tandem Sprachanimation in deutsch-französischen Jugendbegegnungen
Redaktion und Übersetzung: Fabienne BAILLY, Bettina OFFERMANN in Zusammenarbeit mit Isabelle DAMAY, Ullrich NALBACH und dem Referat "Interkulturelle Ausbildung" des DFJW
DFJW/OFAJ © 2000
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Inhaltsverzeichnis

5.2. Spracherwerb
Spracherwerb und der Abbau von Hemmungen sind eng miteinander verbunden. Ganz allgemein: Die Jugendlichen müssen sich wohl fühlen und die im wörtlichen Sinne interkulturelle Begegnung muss stattgefunden haben, um den Sprachaspekt in die Aktivitäten einführen zu können. Wobei einige der o.a. Spiele bereits Spracherwerb beinhalten, z.B. bei Zipp-Zapp merken sich die Jugendliche fremd klingende Vornamen und machen sich mit der fremd klingenden Betonung vertraut. Zum anderen bleibt der Abbau von Hemmungen immer ein Teil der Begegnung, manchmal auch parallel zum Spracherwerb (dies gilt für manche der folgenden Spiele). Wie bereits erwähnt, sind der Abbau von Hemmungen und der Spracherwerb im Verlauf der Begegnung keine Phasen, die aufeinander folgen, sondern sie stehen gleichwertig nebeneinander.

Spiele, in deren Mittelpunkt die sprachliche Komponente steht, sind beispielsweise:



5.2.1. Sich der Lernstrategien bewusst werden
Kommunikations- und Spracherwerbsstrategien werden nur dann Lernstrategien, wenn man sich dieser Strategien und ihrer Anwendung bewusst wird.

Interviews sind ein Mittel, um diese Bewusstwerdung bei den Jugendlichen zu erreichen: Indem man sie bittet, sich konkrete erlebte Kommunikationssituationen in Erinnerung zu rufen, wird ihnen deutlich, welcher Vorgehensweisen sie sich spontan bedient hatten, um zu kommunizieren und zu lernen.

Eine andere Lernstrategie ist das "Vokabelheft": Jeder Jugendliche bekommt zu Beginn der Begegnung ein Heft mit der Einladung, neu gelernte Worte oder Ausdrücke hierin festzuhalten - das Benutzen geschieht aber immer auf freiwilliger Basis. Schreiben unterstützt häufig das Memorieren. Und dieses Heft ermöglicht eine individualisierte Lernweise: Jeder Jugendliche nutzt das Heft (oder nutzt es auch nicht) auf seine Art; diese Methode trägt der Motivation, dem Lernrhythmus und den persönlichen Erlebnissen Rechnung.

Bei folgendem Spiel wird der Akzent auf die verschiedenen verbalen Strategien gelegt:

  • Umschreibung: das Tabu-Wort

Jeder Spieler zieht eine Karte, auf der ein Wort steht (konkret oder abstrakt, je nach Sprachniveau) und lässt es die anderen raten - ohne dieses Wort auszusprechen. Er darf es nur umschreiben oder seine Bedeutung erklären.


5.2.2. Kommunikationsfördernde Situationen schaffen

Manche Situationen fördern die Kommunikation. Entweder haben sich diese bereits ergeben, und der Begleiter muss auf die sprachbezogenen Bedürfnisse "nur noch" antworten. Oder er bietet Gruppenaktivitäten an, die die verbale Kommunikation unumgänglich machen und schafft so die Notwendigkeit von Spracheinsatz. Auch freie Zeit ist häufig der Moment für natürliche d.h. von den Jugendlichen selbst initiierte Kommunikation. Gefördert werden kann dies, indem Spielmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Auch die gemeinsame Vorbereitung von Fachbesuchen, die praktische Arbeit an einem Projekt in deutsch-französischen Kleingruppen oder andere Situationen des gemeinsamen Handelns fördern die Kommunikation.

Eingehen auf sprachbezogene Bedürfnisse
Der Begleiter definiert den Sprachbedarf der Jugendlichen je nach offiziellem Begegnungsprogramm (Teilnahme am Unterricht, Fachbesuche, Projekte, Sport...), sowie ausgehend von den oben erwähnten kommunikationsfördernden Situationen (Tischtennis, Fussball...).

In binationalen Kleingruppen kann beispielsweise (ausbildungsrelevantes) Basisvokabular gesammelt werden, was die Jugendlichen für den Austausch benötigen. Jede Gruppe erarbeitet einen Teil und schreibt dabei die jeweiligen Begriffe in beiden Sprachen auf große Blätter oder Wandpapier (z.B. für einen Kletterkurs: Seilarten, Klettertechniken, Ausrüstungsmaterial, Verben). Hinzu kommen Redewendungen, die für die jeweilige Aktivität wichtig sind. (z.B. für "das Seil sichern", "Seil nachlassen", "Ich brauche mehr Seil..."). Diese Wendungen können dann natürlich auch in anderen, die Begegnung betreffenden Situationen genutzt werden. Die Gruppen erarbeiten so ein kleines Lexikon für den Austausch. In Anschluss daran werden die Wandplakate oder Blätter aufgehängt und bleiben während der restlichen Zeit so für alle Teilnehmer zugänglich.

