Das Thomas-Mann-Syndrom oder:
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4. Das Thomas-Mann-Syndrom Ich komme jetzt wieder auf die oben andiskutierte Frage zurück, die in Frankreich unter den deutschen Namen Goethe und Herder diskutiert worden ist. Ein exemplarischer "guter Deutscher", der sich mit diesen Fragen intensiv beschäftigt hat, ist Thomas Mann. Er ist deshalb hier besonders interessant, weil er beide Tendenzen, die "Herdersche" und die "Goethesche", nacheinander mit Vehemenz vertreten hat. In den unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg geschriebenen "Betrachtungen eines Unpolitischen" grenzt er das, was er unter Deutschtum versteht, ab von jener "Geistesrichtung", welche die "demokratische Zivilisationsgesellschaft der "Menschheit" zum Ziele hat" (Einleitung S. 42). Er redet von "der deutschen Einsamkeit zwischen Ost und West, der Weltanstössigkeit Deutschlands im Gegensatz zu dem seit den Römern existierenden "Zivilisationsimperium" der westlichen Welt" (ebd.). Zivilisation, das ist ihm Inbegriff des Französischen und demgegenüber steht "der aus Feigheit viel verleugnete, bestrittene und dennoch unsterblich wahre Gegensatz von Musik und Politik, von Deutschtum und Zivilisation" (Einleitung S. 34). "Der politische Geist als demokratische Aufklärung und "menschliche Zivilisation" ist nicht nur psychisch widerdeutsch; er ist mit Notwendigkeit auch politisch deutschfeindlich, wo immer er walte" (ebd.) und schliesslich: "Der Unterschied von Geist und Politik enthält den von Kultur und Zivilisation, von Seele und Gesellschaft, von Freiheit und Stimmrecht, von Kunst und Literatur; und Deutschtum, das ist Kultur, Seele, Freiheit, Kunst und nicht Zivilisation, Gesellschaft, Stimmrecht, Literatur" (Einleitung: S. 33). Diese Zitate lesen ist das absolute Kontrastprogramm zu dem, was oben in bezug auf die heutigen Erfahrungen als typisch Deutsch zu beschreiben ist. Solche Sätze sind für das hier diskutierte Thema in mehrfacher Hinsicht interessant. Nicht nur, weil sie belegen, dass die Idee von einer besonderen kulturellen Mission der Deutschen, die sich gegenüber der westlichen Zivilisation und dem "römischen" Universalismus abgrenzen müsse, keineswegs nur von unverbesserlichen Nationalisten und Militaristen vertreten wurde. Wesentlicher ist, welcher inhaltliche Standpunkt hier als "besonders deutsch" vertreten wird. Thomas Mann vertritt ja sehr ernsthaft und mit durchaus ehrenwerten Argumenten die These, dass es fatal wäre, wenn eine allgemeine "Politisierung des Geistes" um sich greife, womit er meint: "Die Umfälschung des Geist-Begriffes, in der besserischen Aufklärung, der revolutionären Philanthropie" (Einleitung, S. 33), wenn alles Kulturelle den Vorstellungen vom Praktischen, Nützlichen, Fortschrittlichen, Guten untergeordnet würde. Eben dies sei Geist der westlichen Zivilisation: Thomas Mann verteidigt hier allen Ernstes - und im Bewusstsein, eine konservative Position zu vertreten - (wertkonservativ würde man heute sagen) - eine geistige Haltung als "deutsch", von der er wusste, dass sie von dem Frankreich-Freund Heinrich Heine schon Jahrzehnte zuvor gründlich lächerlich gemacht worden war:
