Arbeitstexte de travail

Die Animation deutsch-französischer Begegnungen und die Bedeutung der Geschichte

Redaktion des Syntheseberichtes: Jeanne Kraus (U.F.C.V.)

 

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N a c h w o r t

Heute finden sich die Jugendlichen meistens nicht mehr in den Begriffen der Richtlinien des Jugendwerks wieder. Weder Versöhnung noch das Erlernen des Zusammenlebens sind Themen, weil ihnen diese Zielsetzungen als selbstverständlich erscheinen. Selbst Europa ist für sie nicht mehr aufzubauen. Es ist schon da: sie fühlen sich als Teilhabende oder Ausgeschlossene. Was auf dem Spiel steht, sind transversale Fragen wie die Umweltverschmutzung, die Ausgrenzung, Rassismus, Aids, humanitäre Hilfe, Bioethik usw. Für die Jugendlichen geht es nicht mehr darum, sich besser kennenzulernen und Fähigkeiten interkultureller Kommunikation zur Zusammenarbeit oder zum gemeinsamen Aufbau zu entwickeln, sondern darum einen gemeinsamen Sinn zu stiften und transnationale Solidaritäten herzustellen.

Wenn vor 20 Jahren Politik und Geschichte ausgeklammert waren, weil die dadurch notwendig aufgeworfenen Fragen zu störend gewirkt hätten, was die Sicht auf die Vergangenheit und Zukunftsprojekte betriff, so wird heute beides als überflüssig betrachtet, weil alles schon gelaufen ist.

Die Bewegungsfreiheit der Personen, der Güter, der Dienstleistungen, der Informationen, all das, was man Globalisierung nennt, hat dazu geführt, Entfernungen zu reduzieren und die Geschwindigkeiten der Übertragungen zu beschleunigen. Dieses könnte an den Sieg der Homogenisierung der Kulturen glauben lassen. In diesem Fall wären nur die kulturübergreifenden (transkulturellen) Fragen (alles was gemeinsam ist) und nicht mehr das "inter" als die Frage in den Zwischenräumen interessant (und das sind jene, die gegenseitige Anpassungen erfordern).

Wenn allerdings grundsätzliche "transkulturelle" Fragen sich wie z. B. bei der Umweltkonferenz in Rio stellen, dann zeigt sich, daß der Stein des Anstoßes oft gerade in interkulturellen Fragen liegt und in den Vernetzungen der Ursachen für die "schlechten Funktionsweisen". Allerdings werden diese nur zu häufig als lediglich episodische Widerstände der Kulturen aufgefaßt.

Am anderen Extrem findet sich ein Oppositionspol, der den einschneidenden Erfolgsweg nordamerikanischer kultureller und ökonomischer Modelle und die Vereinnahmung des Restes der Welt ankreidet, was man z. B. bei den Grünen, den NGO, in der Monatszeitschrift "Le Monde Diplomatique", den Anhängern der Tobin-Steuer und den Gegnern der WWO findet. Aus dieses Sicht scheint das "deutsch-französische" ebenfalls überholt.

Diese beiden gegensätzlichen Pole legitimieren jeder auf seine Weise die europäische Ebene als das erste Niveau, auf dem Deutsche und Franzosen nachdenken und sich abstimmen sollten.

Bilateraler Austausch, der sich im Bereich der Freizeit oder auf der ersten Stufe der internationalen Beziehungen ansiedelt, dürfte von nun an ziemlich rasch überholt sein, da er zur Behandlung der Fragen von heute nicht mehr angemessen ist.

Zum ersten Mal hat sich das DFJW einen Orientierungsbericht für die Jahre 2000-2002 mit dem Titel "Neuer deutsch-französischer Dialog" gegeben. Implizit stimmt dieser Bericht mit den in diesem Arbeitsheft beschriebenen Schwierigkeiten überein. In der Zusammenfassung finden sich folgende Zielsetzungen:

" - Die Förderung von Engagement und Zivilcourage ausgehend von der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion in den beiden Ländern.

- Impulse zur erhöhten internationalen Kompetenz im Bildungswesen.


Dies alles geht nicht ohne die Bereitschaft zur Erneuerung. Dazu gehören auch Geschichte und Erinnerungskultur, die mehr denn je den dynamisierten deutsch-französischen Beziehungen einen Sinn geben. Ohne die Wurzeln und die Herkunft nationaler Traditionen sowie deren Gegensätzlichkeit zu kennen, aber auch ohne die im Laufe der Geschichte Frankreichs und Deutschlands erfolgten Kulturtransfers zu berücksichtigen, gibt es kein solides Fundament für den Bau des europäischen Hauses".

Der Orientierungsbericht stimmt also unseren Analysen zu. Was damals unmöglich war, wird heute möglich: von den Interessen der Jugendlichen ausgehen, von den Fragestellungen von heute, Selbst-organisation fördern, Einbezug der Geschichte, wie dies die Ergebnisse der seit Ende der 70er Jahre durchgeführten Forschungsarbeiten aufgezeigt haben. Dieses setzt natürlich voraus, daß Ausbildungsprogramme für Animateure immer wieder überdacht werden, daß Animation wieder den Schwerpunkt auf jene Dynamik von Erziehung und Bildung legt, die die interkulturellen Situationen und die Problematiken der Jugendlichen von heute ernst nimmt.

E N D E

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