An diesem deutsch-französischen "Fachlexikon" kann über die Dauer der Begegnung gearbeitet werden. Eingesetzt werden können hierzu auch Methoden aus dem Tandem oder spielerische Aktivitäten. Wie bei einem eigenen kleinen Projekt entsteht am Ende ein Produkt, dass die Jugendlichen mit nach Hause nehmen können (z.B. ein kleines Kletterhandbuch, einen kleinen Reiseführer...).

Aus diesen zusammengestellten Begriffen lässt sich auch ein Kartenspiel herstellen (wie ein Quartett), mit dem die erworbenen Kenntnisse systematisiert werden können.

Sprachbedarf schaffen
Die Anwendung von Sprache wird dann notwendig, wenn die Jugendlichen ein gemeinsames Ziel verfolgen und/oder gemeinsam etwas schaffen.

Auch Aktivitäten in deutsch-französischen Teams (Erkundungsrallye, Geländespiel u.a.) wirken sich motivierend auf die Verständigung aus.

Insbesondere Projekte, in denen die (Klein)Gruppe gemeinsam etwas realisiert oder produziert, schaffen eine starke Bindung zwischen den Teilnehmern und fördern die Kommunikation innerhalb der Gruppe, so z. B. die Vorbereitung und Durchführung einer Meinungsumfrage zu einem bestimmten Thema oder eines Spezialitäten-abends, ein Video- oder Theaterprojekt. Der Umfang und das Thema jeden Projektes werden meist durch die jeweilige Ausbildung der Teilnehmer bestimmt.


Die Tandem-Methode
Das Tandemkonzept, so wie es derzeit in den Intensivsprachkursen praktiziert wird, sieht vor, dass die Arbeitsphasen im Wechsel in Deutsch und dann in Französisch verlaufen. In der Begegnungssituation ist es jedoch in der Regel nicht immer möglich, diesen Ablauf einzuhalten: Ohne den Rahmen eines Sprachkurses sind die Jugendlichen meist nicht dazu zu bewegen; sie zu zwingen könnte sich auf ihre sprachliche Motivation eher verheerend auswirken.

Man sollte die Tandem-Methode daher an die jeweilige Begegnungssituation anpassen und solche Aktivitäten als "Tandem" vorstellen, bei denen je ein Deutscher und ein Franzose gemeinsam etwas tun oder spielen. Dies ist bei einigen der aufgeführten Aktivitäten bereits der Fall (siehe beispielsweise "Visuelle Übersetzung" oder "Trivial Pursuit", wo die Teams aus je einem Deutschen und einem Franzosen bestehen). Auch andere Aktivitäten, wie eine Stadterkundung, können als Tandem konzipiert werden. Aber auch Gesellschaftsspiele oder das klassische "Schiffe versenken" eignen sich dazu.

  • Spiel: Raumlexikon

Jedes Tandem bekommt selbstklebende Etiketten, bringt sie auf Gegenständen seiner Wahl an (in einem festgelegten Raum) und schreibt darauf in beiden Sprachen den Namen des jeweiligen Objekts.

  • Aktivität: Eine bestimmte Aufgabe erfüllen
  • Einen bestimmten Gegenstand, der für jedes Team anders ist, mitbringen (zum Beispiel aus dem Rathaus, der Post, dem Tante-Emma-Laden...);
  • Variante: Nur einer der beiden Tandem-Partner weiß, wohin es geht. Er weist dem Anderen die Richtung (nach rechts, links, geradeaus...);
  • Wenn die Begegnung am Wohnort von einer der beiden Partnergruppen stattfindet, kann diese die jeweils andere Gruppe ihre Stadt entdecken lassen.


Freizeit
Natürliche Kommunikation entsteht und entwickelt sich auch in den freien Momenten der Begegnung, wie in binational gemischten Zimmern. Man könnte den Jugendlichen daher Hilfsmittel zur Verfügung stellen, die sie in ihrer Freizeit nach ihrem Geschmack und nach Lust und Laune nutzen oder verändern können:

  • Memory (einfach oder anspruchsvoller, indem - in beiden Sprachen - das entsprechende Wort zu einem Bild gesucht wird).
  • Karten-, Gesellschaftsspiele
  • Schiffe versenken
  • Zeitschriften: deutsche und französische Fachzeitschriften aus den jeweiligen Berufszweigen oder bestimmten Freizeitbereichen (Sport, Musik). Sie können Gelegenheiten bieten, gemeinsame Interessen zu entdecken, den Fachaustausch anzuregen oder zu vertiefen (z.B. durch Zeitschriften der jeweiligen Berufsverbände), Unterschiede festzustellen (Bsp.: Musik).
  • Comics: Zur individuellen, aber auch zur gemeinsamen Lektüre, bei der sich die Teilnehmer gegenseitig helfen können.

Mit diesen Anstößen und mit Eigeninitiative der Jugendlichen können auch in der freien Zeit Kommunikationssituationen entstehen und Sprachkenntnisse erworben werden.

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