tandem Sprachanimation in deutsch-französischen Jugendbegegnungen
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und dem Referat "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW
DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

KAPITEL IV

PROJEKTERGEBNISSE

4.1. Voraussetzungen für den Einsatz von Sprachanimation
Um die Ausgangsziele für Sprachanimation zu erreichen, muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. Diese Bedingungen betreffen das Leitungsteam, die Auswahl der Teilnehmer und auch die materiellen Rahmenbedingungen vor Ort.

4.1.1. Das Leitungsteam...
... ist die "Kernzelle" der Begegnung. Daher ist es unumgänglich, dass es sich aus Begleitern/Lehrern
zusammensetzt, die bestimmte Qualifikationen mitbringen.

  • Sprachkenntnisse: Das Beherrschen der Partnersprache ist Grundbedingung für die Kompetenz der Begleiter in einer binationalen Situation. Darüber hinaus schreibt das DFJW in Bezug auf die Ausbildung von Verantwortlichen und Begleitern in seinen Richtlinien verbindlich fest: "Gruppenleiter und Mitarbeiter (....) sollten über genügend Kenntnisse beider Länder und ihrer Sprache verfügen". Ein nur einsprachiger Begleiter kann in einer binationalen Begegnung weder autonom sein noch den Teilnehmern Autonomie vermitteln, insbesondere dann, wenn die Begegnung im Partnerland stattfindet.

  • Fortbildung im interkulturellen Bereich. Das DFJW bietet Weiterbildungsangebote an: Für die Begleitung einer binationalen Begegnung, für die Vorbereitung der Teilnehmer auf das, was sie erwartet, sollten die Teammitglieder interkulturelle - auch theoretische - Kenntnisse während einer Fort-/Weiterbildung erworben haben. Weiterhin werden Seminare über Sprachanimation und Tandemmethoden angeboten.

  • Erfahrung mit Gruppen: Eine gewisse Erfahrung im Umgang mit und in der Leitung von Gruppen sollte der Begleiter mitbringen - beziehungsweise das Team sollte sich aus erfahrenen und neuen Begleitern zusammensetzen. Da die binationale Situation nicht so "nebenbei" läuft, sollte der Begleiter Erfahrung in Gruppenleitung besitzen. Nur so kann er sich auf die zusätzliche Dimension einer interkulturellen Begegnung einlassen und mit dieser adäquat umgehen.

  • Zusammenarbeit des Teams: Die Integration von Sprachanimationsaktivitäten in den Austausch setzt voraus, dass das Leitungsteam in die Vorbereitung mit eingebunden wird und von Fall zu Fall auch andere für die Begegnung Verantwortliche. Denn zum einen ist die Sprachanimation untrennbar mit dem Ziel des Interkulturellen Lernens verwoben, zum anderen bedarf derjenige, der Sprachanimationsaktivitäten anbietet, der Unterstützung seiner Teamkollegen. Und schließlich ist es wichtig, dass sich die Begleiter auf eine "Tutorenrolle" (als Gegensatz zu Dolmetscher) vorbereiten und durch ihre Verhaltensweisen die Kommunikation der Teilnehmer fördern.

Die Realität sieht oft natürlich anders aus: Es ist fast unmöglich, alle diese Bedingungen zu erfüllen, ansonsten würde nur in einem Bruchteil aller vom DFJW geförderten Begegnungen Sprachanimation durchgeführt. Unabdingbar ist jedoch, dass mindestens ein Begleiter pro nationaler Gruppe die Partnersprache beherrscht und Sprachanimation anbietet (s. dazu die Vorschläge im Anhang). Wichtig ist auch, dass im Team Erfahrungen mit interkultureller Gruppenarbeit vorhanden sind.

4.1.2. Die Zielgruppe:
Wünschenswert sind deutsche und französische Gruppen, die eine gewisse Homogenität aufweisen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt das Alter der Jugendlichen - denn zwischen beispielsweise 15 und 18 Jahren liegen häufig Welten. Wichtig kann auch sein, ob die Teilnehmer aus eher ländlichen Gebieten oder aus der Großstadt kommen, welches schulische und sprachliche Niveau sie mitbringen, ob die Anzahl zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmern (je nach Ausbildung) ausgewogen ist.

4.1.3. Ein Raum für die Begegnung :
Es gibt eine Bandbreite von Möglichkeiten, wie die Gruppe im Partnerland untergebracht sein kann: Die Jugendlichen übernachten bei Familien oder in den Internaten, wo die Partner ihre Ausbildung absolvieren, die Deutschen und die Franzosen sind getrennt untergebracht und treffen sich nur tagsüber - oder alle zusammen verbringen die Begegnung gemeinsam an einem dritten Ort.
Die folgenden Anmerkungen beziehen sich auf die sogenannte "Drittort-Begegnung":
Um Sprachanimation anbieten zu können, braucht die Gruppe unbedingt einen Raum. Denn ein Gruppenraum kann an sich schon einen Ort der Begegnung, der Kommunikation darstellen. Es ist wichtig, dass den Jugendlichen ein Raum zur Verfügung steht, an dem sie sich treffen können, wenn sie einfach "nichts zu tun" haben. Denn Kommunikation findet insbesondere auch in den informellen Momenten der Begegnung statt, und dafür sollte man ihnen einen Rahmen schaffen.
Ein Gruppenraum ist auch für die Sprachanimationsaktivitäten unerlässlich. Während in der Phase "Abbau von Hemmungen" noch nicht ganz so häufig auf Visualisierungsmethoden zurückgegriffen wird, sind sie - mit unterschiedlichsten Mitteln - in den Phasen "Spracherwerb" und "Systematisierung" unersätzlich. Dies setzt voraus, Wandplakate anzubringen und sie während der Begegnung dort hängen zu lassen für einen neuerlichen Gebrauch oder, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, die beispielsweise niedergeschriebenen Vokabeln nochmals anzugucken, anzuwenden oder neue hinzuzufügen.

4.1.4. Sprachliche Vorbereitung
Eine vor der Begegnung stattfindende sprachliche Vorbereitung der Teilnehmer ist bei geschlossenen Gruppen kein Muß, aber gerade bei Jugendlichen ohne oder mit nur geringen Sprachkenntnissen wünschenswert und realisierbar. Diese sprachliche Sensibilisierung soll vor allem Neugierde wecken für das andere Land, die andere Kultur und die andere Sprache.
Diese sprachliche Vorbereitung kann den Jugendlichen das "Rüstzeug" für die Begegnung mitgeben. Sie verlieren das Gefühl des "Nicht-Verstehens", sie erwerben Alltags- und "Survival"-Vokabular oder erste Fachbegriffe, die für einen projektbezogenen Austausch (z. B. Umweltschutzprojekt) die Basis bilden können.
Das DFJW fördert solche sprachlichen mono- oder binationalen Vorbereitungstreffen, die an einem Wochenende oder zu einem anderen Zeitpunkt, regelmäßig oder punktuell stattfinden können, je nach den Möglichkeiten der Organisatoren und den Bedürfnissen der Gruppen. Dieses Angebot orientiert sich fast ausschließlich an dem Bedarf der Jugendlichen während der Begegnung: Die Methoden und Inhalte sind daher auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten (Sprachkenntnisse, Schulniveau) und auf die Situation vor Ort (je nach den vorgesehenen Programmaktivitäten).
(Vgl. auch Punkt 5.4)

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