Arbeitstexte de travail

EVALUATION INTERNATIONALER BEGEGNUNGEN

Inhaltsverzeichnis

 

 

2. Einwände und Fragen zur Evaluation im DFJW

Es ist einfach, die genannten Daten und Erfolgsstatistiken zurückzuweisen, indem man sagt: Auch noch so viele subventionierte Austauschprogramme mit Hunderttausenden von Teilnehmern sagen nichts darüber aus, welche Bedeutung und Wirkungen diese Programme für die daran Beteiligten gehabt haben; geschweige denn, welcher Stellenwert ihnen im Rahmen der Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen oder der europäischen Entwicklung im ganzen zukommt: Ob sie etwa ein Beitrag dafür sind, daß weniger Fremdenfeindlicheit, mehr Toleranz für immigrierte fremde Kultur auch innerhalb der einzelnen Nationen sich entwickeln kann, oder letztlich nur subventionierter Tourismus sind. Große Teilnahme-Zahlen allein rechtfertigen jedenfalls noch nicht große öffentliche Mittel. Von einer "ständigen Auswertung der Programmergebnisse" durch Konfrontation mit den sich ändernden Interessen Jugendlicher, wie es die "Richtlinien" (s. o.) wollen, kann auf dieser quantitativen Ebene erst recht keine Rede sein.

Ob dies die genannten qualitativen Evaluationen leisten, ist aber ebenso fraglich. Denn ebenso einfach ist der Einwand gegen die vielen Auswertungsberichte, die auf jeweils besonderen pädagogischen Austauscherfahrungen beruhen: Nämlich, daß sie keine verallgemeinerbaren Entscheidungskriterien liefern, die als Maßstäbe an andere Programme anzulegen wären. Evaluationen des Typs: "Hat-es-Euch-gefallen, -wenn-ja, -was-besonders, -wenn-nein, -warum-nicht?" liefern solche Kriterien kaum. Gegen pädagogische Experimentalprogramme, die helfen könnten, solche Kriterien zu entwickeln, kann man immer argumentieren, sie stünden unter speziellen Bedingungen und ließen sich nicht auf den "Alltag" des Schulaustausches, der berufsbezogenen Begegnungsprogramme oder des Jugendaustausches von Sportverbänden übertragen. Mit diesem Einwand wird unterstellt, daß solche "Basisprogramme" ihrerseits auf gemeinsame Nenner zu bringen seien. Aber auch das ist kaum der Fall.

Es ist also nicht schwer, nachzuweisen, daß die Evaluation im deutsch-französischen Jugendaustausch hinter den selbstgesteckten Ansprüchen zurückbleibt. Dennoch leiden beide genannten Arten solcher "einfachen" Kritik darunter, daß ihnen selbst die geeigneten Maßstäbe fehlen. Was angemessene Ebenen, Fragestellungen und Methoden der Evaluation für eine solche Arbeit seien, ist alles andere als klar und wird in aller Regel eher willkürlich entschieden. Nicht nur in der Programmatik der Begegnungen sondern auch bei deren Evaluation scheint es insgeheim nach dem Motto zu gehen: "Ich hab' zwar keine Ahnung, wo ich hinfahr'- aber dafür bin ich schneller dort."

Um hier weiter zu kommen, hat das DFJW eine Gruppe von französischen und deutschen Wissenschaftlern, die mit der Praxis internationaler Begegnungsprogramme (auch in Zusammenarbeit mit Lehrern, Gruppenleitern, Ausbildern, Eltern und Jugendlichen) langjährig vertraut sind, gebeten, Konzepte zur Methodik der Evaluation interkultureller Begegnungen zu entwickeln. Erste Ergebnisse der Arbeit dieser Forschergruppe werden im folgenden vorgestellt. Wer davon einfache Lösungen oder gar Patentrezepte erwartet, wird allerdings enttäuscht werden. Zunächst einmal wird deutlich, wie voraussetzungsvoll und ungeklärt die Forderungen nach "mehr Evaluation" in diesem Feld noch sind. Insbesondere macht es einen großen Unterschied, ob es darum geht, Instrumente für die Bewertung durch Außenstehende zu entwickeln, oder darum, Hilfsmittel der Selbstevaluation für Menschen und Gruppen zu entwickeln, die an internationalen Begegnungen teilnehmen. Eine weitere Frage ist, wie geeignete Instrumente oder auch Forschungshaltungen entwickelt werden können, die interkulturelle Erfahrungen und die Art und Weise ihrer Verarbeitung genauer beschreibbar machen. Die Schwierigkeiten, die sich dabei stellen, sind denjenigen ähnlich, die etwa Ethnologen zu bewältigen haben, wenn sie mehr als verzerrte, "kolonialisierende" Bilder fremder Kulturen erfassen wollen. Jede dieser Ebenen bzw. Fragen rückt andere der Nachfrage und Zielsetzung von Evaluation in den Mittelpunkt. Daraus folgt, daß die Forderung nach besserer Evaluation auch methodisch sehr Verschiedenes bedeuten kann.

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