Arbeitstexte de travail

Alltag, Vorurteile und interkulturelles Lernen

Prof. Dr. Hans Nicklas, Frankfurt

Inhaltsverzeichnis

4. Alltag und Vorurteile:

Die Ursachen der Vorurteilshaftigkeit

Ein Vorurteil ist nicht einfach ein falsches Urteil, sondern oft eine komplizierte Mischung aus etwas "Wahrem" und etwas "Falschem". Wichtig am Vorurteil ist seine Hartnäckigkeit, d.h. es sträubt sich gegen die Berichtigung. Hierin liegt der entscheidende Unterschied z.B. zwischen einem falschen oder vorläufigen Urteil und einem Vorurteil:

Falsche Urteile, vorläufige Urteile können durch neue Erfahrungen berichtigt werden. Dazu ein Beispiel: Wenn ich den Wal als einen Fisch angesehen habe aufgrund seiner Form und seiner Lehensweise, dann aber in einem Biologielehrbuch erfahre, daß der Wal ein Säugetier, also kein Fisch ist, so wird es mir keine Schwierigkeiten bereiten, dieses mein falsches Urteil zu berichtigen. Ein Vorurteil zeichnet sich aber dadurch aus, daß es sich hartnäckig gegen diese Berichtigung durch neue Erfahrungen wehrt, daß es resistent ist gegen neue Erkenntnisse.

Diese Abschottung des Vorurteils gegen neue Erfahrungen wird vor allem durch zwei Mechanismen bewirkt: Erstens durch das, was in der Psychologie selektive Wahrnehmung genannt wird. Wenn ich beispielsweise das Vorurteil habe, daß es in Frankreich schmutziger ist als in Deutschland, so werde ich in Frankreich auf jeder Straße und in jedem Hotelzimmer Schmutz sehen und werde durch diese auswählende Wahrnehmung mein Vorurteil als berechtigt empfinden. Ich verstelle mir so den Weg, zu erkennen, daß in der Tat in bestimmten Zusammenhängen oder Situationen Sauberkeit in Frankreich eine andere Bedeutung hat als in Deutschland und daß deshalb die Kategorie "Sauberkeit" als Zugang zu diesem Problembereich in Frankreich sehr unzulänglich ist. Zweitens: Vorurteile verhindern neue Erfahrungen dadurch, daß der Vorurteilsbehaftete den Kontakt mit dem Objekt seines Vorurteils vermeidet. Der Antisemit wird Bekanntschaft mit Juden, der Rassist Berührung mit Negern scheuen; er wird sich gegen diese neue Erfahrung wehren.

Vorurteile sind gewissermaßen ein liebgewordenes Mobiliar unseres Weltbildes. Wir haben uns mit den Vorurteilen eingerichtet, und wir möchten nicht verunsichert werden dadurch, daß dieses Weltbild in Gefahr kommt.

Wie entsteht die Bereitschaft im Menschen, Vorurteile anzunehmen und sie zu einem Bestandteil seines Denkens und Handelns zu machen?

Die ersten Voraussetzungen zur Urteilsbereitschaft entstehen bereits in frühester Kindheit. Schon der Säugling erwirbt die Disposition, die ihn später befähigt, Vorurteile in sein Weltbild einzubauen und nach ihnen sein Verhalten einzurichten.

Zu den wichtigsten Dingen, die ein Säugling im ersten Lebensjahr lernen muß, gehört die Unterscheidung zwischen innen und außen. Der Säugling muß seinen eigenen Körper, seine Gefühle, seine Bedürfnisse, seine Wünsche von der Umwelt unterscheiden können. Das ist ein sehr schwieriger Prozeß, denn für den Säugling sind zunächst sein eigener Körper, das Bettchen, die Mutter, eine Einheit. Die Differenzierung zwischen dem Selbst und der Umwelt beginnt damit, daß der Säugling feststellt, daß Dinge, die er sich gerne zueignen würde, wie etwa die Mutterbrust, offensichtlich seinem Willen nicht gehorchen, also “draußen“ sind, während andere Dinge, die er gerne abweisen möchte, wie etwa die Leibschmerzen, zu ihm gehören, ein Teil seines Selbst sind. Der Säugling muß also lernen zu unterscheiden zwischen den Reizen, die aus der Umwelt auf seinen Körper treffen und den Triebregungen, die aus seiner eigenen Person kommen.

