tandem Sprachanimation in deutsch-französischen Jugendbegegnungen
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und dem Referat "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW
DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

KAPITEL V

DURCHFÜHRUNG VON SPRACHANIMATION

Nach der Betrachtung der Voraussetzungen, die für eine effektive Durchführung von Sprachanimationsaktivitäten notwendig sind, folgt nun die eher praktische Frage: Welche Methoden sollten wann und mit welchem pädagogischen Ziel eingesetzt werden? Ausgehend von der spielerischen Methode der Sprachanimation wird im Folgenden jedes der drei Ziele (Abbau von Hemmungen, Spracherwerb, Systematisierung) anhand von Beispielen einzeln betrachtet.
Die Tandem-Methode wird dabei - je nach Anwendungsmöglichkeiten - punktuell mit einbezogen. Voraussetzung ist, dass es sich um eine deutsch-französische Begegnung ohne Sprachkurs handelt.

Alle erwähnten Spiele und Aktivitäten werden (im Anhang) von einer detaillierten Beschreibung begleitet, die eine Anwendung ermöglichen soll. Im sich anschließenden Text werden einige Spiele kurz und beispielhaft für das jeweilige Ziel erklärt. Andere, längere, finden sich in der "Spielekartei" am Ende des Textes. Jedes Spiel wird auf Deutsch und auf Französisch vorgestellt, denn es ist notwendig, dass die Anleitungen in beiden Sprachen vorgestellt werden. Wir haben uns bemüht, aus der Fülle von Spielen nur die Aktivitäten auszuwählen, die für die Zielgruppe geeignet erscheinen. Dennoch ist es sicherlich notwendig, jedes Spiel vorab einmal selbst auszuprobieren, um festzustellen, wo sie mit Hinblick auf die jeweilige Gruppe verändert werden müssten. Und die Kartei kann und will kein Ersatz für eine praktische Weiterbildung zum Thema "Sprachanimation" sein.

Alle hier aufgeführten Aktivitäten sind aus zahlreichen Begegnungen und Weiterbildungsseminaren hervorgegangen, die im deutsch-französischen Bereich in den letzten Jahren durchgeführt wurden.

5.1. Abbau von Hemmungen
Spiele, die zum Ziel haben, die Jugendlichen zur Kommunikation zu motivieren, tragen auch zum Abbau von Hemmungen bei. Die Teamer müssen ihnen daher - vor allem zu Anfang - ihre non-verbalen Kommunikationsstrategien bewusst machen.

5.1.1. Motivation wecken
Bestimmte Hemmungen können zu Anfang und/oder während der Begegnung den Verlauf bestimmen und die Motivation bremsen:

  • die Angst vor dem Anderen
  • die Angst vor der Sprache
  • die Zurückweisung des sich unterscheidenden Anderen


Der erste "Hemmschuh" ist sowohl psychischer als auch körperlicher Natur und erscheint in der Regel in den allerersten Momenten der Begegnung. Daher bietet man Kennenlernspiele an, die darauf abzielen, die Stimmung zu lockern und eine erste Annäherung zwischen den Teilnehmern zu fördern.

Die sprachliche Blockade ist in der Regel zu Anfang der Begegnung vorhanden, sie kann aber über die gesamte Länge des Aufenthalts andauern. Daher muss man versuchen, die sprachlichen Hemmungen der Jugendlichen Schritt für Schritt zu überwinden. Dies ist abhängig von ihren Ausgangskenntnissen und dem Grad ihrer Weigerung, die andere Sprache zu sprechen oder auszuprobieren.

Schließlich ist es wichtig, den Aspekt der "interkulturellen Begegnung" zu fördern. Die Gruppen sollten sich dahingehend entwickeln, dass die Jugendlichen beider Nationalitäten das Gefühl bekommen, eine Gruppe zu sein. Zum anderen können einige Spiele aus dem Bereich der interkulturellen Pädagogik eingesetzt werden, um den Jugendlichen die binationale Dimension der Begegnung bewusst zu machen. Und sie können helfen, den Dialog zwischen den Nationalitäten zu eröffnen und eventuelle interkulturelle Probleme innerhalb der Gruppe offen zu legen.