Interessant für unseren Zusammenhang ist weiter, dass Thomas Mann diese Position bekanntlich nach dem I. Weltkrieg widerrufen hat und spätestens seit 1922 in seiner Rede "von deutscher Republik" und in seiner Gedächtnis-Rede auf Walther Rathenau ("Geist und Wesen der deutschen Republik") die Zusammengehörigkeit von humaner Kultur, Republik und Demokratie vehement verteidigt hat, gegen die Mehrheitsmeinung der geistigen Elite seiner Zeit. Hier formuliert er: "Die Republik, das ist, wenn Sie mir die Definition freigeben wollen, die Einheit von Staat und Kultur. Es gibt keinen höheren politischen Gedanken" (Reden und Aufsätze II, S. 54). Noch deutlicher wird seine Sprache - wie sollte es anders sein - nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten. "Demokratie ist uns nicht sowohl ein formales Gerüst und ein politisches Dogma, sondern Demokratie bedeutet uns einfach die Anerkennung der Zugehörigkeit des Politischen und des Sozialen in die humane Totalität. Es war ein Irrtum deutscher Bürgerlichkeit, zu glauben, man könne ein unpolitischer Kulturmensch sein. Wohin die Kultur gerät, wenn es ihr am politischen Instinkt mangelt, das können wir heute sehen" (Reden und Aufsätze II, S. 137 f.). Es liegt auf der Hand, dass die o. b. heutige Haltung Deutscher sowohl der "westlichen Zivilisation" gegenüber als auch dem Verhältnis von Politik und Kultur, Ausdruck des Bemühens ist, dem kollektiven Lernprozess gerecht zu werden, den Thomas Mann als einer der ersten exemplarisch vollzogen hat. Demnach wäre der Thomas Mann der letztgenannten Zitate der exemplarische "gute Deutsche", der endlich vom Dünkel deutscher Besonderheit Abstand genommen hat, der Kultur und Politik nicht mehr in getrennte Sphären zerlegt, der weiss, dass Deutschland nur als Teil einer Weltzivilisation weiterbestehen kann. Umgekehrt wäre der Thomas der ersten Zitate, wenn nicht der "böse Deutsche", so doch ein Beispiel des verblasenen Bürgerdünkels, der seine Herrschaft im "Luftreich des Traums" sucht und gar nicht merkt, dass ringsumher die platte Brutalität und Geistlosigkeit längst die Macht ergriffen hat. Trotz dieser eindeutigen Beweislage und trotz der ganz unbestreitbaren historischen Notwendigkeit dieser Neuorientierung scheint mir doch die Frage erlaubt: War es eigentlich nur schiere Verblendung und deutscher Nationaldünkel, die Thomas Mann bewegten, als er jene "Betrachtungen eines Unpolitischen" schrieb? Wer den Text kennt, wird das mit Sicherheit nicht behaupten können. Thomas Mann versteht sich auch hier - sicher zu Recht - als Europäer, nicht als Nationalisten oder gar Chauvinisten. Was er als deutsche Besonderheit gegen den zivilisatorischen Universalismus glaubt, verteidigen zu müssen, ist viel mehr gerade das, was vom nationalsozialistischen Staat mit Füssen getreten wurde. Er wirft der "westlichen" Zivilisation die Lehre vor, "der Staat sei die höchste Form des Menschenlebens" und hält seinen "deutschen" Protest dagegen, "es wäre ein Greuel, um Politisierung und Organisation, wenn man darunter die Verstaatlichung der Nation und das "Aufgehen des Individuums in der Gesamtheit" zu verstehen hätte" (Betrachtungen S. 269). Eine konservative Warnung vor dem "Totalismus" würde man das heute nennen; zugleich aber - das ist der Witz dabei - vor einer sehr modernen Tendenz demokratischer Gesellschaften. Thomas Mann hat eine ganz bestimmte gesellschaftliche Tendenz im Auge, wenn er gegen die "Politisierung und Demokratisierung der Gesellschaft", was in diesem Zusammenhang für ihn dasselbe ist, polemisiert. Er meint damit eben - und das war damals für ihn "Republik" - "die Herrschaft der Politik, die unbedingte und restlose Politisiertheit der Köpfe und Herzen" (ebd. 214), und dies wiederum in dem Sinne, dass das Politische, Soziale und ökonomische eine Einheit bildet: "Insofern wir nämlich in einer