| Und die Schwerpunkte für die nächsten Jahre?
Mit dem Zusammenrücken der Länder der Europäischen Union stellen sich zukünftig noch nachhaltiger, als dies im deutsch-französischen Bereich von Anfang an der Fall war, die Probleme der Überwindung von Sprachbarrieren. Da und dort zeigt sich bereits jetzt, dass vom DFJW entwickelte Arbeitsmethoden und insbesondere die verschiedenen Tandem-Modelle auch auf andere Sprachen übertragen werden. Und doch ist damit der Handlungsbedarf auch im deutsch-französischen Bereich noch nicht erschöpft. Zumindest drei wichtige Aufgaben werden sich dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, dessen Auftrag von den Regierungen der beiden Länder 1999 erneut bekräftigt wurde, auch über die Jahrtausendwende hinaus stellen. Die geforderte räumliche wie geistige Mobilität junger Erwachsener wird es mit sich bringen, dass zunehmend traditionelle Vermittlungsformen der Fremdsprache mittel- und langfristiger, auch intensiver Sprachunterricht zum Erwerb "perfekter" Sprachkompetenz und fundiertem Wissen über das Zielsprachenland in den Hintergrund treten gegenüber dynamischeren, "leichteren" Arbeitsmethoden, die aber andererseits in viel höherem Maße auch an die jeweilige Motivationslage und die Eigeninitiative der Lernenden appellieren müssen. Die in Austauschprogrammen erprobte "animation linguistique", als zunächst sehr spielerische Vermittlungsform, hat für viele Zielgruppen, z.B. im Bereich der jungen Berufstätigen, noch lange nicht die Bedeutung erlangt, die ihr eigentlich zukommen müsste. "Sprachanimation" soll Anstoß der Lernenden zur konsequenten Eigentätigkeit sein, ein Schritt zur Lernerautonomie, in der sich späterhin auch außerhalb der Gruppen- oder Tandemsituation der Rückgriff auf die heute universell zur Verfügung stehenden technischen Medien für "Selbstunterricht" ergeben kann. Versuche mit Tandem-Arbeit über E-Mail an der Universität Bochum haben gezeigt, dass (wenngleich bisher auf den schriftlichen Bereich beschränkt) über dieses Medium Ansätze zur lebendigen Kommunikation und Erweiterung von Sprachkenntnissen möglich sind. Der rapide Fortschritt der Kommunikationstechniken könnte es mit sich bringen, dass vielleicht schon bald vor und nach einer realen "Begegnung", die auf jeden Fall immer das Wünschenswerteste bleibt Franzosen und Deutsche über "sprechende E-Mail" in Austausch treten und offene "animation linguistique" über gemeinsam interessierende Themen sich eines Tages auch über Internet vollzieht... Ein Bereich, der auch weiterhin einen Schwerpunkt in der Arbeit des DFJW darstellen muss, ist das Schulwesen. Seit über 30 Jahren haben Hunderttausende von deutschen und französischen Schülern am Schulaustausch teilgenommen. Nicht in allen Fällen mag dabei der sprachliche Fortschritt, den Lehrkräfte wie Eltern sich aus der Schülerbegegnung erhofften, ganz überzeugend gewesen sein. Aber gerade auch für diesen Typ von deutsch-französischen Programmen, die immer in Gefahr stehen, ein wenig zur Routine zu werden, kann durchdachte Tandemarbeit, die an den persönlichen Motivationen der Schüler wie an schulischen Erfordernissen und Gegebenheiten anknüpft, eine Bereicherung darstellen nicht nur in Klassen aus den allgemeinbildenden Schulen, sondern auch in den immer noch zahlenmäßig unterrepräsentierten Gruppen aus dem berufsbildenden Bereich, in dem Fragen der Beschäftigung mit Fremdsprachen überhaupt sich künftig unter vielfältigen neuen Aspekten stellen werden. Damit aber die in über 30 Jahren im DFJW gemachten Erfahrungen mit Sprachvermittlung und Spracherwerb auf allen Gebieten auch künftig fruchtbare, der Entwicklung angepasste Neuansätze nach sich ziehen, muss gewährleistet sein, dass weiterhin Sprachanimateure und Sprachlehrer sich zunächst mit diesen Erfahrungen vertraut machen, in Seminaren, Aus- und Fortbildungskursen Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, die sie anschließend in der Praxis erproben. Das DFJW wird diese Arbeit mit den Multiplikatoren in Schulen, Hochschulen und Verbänden nicht immer alleine leisten können. Mit Sicherheit ist dabei erneut immer wieder die enge Zusammenarbeit mit außenstehenden Fachleuten aus Forschung und Wissenschaft erforderlich, auf die sich das DFJW seit Anfang seiner Tätigkeit in gegenseitigem fruchtbarem "Geben und Nehmen" vertrauensvoll stützen konnte. Dr. Fritz Kerndter, ehem. Leiter des Sprachreferats des DFJW ENDE |