tandem Sprachanimation in deutsch-französischen Jugendbegegnungen
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und dem Referat "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW
DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

2.2 METHODEN DER SPRACHANIMATION
Sprachanimation kann, unter anderem, durch zwei Methoden umgesetzt werden: Die spielerische Methode und die Tandem-Methode. (s. KRAUS, 1990, JAMET, 1991, DAUSENDSCHÖN-GAY, 1995)

2.2.1. SPIELERISCHE METHODE
Der spielerische Ansatz von Sprachanimation verfolgt drei Ziele: Abbau von Hemmungen
(im Französischen kürzer und prägnanter: déblocage), Spracherwerb und Systematisierung.

  • Abbau von Hemmungen

Es geht darum, die Teilnehmer dahin zu bringen, ihre - meist affektiven - Barrieren zu überwinden, die sie darab hindern, offen und frei zu kommunizieren. Diese Blockaden können diverse Ursachen haben: Mangelnde Kenntnisse über die Sprache des Anderen, eine gewisse Schüchternheit, natürliche Schwierigkeiten, in Kontakt zu treten, Entmutigung aufgrund vorhergegangener Misserfolge (schulische oder andere), Angst, sich lächerlich zu machen u.s.w.

Diese Phase des Abbaus der Hemmungen ist entscheidend. Sie soll den Teilnehmern helfen, Selbstvertrauen zu gewinnen und die - physische oder psychische - Kontaktscheu zu verlieren. Sie stützt sich in erster Linie auf non-verbale Spiele, so wie die "Kennenlern"- oder Ausdrucksspiele mit Mimik, Theater, Liedern, Rollenspielen u.s.w. Diese Aktivitäten haben zum Ziel, die Sozialkontakte zwischen den Jugendlichen zu entwickeln und sie gemeinsame Erfahrungen machen zu lassen.

Es handelt sich auch um eine Phase sprachbezogener Motivierung. Die Sprache wird praktisch "ohne dass man es merkt" eingeführt, da sie eine rein instrumentelle Funktion hat: Es geht um das Erlernen dessen, was nötig ist, um das gemeinsame Ziel zu erreichen und darum, dank der erlebten geglückten Kommunikation Lust auf weiteres Lernen zu bekommen.

  • Spracherwerb

Nach dem ersten Abbau der Hemmungen, wird der Sprachaspekt in die durchgeführten Spiele und Aktivitäten eingeführt. Dies zum Beispiel, indem das Bedürfnis nach Sprache durch angemessene Situationen geweckt oder auf einen festgestellten Sprachbedarf geantwortet wird, oder durch Spiele aus dem Bereich der Gruppenpädagogik, die durch das Integrieren sprachlicher Komponenten angepasst sind.

Es geht darum, gewisse visuelle und auditive Speicherungsprozesse mit einfließen zu lassen. Jugendliche sehen und hören viel während des Austausches, aber ohne Unterstützung werden sie ganz sicher nicht viel von dieser Fülle an Sprachinformationen behalten. Um den Speicherungsprozess zu fördern, werden daher Spiele durchgeführt, wie zum Beispiel Wiederholungsspiele. Zum anderen könnte man das Erworbene mit Hilfe von Plakaten visualisieren, die während des gesamten Aufenthalts im Gruppenraum hängen bleiben.

  • Systematisierung

Diese Etappe entspricht im Großen und Ganzen einer geordneten Zusammenfassung. Gemeinsam wird alles zusammengestellt, was die Jugendlichen während des Austauschs lernen konnten, das erworbene Wissen wird dann strukturiert. Man kann beispielsweise versuchen, sie durch Ableitung dessen, was sie schon kennen, das grammatikalische Sprachgefüge entdecken zu lassen. Das Interesse liegt darin, sie - ausgehend von den zufällig in konkreten Situationen erworbenen Sprachelementen - in die Lage zu versetzen, das Erworbene abzuleiten und in anderen Situationen anzuwenden.

Hervorzuheben ist, dass diese drei Ziele nicht notwendigerweise einer chronologischen Ordnung entsprechen müssen. Man vergleicht den Ablauf von Sprachanimation lieber mit dem Bolero von Ravel: Darin wird jedes Instrument nach und nach eingeführt, ohne dass derweil ein anderes zu spielen aufhört, bis hin zu einer finalen symphonischen Bewegung, in der alle Instrumente gleichzeitig spielen. In der Sprachanimation beginnt man folglich mit dem Abbau von Hemmungen, was die ganze Begegnung über andauert: Denn manche Blockaden können bestehen bleiben, neue im Laufe des Aufenthalts hinzukommen. Man führt dann den Spracherwerb ein, der sich durch die gesamten Aktivitäten ziehen kann, dann die Systematisierung, die hinzukommt, wenn bereits ein gewisser Spracherwerb stattgefunden hat...
Wichtig ist, dass diese Ziele je nach Gruppe und Dauer der Begegnung adaptiert werden müssen. In der Regel dauern Jugendbegegnungen drei Wochen, so dass der Abbau von Hemmungen zu Beginn der ersten Woche stattfinden sollte.

 

2.2.2. DIE TANDEM-METHODE
Tandem ist die Lernmethode, die in binationalen Sprachkursen eingesetzt wird. In bestimmter Form wird sie auch in den Aktivitäten einer binationalen Begegnung angewendet.

In der Tandem-Methode wird der Spracherwerb auf eine bestimmte Art zum "didaktischen Vertrag" zwischen zwei Partnern mit unterschiedlicher Muttersprache erhoben. In diesem Kontext heißt das: Ein Franzose und ein Deutscher arbeiten zusammen an der Umsetzung eines gemeinsamen Ziels. Sie sprechen abwechselnd Französisch und Deutsch (zum Beispiel: eine halbe Stunde in der einen Sprache, eine halbe Stunde in der anderen) und übernehmen mit verteilten Rollen jeweils die Funktion des Lernenden und des Lehrenden.

Das Tandem ist flexibel: Die Auswahl des Partners kann frei sein oder bestimmt werden, der Tandempartner kann gewechselt werden oder bis zum Schluss derselbe sein, je nach Gruppenzusammensetzung und Aufgabenstellung. Die Gesprächspartner haben nicht gezwungenermaßen das gleiche Sprachniveau: Wichtig ist vielmehr, dass es weder eine dominante Sprache noch einen dominanten Partner gibt. Und das Tandem passt sich dem Rhythmus der Partner an: Beide können sich daher Zeit nehmen, sich auszudrücken, Kommunikationsstrategien anzuwenden, neu gelernte Worte oder Ausdrücke auszuprobieren.

Das Tandem ist daher der ideale Ort, um intensiv und effizient zu lernen, da es den Jugendlichen ermöglicht, in enger Interaktion, in einem Klima von Vertrauen und autonom zu arbeiten.
Siehe hierzu die Berichte über binationale Sprachkurse auf der Internet-Seite des DFJW: http://www.ofaj.org/paed/sprachlangue.html sowie das Handbuch "Die Tandem-Methode - Theorie und Praxis in deutsch-französischen Sprachkursen". Einige Materialien können auch vom DFJW verschickt werden.

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