gewerblichen, dem Nützlichkeitsprinzip anhängenden Epoche leben, deren hauptsächliche Triebfeder der Drang nach Wohlstand und deren rangverleihender Herrscher das Geld ist. Plutokratie und Wohlstandsbegeisterung: ist das die genaue Bestimmung der Demokratie, so möge man immerhin geltend machen, das renitente Deutschland sei auch hierin hinter der allgemeinen Entwicklung ein wenig zurückgestanden" (ebd. 224). Und weil er das so versteht, deswegen kann er auch schreiben "die Spekulation, der Lebensmittelwucher im Kriege - welches Geistes ist er denn, als der Demokratie, die Geld, Verdienst, Geschäft als oberste Werte eingeprägt hat" (ebd.). Und in diesem Verständnis sieht er die Gefahr einer "alle Nationalkulturen nivellierende Entwicklung im Sinne einer homogenen Zivilisation", und der endgültigen Aufrichtung des Weltimperiums dieser Zivilisation, die er kommen sieht (vgl. ebd. 225). Weil er es als die besondere deutsche Mission ansieht, dagegen zu protestieren (vgl. ebd. S. 1 ff.), weil Deutschland als Mitte Europas auch die geistigen Gegensätze Europas austragen müsse (ebd. S. 15), eben deshalb sei es die besondere Mis-sion Deutschlands, "Weltvolk, weltbürgerliches, welthistorisches Volk in bevorzugtem Sinne" zu sein, das diese "komplette Verstaatlichung und Republikanisierung der Nation nicht zulassen dürfe, weil dies bedeute: seine Nivellierung, Verengung, Verarmung nämlich, die Umwandlung eines Weltvolkes in ein politisches (...). In diesem Falle wäre Demokrati-sierung Angleichung nach aussen, Angleichung an das Weltniveau der Zivilisation; Nationalisierung in diesem Sinne, das wäre Entnationalisierung, es wäre die Verdummung des Deutschen zum sozialen und politischen Tier, es wäre die Entdeutschung" (ebd. 259). Zieht man von diesem frühen Thomas Mann die später revidierte Überzeugung von der Einmaligkeit der "deutschen Sendung" und seinen antidemokratischen Affekt ab und hält sich an seine Polemik gegen die "Politisierung", "die Herrschaft der Politik", die "unbedingte und restlose Politisiertheit der Köpfe und Herzen" - so erweist er sich als ein ebenso erstaunlicher wie paradoxer Prophet. Denn diese Politisierung, die Thomas Mann zugleich versteht als die Unterordnung aller Geistestätigkeit unter das Soziale, das Nützliche, das Humane, das Fortschrittliche, das international anerkanntermassen Vernünftige usw. - ist ja genau das, was oben aus den Erfahrungen in internationaler Begegnung als das "typisch Deutsche" beschrieben wurde. Zweifellos wurde in der Nachkriegsentwicklung, in der zumindest die Westdeutschen ihren Rückstand in westlicher Zivilisation aufzuholen suchten, der Satz des zur Republik bekehrten Thomas Mann, "dass es keinen höheren Gedanken gebe, als die Einheit von Staat und Kultur" (s.o.) sehr handfest in die Tat umgesetzt, und zwar genau auf der Linie, vor der der wertkonservative Thomas Mann glaubte, warnen zu müssen. Paradox ist seine Prophetie deshalb, weil sie historisch erst dann Recht behielt, als der bürgerlich-nationale und konservative Geist, aus dem sie entstanden war, gründlich durch die historische Entwicklung widerlegt war, weil die Politisierung aller Lebensbereiche, gerade durch den Nationalismus, mit einer Brutalität zuschlug, die das nachfolgende "verwestlichte" Gemeinwesen als freiheitlichen Kulturstaat erscheinen liess. Gerade der konservative Thomas Mann könnte aber hilfreich sein, das merkwürdige Paradox zu verstehen, das oben beschrieben wurde: die Verbindung von wildentschlossener Verständigungsbereitschaft und