Arbeitstexte de travail

Die Animation deutsch-französischer Begegnungen und die Bedeutung der Geschichte

Redaktion des Syntheseberichtes: Jeanne Kraus (U.F.C.V.)

 

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E i n l e i t u n g

"Konzeptionen und Methoden der Jugendarbeit in Deutschland und Frankreich" war das Thema eines vor zwanzig Jahren durchgeführten fortbildungsorientierten Forschungsprogramms, eines der ersten seiner Art in der Geschichte des DFJW.

Die Beiträge dieses Arbeitstextes haben darin ihre ersten Wurzeln sowie in zwei anderen ähnlich gelagerten Projekten: Es ging dabei darum, aufzuzeigen, daß Animation nicht irgendeine zentrale "Technik" ist, derer sich Animateure bedienen, um Gruppenprozesse zu beeinflussen und zu begleiten. Animation ist vielmehr kulturell geprägt, sei es durch die Persönlichkeiten der Animateure, sei es weil die Methoden aus einem nationalen Kontext stammen und (oft auf den ersten Blick nicht erkennbare) kulturelle Traditionen und Wertentscheidungen mit transportieren.

Dies zu verdeutlichen, erscheint um so wichtiger, als die heute im deutsch-französischen Feld tätigen Animateure oft nicht so lange in diesem Feld bleiben, um genug Erfahrungen mit Methoden zu sammeln, so daß deren Relativität deutlich wird. Statt dessen erwarten sie universell anwendbare "Rezepte", um ihre Tätigkeit zu qualifizieren.

Hier Fragezeichen zu setzen, ist die Absicht der in diesem Arbeitstext versammelten Dokumentation.

Es wird darin eine Animationspraxis beschrieben, wie sie in den deutsch-französischen Begegnungen ausgeübt wurde und immer noch ausgeübt wird. Es wird festgestellt, dass eine Animation, die den Schwerpunkt ausschliesslich auf die zwischen Deutschland und Frankreich vorhandenen Konvergenzen legt (wobei Leitidee ein ideales Kollektiv ist), auf eine Suche nach Harmonie und Verständigung hinausläuft, es nicht erlaubt, Schweigen, Unterschiede, Uneinigkeiten, Nicht-Verstehen mit zu berücksichtigen.

Um aber sowohl Harmonie als auch Dissonanz ihren notwendigen Platz in den Gruppenprozessen einzuräumen, muß man die Geschichte und nationale Identität (einschließlich allem was trennt) wieder in die Begegnungen integrieren. Nur um diesen Preis kann man damit beginnen, sich die Frage nach den möglichen Merkmalen einer binationalen Animation zu stellen.

In den fortbildungsorientierten Forschungsprogrammen sind die Teilnehmer an dem Thema interessierte Erwachsene, die es akzeptieren, sich persönlich infrage zu stellen. Sie sind zugleich Subjekt und Objekt dieser Forschung, deren Erkenntnisse zu ihrer eigenen Fortbildung beitragen. Die an dem Projekt, das den Anstoß für diesen Arbeitstext bildete, Mitwirkenden waren ehrenamtlich oder beruflich direkt an der Animation deutsch-französischer Jugendbegegnungen beteiligt und haben sich der Folge in unterschiedlichsten Berufen weiter für die deutsch-französischen Beziehungen engagiert. Die Forscher kamen aus unterschiedlichen Disziplinen der Humanwissenschaften, was eine Vielfalt der Gesichtspunkte zu diesem Thema ermöglichte.

In zwanzig Jahren hat sich die Situation allgemein verändert. Immer wo es möglich war, wurden die Texte vervollständigt bzw. leicht verändert, um dies zu berücksichtigen: den Fall der Mauer, die Globalisierung der Wirtschaft und der Information, die Einschätzung der Jugendlichen von dem, was beim "Deutsch-Französischen", in der europäischen Konstruktion wichtig ist.

Dieses setzt voraus, dass die deutsch-französischen Begegnungen ihren noch weitgehend apolitischen Charakter verlieren. Heute würde man sagen, dass sie zu einer besseren Kenntnis der internationalen Verflechtungen in der Ökonomie und der Information führen sollten. Ohne Berücksichtigung dieser politischen Dimension wird kein Lernen "des Zusammenlebens" weder national noch international möglich sein.

Dieses Heft besteht aus redaktionell bearbeiteten Texten, deren Basis Beiträge von Jean-Loup Herbert, Remi Hess, Frank Michael Hohler, Jean Klein, Jeanne Kraus, Klaus Wenger bilden.


Jeanne Kraus


Übersetzung der französischen Beiträge: Gisela Dreyer

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