinberg und Keller; sie erwerben oder vervollkommnen im Einzeltandem "vor Ort" ihre Sprachkenntnisse und lernen die unterschiedlichen Anbauverhältnisse und Kellertechniken der benachbarten Anbaugebiete kennen. Die Zusammenarbeit großer Fachverbände bzw. herausragender Institutionen im kulturellen Leben beider Länder ermöglichte seit Anfang der 90er Jahre die Einrichtung spezifischer Praktikumsprogramme für bereits aktiv im Beruf stehende junge Buchhändler und Verlagsfachleute, für Bibliothekare und Mitarbeiter aus Museen. Im Gegensatz zu anderen Programmen werden für diese Berufsgruppen gute Vorkenntnisse in der anderen Sprache vorausgesetzt. Den in der Regel zwei- bis dreimonatigen Praktika in Buchhandlungen und Verlagen, Bibliotheken und Museen des anderen Landes gehen vierwöchige intensive Tandemkurse voraus, die grundsätzlich einen Ortswechsel nach der Hälfte des Kurses vorsehen und sehr viel stärker die Vermittlung von Fachsprache aus den jeweiligen Bereichen zum Ziel haben. Das Sprachprogramm wird ergänzt durch Gespräche mit Vertretern der jeweiligen Berufe, Besuche von Veranstaltungen und Einrichtungen. In einigen Kursen dieser Art wurden auf Veranlassung des DFJW Fachglossare erarbeitet, die in künftigen Programmen die fachsprachliche Arbeit erleichtern. ... und an der Hochschule Auch im Hochschulbereich werden heute aus der Situation des an vielen Hochschulen z.T. ganz fehlenden oder uneffizienten Fremdsprachenunterrichts Konsequenzen gezogen. Hochschulpartnerschaften begünstigen nicht nur die Begegnung von Studenten und jungen Wissenschaftlern gleicher Fachbereiche sondern auch die Durchführung von Tandemsprachkursen. Nach ersten Kursen für Studierende landwirtschaftlicher Berufe aus Triesdorf-Weihenstephan und Byan-sur-Doubs, und einem vom DFJW selbst erarbeiteten Modell eines vierwöchigen Kurses mit Ortswechsel, für Studenten der Betriebswirtschaft der Fachhochschule Landshut und der Universität Orleans, finden nunmehr jedes Jahr zahlreiche Programme dieser Art zwischen rd. 20 Hochschulen in Deutschland und Frankreich statt. Einen hinsichtlich der zukünftigen Breitenwirkung in beiden Ländern auch für das DFJW besonders wichtigen Platz nehmen dabei Tandemkurse für angehende Journalisten ein, die an Hochschuleinrichtungen und Journalistenschulen (z.B. in Köln und Lille) ausgebildet werden. Die Teilnehmer lernen in den Kursen nicht nur die ins-titutionellen Gegebenheiten für alle Sparten journalistischer Tätigkeit in Frankreich und in Deutschland kennen. Sie erwerben über die interkulturell orientierte Beschäftigung mit der anderen Sprache und die Kontakte mit Studienkollegen des anderen Landes auch viele der grundlegenden menschlichen Voraussetzungen, die sie später für ihre Tätigkeit als "Multiplikatoren" in Presse und Rundfunk qualifizieren. |