exemples+konzepte
Methoden und Materialien zum Sprachenlernen im Tandem –
der Beitrag des Deutsch-Französischen Jugendwerks zur Entwicklung der Fremdsprachendidaktik

Dr. Fritz Kerndter, ehem. Leiter des Sprachreferats des DFJW
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Neue Wege im Sprachunterricht

In dieser Situation verfolgten die Verantwortlichen der 1965 bei den beiden Abteilungen des DFJW in Paris und Bonn (mit Sitz in Bad Honnef) eingerichteten Sprachreferate besonders aufmerksam die Entwicklung der vor allem in Frankreich, aber auch in anderen Ländern sich entwickelnden linguistischen Forschungsarbeiten, die letztlich überall auf eine Verbesserung und größere Effizienz des Fremdsprachenunterrichts hinzielten. Aus den USA wurden die Techniken des bedingten Reflexes, des "stimulus and response" bekannt, die zum Sprachlabor mit seinen pattern drills, den Strukturmusterübungen führten. Schon 1954 war in Frankreich "Le français élémentaire", später als "Le français fondamental" bezeichnet, erschienen: Ergebnis der Untersuchungen über die Wortfrequenz im Gebrauch des Französischen, die spätere Arbeiten über einen "Mindestwortschatz" für Sprachunterricht und Spracherwerb auch für andere Sprachen begründeten. Beobachtungen bei der Spracherziehung von Taubstummen brachten das Institut für angewandte Phonetik der Universität Zagreb, unter Petar Guberina, zu neuen Erkenntnissen über die vielfach durch muttersprachliche Artikulationsgewohnheiten bedingte Nichtwahrnehmung von Lautfolgen durch das menschliche Ohr – Erkenntnisse, die für den Fremdsprachenunterricht besonders bei der phonetischen Korrektur nutzbar gemacht werden konnten. Gaston Mialaret, Claude Malandain und Victor Ferenczy erforschten in Frankreich die Wahrnehmung von Sinnaussagen in Bildern, besonders von gezeichneten und projizierten Bildfolgen als Hilfsmittel für den Fremdsprachenunterricht.

Ein Umdenken in der Auffassung von Zielen und Inhalten im Sprachunterricht bahnte sich an. Sprache wurde jetzt deutlicher als Kommunikationsmittel verstanden, dessen Aneignung für die Praxis nach ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen musste. Dies bedeutete keine Absage, wie viele Kritiker dieser Entwicklung – vor allem im Schul- und Hochschulbereich – meinten, an die traditionellen Bildungsziele des Fremdsprachenunterrichts und die Beschäftigung mit Literatur und Geistesgeschichte des Zielsprachenlandes, die im Erziehungswesen immer im Vordergrund standen. Es war vielmehr eine Verschiebung der Prioritäten, die der soziologischen Realität und vielfach einer neuen Motivationslage entsprach. Der "Schüler" sollte

  • in kürzester Zeit in die Lage versetzt werden,
  • mit einem Minimum an sprachlichen Mitteln (Vokabular, grammatische Strukturen)
  • ein Maximum von Situationen sprachlichen Kontakts mit Ausländern sicher zu bewältigen.

Er sollte lernen, dass bestimmte Sprachstrukturen in vielfältigen Aussagen verwendet werden können, dass wenig, aber hochfrequentes Vokabular zur sprachlichen Bewältigung der meisten Alltagssituationen ausreicht, und dass es wichtiger ist, eine Mitteilung so eindeutig wie möglich zu verstehen oder zu übermitteln, anstatt Kommunikation durch (meist doch nicht beherrschte...) Hyperkorrektheit ins Stocken zu bringen.

Im Zuge der kulturpolitischen Reflexion der französischen Regierung über die Notwendigkeit der schnellen Vermittlung der französischen Sprache - jetzt als Fremdsprache! - in den ehemaligen französischen Kolonien war schon 1951 das "Centre de Recherches et d’Etudes pour la Diffusion du Français" (CREDIF) gegründet worden, in dem jetzt unter der Initiative und Koordination von Paul Rivenc die verschiedensten Forschungsansätze aus Frankreich, aber auch aus England und den USA ihre Erprobung und praktische Umsetzung fanden. Eines der ersten systematisch angelegten Lehrwerke nach der neuen "audio-visuellen struktur-globalen" Methode, von Guberina, Rivenc u.a., das später den Titel "VOIX ET IMAGES DE FRANCE" erhielt, wurde 1963 – 1965 in einem Unterrichtszentrum des CREDIF in der Rue Jean Calvin in Paris sowie am "Centre Audio-Visuel de Langues Modernes" (CAVILAM) in Vichy in Intensivkursen mit Ausländern erprobt. Erste Versuchspersonen waren u.a. deutsche Stipendiaten des DFJW, die bereits nach wenigen Wochen Unterricht eine beachtliche praktische Sprachkompetenz im Französischen aufweisen konnten.

Es war der Initiative des französischen Verlegers Henri Didier zu verdanken, dass sich auch für den außerschulischen Deutschunterricht (zumindest in Frankreich) schnell neue Perspektiven auftaten. Didier beauftragte Clara Montani und Irene Burgdorf, ein Autorenteam, das bereits in Zagreb mit Guberina und später mit dem CREDIF zusammengearbeitet hatte, mit der Erarbeitung eines Unterrichtswerks, das unter dem einfachen Titel "Méthode audio-visuelle d’allemand" 1962 in Paris erschien und für dessen Verbesserung, Ergänzung (besonders für den Einsatz in extensiven Kursen) und Verbreitung sich auch das DFJW später nachhaltig einsetzte. Noch 1974/75 wurde in rd. 800 Deutschkursen in Frankreich, in "Maisons des Jeunes et de la Culture" (MJC), in Jugendverbänden, bei Partnerschaftskomitees u.a., mit "Montani-Burgdorf" unterrichtet.

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