Zur Unterstützung des für die Sprachanimation verantwortlichen Begleiters wurde im Rahmen des Projekt Bielefeld ein Beobachtungsleitfaden entwickelt. Er kann helfen, auf vorhandene Hemmungen aufmerksam zu werden und eine zielgerichtete Sprachanimation anzubieten, die der jeweiligen Situation entspricht (s. Anhang).

Die Phase des Abbaus von Hemmungen stützt sich beispielsweise auf folgende Aktivitäten:

    Die Angst vor dem Anderen verlieren

Hierbei handelt es sich um Kennenlernspiele die sich für den Anfang der Begegnung besonders eignen. Das Ordnungsspiel nach Vornamen ermöglicht ein erstes gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmer untereinander und eine erste auditive und verbale Annäherung an die fremde Sprache.

Diese Art von Spielen hilft den Jugendlichen, miteinander warm zu werden und die Angst vor körperlicher Nähe zu verlieren.

    Die Angst vor der Sprache verlieren

    • Sich in der anderen Sprache vorstellen

Hierbei geht es darum, dass sich die Teilnehmer nacheinander dem Rest der Gruppe in der jeweils anderen Sprache vorstellen: "je suis..." oder "ich bin" und so die ersten Worte in der Fremdsprache auszusprechen. Für Jugendliche mit Fremdsprachenkenntnissen können diese Vorstellungssätze natürlich ein wenig schwieriger ausfallen.

Die Jugendlichen werden in mononationale Kleingruppen aufgeteilt. Mit Hilfe von Zeitschriften (deutsche für die Franzosen und umgekehrt) erstellen die Jugendlichen Collagen über das, was sie verstehen (bereits bekannte Begriffe), wiedererkennen (Internationalismen) oder erraten (weil es z.B. der eigenen Sprache oder dem Englischen gleicht oder sich über den abgebildeten Gegenstand erschließt).
Dieses Spiel erwies sich insbesondere für Sprachanfänger als positiv: Sie erkennen, dass sie bereits einiges verstehen, was sie zu Anfang nicht erwartet hätten, und verlieren so die Angst davor, überhaupt nichts in der anderen Sprache zu verstehen.

    Entwickeln einer interkulturellen Gruppendynamik
    Damit sich ein Gruppengefühl entwickeln kann, müssen solche Aktivitäten angeboten werden, die das gemeinsame Erleben fördern, sowie sportliche oder Großgruppenspiele. Darüber hinaus können bestimmte Spiele eine interkulturelle Annäherung ermöglichen und helfen, den Kontakt mit und das Interesse am Anderen zu fördern.


5.1.2. Bewusstmachung non-verbaler Kommunikationsstrategien
Es geht einmal darum, den Teilnehmern bewusst zu machen, dass Kommunikation auch mit anderen Mitteln als Sprache möglich ist. Zum anderen können sie sich so über die non-verbalen Kommunikationsstrategien, über die sie verfügen, klar werden.

Mehrere Jugendliche mimen eine Szene - das einzige verbale Ausdrucksmittel ist das Wort "Taratata", das sie in allen erdenklichen Tonlagen aussprechen können: Angst, Wut, Lust, Abscheu etc.

  • Gesichtsmimik: Die Grimasse

Die Spieler sitzen im Kreis und reichen sich "von Gesicht zu Gesicht" eine Grimasse weiter. Sie können sie dabei einfach imitieren oder nach Lust und Laune verändern

  • Verhalten: Visuelle Übersetzung

Wird im Tandem gespielt. Jedes Tandem spielt nacheinander vor dem Rest der Gruppe. Einer der Teilnehmer erzählt in seiner Sprache eine kleine Geschichte (max. 3 Minuten) über einen persönlichen Gegenstand seiner Wahl. Der andere "übersetzt" anschließend in seiner Sprache, was er auf Basis der Gesten, Gesichtsausdrücke und Betonungen seines Partners verstanden hat.

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