Weltoffenheit mit der Unfähigkeit, sich selbst im Spiegel der anderen zu relativieren. Ich glaube, das hat etwas mit der von Thomas Mann kritisierten Politisierung zu tun: damit, dass z. B. die meisten Programme des staatlich geförderten internationalen Austausches unter dem Oberbegriff der politischen Bildung i.w.S. verstanden werden: als staatsbürgerliches Training sozusagen; und natürlich in wachsendem Masse auch als Training für die Kooperation auf allen Ebenen im zusammenwachsenden Europa. Als kritische Reaktion auf diese durchgreifende "Verstaatsbürgerung" des internationalen Austausches - wie allgemeiner des öffentlichen Lebens - kann man allerdings Tendenzen sehen, wie sie vor allem in den "gegenkulturellen" Elementen der sog. "neuen sozialen Bewegungen" entwickelt worden sind. Interessanterweise spielen in den neuesten Diskursen über die "postmodernen" Entwicklungen in Deutschland "französische" Ansätze eine zentrale Rolle. Es findet jetzt doch so etwas wie Selbstreflexion "im Spiegel des Fremden" statt, auch wenn diese Reflexion die Ebene der Begegnungspädagogik noch nicht erreicht hat. Neben neuen Namen taucht hier auch der alte Franzose Alexis de Tocqueville auf, der, von einer ganz anderen Seite als der konservative Thomas Mann kommend, zu erstaunlich ähnlichen Schlüssen gelangt. Er hat bekanntlich herausgearbeitet, dass die zentrale Idee der amerikanischen Revo-lution, die Staatsbegrenzung, in der französischen Revolution nicht enthalten sei. Insofern nämlich, als die Idee der Volkssouveränität eine éhnlichkeit zur Souveränität der Despotie bestehen lasse, sofern die Millionen Souveräne, die dieser Staat jetzt hat, alle ihre Bedürfnisse an den Staat delegieren. "Die Mehrzahl ist der Meinung, die Regierung handele falsch; aber alle glauben, die Regierung müsse unentwegt handeln, und sich in alles einmischen." "Diese Menschen geben - als allgemeinen Grundsatz - wohl zu, die öffentliche Gewalt dürfe sich nicht in die Privatgeschäfte einmischen; jeder von ihnen hofft aber, sie werde gerade ihm in seinem besonderen Geschäft helfen und jeder sucht die Unterstützung der Regierung für sich zu gewinnen, während er sie doch sonst überall ausschalten will. Weil eine Menge Menschen gleichzeitig diese besondere Einstellung in den verschiedenen Dingen an den Tag legt, breitet sich der Machtbereich der Zentralgewalt unmerklich nach allen Seiten aus, obgleich jeder Einzelne ihn einschränken will. Eine demokratische Regierung vermehrt ihre Befugnisse daher allein schon durch die Tatsache, dass sie fortbesteht." (zit. bei Thomas Schmid 1988, S. 122). Es scheint mir interessant, dass gerade ein Vertreter der 68er Generation wie Thomas Schmid solche Gedanken wieder aufgreift, um eine Idee voranzutreiben, die vielleicht wirklich das Dilemma des deutschen Provinzialismus lösen könnte. Es ist die Idee einer "zivilen Gesellschaft", deren vielfältige Lebensäusserungen eben nicht mit der Betätigung von Staatsbürgerschaft zur Deckung zu bringen ist, sondern in der die staatliche Sphäre bzw. der Umgang mit staatlichen Angelegenheiten nur ein Bereich des gesellschaftlichen Lebens unter vielen ist. "Zivile Gesellschaft" oder "Entstaatlichung" als Programm heisst natürlich nicht Rückzug aus der Politik. Es heisst ganz im Gegenteil: die vielfältigen Lebenssphären nach ihrem eigenen Recht zu gestalten und die politische Sphäre dem unterzuordnen. Das heisst zugleich, die politische Sphäre zu partikularisieren im räumlichen wie im sachbezogenen Sinn, sie im radikaleren Sinn als