EVALUATION INTERNATIONALER BEGEGNUNGEN |
|
|
1. Einleitung
Evaluation ist im deutsch-französischen Jugendaustausch kein Fremdwort. Seit der Gründung des Jugendwerkes sind viele Statistiken, Jahresberichte, Erfolgsbilanzen erstellt worden, die belegen, daß das DFJW in den über 30 Jahren seines Bestehens erfolgreich gearbeitet hat. Der Tätigkeitsbericht zum Jubiläumsjahr 1992 z. B. enthält einen ausführlichen statistischen Teil, dem zu entnehmen ist, Zu solchen Zahlen hinzu kommen in diesen Tätigkeitsberichten und anderen Formen der Öffentlichkeitsarbeit natürlich qualitative Evaluationen wie Beschreibungen und Würdigungen herausragender Aktivitäten, Pressespiegel und anderes. Aber hausinterne Arbeitsbilanzen sind nur ein Teil der schon geleisteten Evaluationsarbeit. So hat das DFJW wiederholt quantitative Untersuchungen in Auftrag gegeben bzw. unterstützt, insbesondere in den Jahren 1976, 1985 und 1993 , die seine Arbeit und den Kontext deutsch-französischer Beziehungen zum Gegenstand hatten. Diesen Untersuchungen, die hier nicht im einzelnen referiert werden sollen, kann man z. B. entnehmen: Wer sich mit solchen Zahlen nicht begnügen will und mehr an inhaltlicher/qualitativer Auswertung der Programme selbst interessiert ist, wird sich mit einer Fülle ganz andersartiger Evaluationsbemühungen befassen müssen: In den programmatischen "Richtlinien/Directives" des DFJW heißt es in der Präambel: Als Umsetzung dieses Postulates sind zahllose Auswertungsberichte über Begegnungsprogramme geförderter Träger sowie über Experimental- und Ausbildungsprogramme entstanden. Dies setzt die Forderung der "Richtlinien" um: Dazu kommen Berichte über teilnehmende Beobachtungen und Auswertungen forschungsorientierter Programme, die sich im Laufe der Jahre in den Regalen der einschlägigen Abteilungen angesammelt haben. Nicht zu vergessen sind die Ergebnisse von Fachtagungen und Kongressen, welche durch das DFJW bzw. mit seiner Unterstützung zustandekamen; dazu eine Reihe von Arbeitstexten und Büchern sowie viele Einzelpublikationen, die praktische Erfahrungen der Begegnungsprogramme reflektieren. Damit wird zugleich der Forderung der "Richtlinien" entsprochen: "Das Jugendwerk soll die Auswertungen der Öffentlichkeit in geeigneter Form zugänglich machen" . Man kann durchaus sagen, daß all diese Auswertungen i.w.S. einen eigenen fachlichen Diskussionsstand einer reflektierten Pädagogik interkulturellen Lernens darstellen, den es ohne das DFJW nicht gäbe. Er begründet auf sehr vielfältige Weise die bleibende Notwendigkeit einer solchen Arbeit im Rahmen des DFJW und darüber hinaus. Schließlich ist nicht zu vergessen, daß nicht nur das DFJW selbst - das ja in der internationalen Begegnungsarbeit primär vermittelnde Aufgaben hat - sondern auch seine Partner vielerlei Anstrengungen zur Evaluationen ihrer Programme unternehmen, auch wenn diese zumeist intern bleiben. Als Ausnahme im deutschen Bereich sind hier die sogenannten Breitenbach-Studien zu nennen, mit denen Ende der 70er Jahre versucht wurde, in Zusammenarbeit zwischen Jugendverbänden, dem Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit und einer Forschungsgruppe zu allgemeingültigen Beschreibungen der Bedingungen bzw. Barrieren erfolgreicher internationaler Jugendarbeit vorzustoßen. Trotz dieser vielfältigen Bemühungen um Evaluation bleibt ein Unbehagen. Die verfügbaren Materialien lassen vielfältige Antworten auf die Frage zu, was und mit welcher Priorität in diesem Feld geschehen sollte. Sie geben aber kaum objektive Kriterien an die Hand, welche Antworten die richtigen sind. Daher kommt immer wieder der Appell, die Evaluationen selbst zu evaluieren, zu klären, was sie leisten können bzw. sollen und was nicht. Der folgende Beitrag dient diesem Ziel. Allerdings geht es dabei weder um Evaluation im Sinne einer Sichtung von quantifizierenden Erfolgsbilanzen, und auch nicht um den Versuch, über die vielen pädagogischen Bilanzierungen der Begegnungsprogramme ihrerseits Bilanz zu ziehen. Es geht eher um einen Schritt, der davor liegen muß: Nämlich darum, Reflexionen und Kriterien dafür zu entwickeln, was, von wem, auf welche Weise und mit welchem Ziel überhaupt evaluiert werden kann, wenn es um ein so komplexes Ziel wie internationale Begegnung und Verständigung geht. |