bisher zu föderalisieren (vgl. Schmid, 133 f.). Ich komme hier noch einmal auf die o. g. französische Diskussion über Goethe und Herder zurück. Sie verläuft ja ganz im Sinne des Musters, eine französische Diskussion zu sein, die auf Deutschland Bezug nimmt. Der eine Diskutant sieht in Frankreich den Goetheschen Universalismus in Gefahr, wenn die Thesen des Colläge de France zur "Erziehung der Zukunft" sich durchsetzen. Diese Thesen reden von der Aufgabe, den Universalismus wissenschaftlicher Denkweise mit der Vielzahl der Kulturen, ihrer Lebensweisen und Sensibilitäten zu versöhnen. Dies sei, so argumentiert Finkielkraut, eine widersprüchliche Zielsetzung, die der postmodernen Neigung allzusehr nachgebe, Partikularismen zu tolerieren und die jeweilige bornierte "Faáon de penser" als jeweilige Wahrheit zu nehmen, sich um Wertfragen herumzudrücken und sie durch das Studium von Differenzen zu ersetzen. "Toleranz gegen Humanismus: so könnte man das Paradox einer Kritik des Ethnozentrismus zusammenfassen, das darauf hinausläuft, jedes Individuum auf seine Ethnie zu zentrieren. Wenn von Kultur nur noch im Plural gesprochen wird, dann bedeutet das in der Tat, dass die Menschen verschiedener Epochen oder entfernter Zivilisationen keine Möglichkeit mehr haben, über trennbare Bedeutungen miteinander zu kommunizieren und Werte auszutauschen, welche die unmittelbaren Umstände transzendieren und die sich über den Umkreis erheben, in dem sie entstanden sind." (S. 28) Pontalis bezieht die Gegenposition. Er stimmt zwar dem Ziel eines humanistischen Universalismus zu und meint auch, dass "tausend Herder noch keinen Goethe machen". Nur teilt er nicht den Aufklärungsoptimismus seines Kontrahenten, weil er gerade die Grundlage der von Goethe intendierten universalen Menschheitsbildung durch das Fortschreiten der technisch-wissenschaftlichen Universalisierung der Kulturen gefährdet sieht. Pontalis warnt, - durchaus in Anklängen an die Warnungen des konservativen Thomas Mann - vor jenem immer weiter ausgreifenden Universalismus der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation, der gerade durch seine Fortschritte in die Krise gerät. "Wenn das Universelle in der Krise ist, dann ist es paradoxerweise gerade insoweit, als es sich immer weiter universalisiert (...). Es hat seinen Namen verloren, es hat jeglichen Ort verloren, es spricht keine Sprache. Es ist entleiblicht" (S. 32). Goethes Weltbürgertum beschreibt Pontalis demgegenüber als einen Bildungsprozess, in dem sich gerade die eigene Besonderheit durch die Öffnung dem Fremden gegenüber gestaltet. Sie trägt in sich selbst die Vergewisserung einer Rückkehr zu sich selber oder, besser, einer Ankunft bei sich selber (ebd. S. 34). "Das "Fremde" und das "Eigene, Besondere" bedingen einander: Das Universelle ist im besonderen eingeschlossen. Die Erfahrung der Andersheit ist die Bedingung der Fülle" (ebd.). Diese Diskussion ist für unseren Zusammenhang nicht nur interessant, weil sie französische Grundsatzdebatten über die Zukunft des Bildungswesens an Leitideen deutscher Geistesgeschichte festmacht. Vielmehr entsprechen die beiden Positionen in ihrer Intention ja genau den beiden von Thomas Mann exemplarisch vertretenen Tendenzen, der zuerst die Autonomie des Geistigen und Kulturellen gegenüber dem Politischen und Sozialen verteidigte, um dann, von den geschichtlichen Ereignissen überwältigt, die Einheit von Geist und Politik zu predigen. Heute scheint die Zeit für den Versuch gekommen, beides wieder zusammenzudenken. |