Freud hat diese Fähigkeit, die der Säugling erwerben muß, "Realitätsprüfung" genannt. 14) Diese Realitätsprüfung, also die Fähigkeit des Menschen, zwischen innen und außen unterscheiden zu können, zwischen der Welt draußen und den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, kann natürlich niemals vollständig gelingen. Wir können die äußere Welt nur als Subjekt erfahren, das heißt, alle Wahrnehmung ist durch unsere Sinne, durch unsere Befindlichkeit, durch unsere Aktivität vermittelt.

Aber die Fähigkeit zur Realitätsprüfung kann verschieden stark entwickelt sein. Manche Menschen sind in hohem Maße fähig, die äußere Realität vergleichsweise unbeeinflußt von ihren eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen wahrzunehmen; andere dagegen projizieren ihre Innenwelt so stark auf die Umwelt, daß sie kaum imstande sind, die Realität unvoreingenommen sehen zu können.

Was sind nun die Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit der Säugling diese Fähigkeit der Realitätsprüfung verläßlich erwirbt? Ich möchte nur einige dieser Bedingungen nennen. Zunächst ist wichtig, daß der Säugling ein Gefühl der Sicherheit und Verläßlichkeit erwerben kann, also die Bezugspersonen sich in ihrer Anwesenheit und Abwesenheit auf die Bedürfnisse des Säuglings einstellen und für ihn diese Anwesenheit oder Abwesenheit kein irrationales Ereignis ist. Zu häufiges Anwesendsein und zu lange Abwesenheit sind schlechte Bedingungen für die Entwicklung dieses Stabilitätsgefühls. Auch dürfen die Erwachsenen den Säugling nicht für ihre eigenen Gefühle instrumentalisieren, also eigene Gefühlsdefizite - entstanden etwa in der Ehe oder dem Beruf - durch Überhäufen des Säuglings mit Zuwendung und Gefühlen auszugleichen versuchen. 15) Dies sind alles sehr subtile Vorgänge, die auch keineswegs planbar sind, sondern in hohem Maße davon abhängen, inwieweit die Bezugspersonen selbst jene Stabilität und Ausgeglichenheit besitzen, die sie dem Säugling vermitteln sollen. Und dies wiederum hängt ab von ihren eigenen frühesten Erfahrungen und der realen Situation, in der sie leben.

Erwirbt der Säugling die Fähigkeit zu angemessener Realitätsprüfung nicht, dann ist damit die erste Voraussetzung für vorurteilshaftes Verhalten gegeben, denn vorurteilshaftes Verhalten bedeutet ja nichts anderes, als daß der Mensch Teile seines Inneren - Bedürfnisse, Wünsche, Triebe - auf ein äußeres Objekt projiziert und dann glaubt, das, was er als Bild im Kopf hat, sei das Bild der Realität. Dies gilt insbesondere für die Gefühle der Abneigung und des Hasses. Margarete Mitscherlich hat dies einmal so formuliert: "Nur wenn wir die Fähigkeit entwickelt haben, zwischen äußeren und innerseelischen Anlässen zum Haß zu unterscheiden, läßt sich feststellen, ob er aus tatsächlichen Unmenschlichkeiten oder Kränkungen entsprungen ist oder aus einem Phantasievorgang, indem einem Haßopfer die Unmenschlichkeit angedichtet wird." 16)

Daß die Entscheidung, ob ein Mensch eine angemessene Fähigkeit zur Realitätsprüfung erwirbt, bereits in der frühesten Kindheit fällt, bedeutet natürlich nicht, daß Vorurteilsbereitschaft eine im ersten Lebensjahr erworbene Determinante ist, die den Menschen für den Rest seines Lehens prägt. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein, sondern das, was in diesem ersten Lehensjahr erzeugt wird, ist eine Disposition, die aber, wenn im weiteren Sozialisationsprozeß verstärkende Erfahrungen hinzukommen, zu einer verfestigten Verhaltensweise wird. Wenn also der Mensch im Heranwachsen immer wieder die Erfahrung der Unsicherheit, der Nichtverläßlichkeit macht, dann wird er mit großer Wahrscheinlichkeit seine negativen Gefühle auf äußere Objekte projizieren und damit vorurteilshaft reagieren.

 

Die Funktion von Vorurteilen:

Vorurteile erfüllen für den Menschen, der sich an sie klammert, eine ganz bestimmte Funktion: Etwa die Funktion, Unsicherheit und Bedrohung seelisch zu bewältigen. Vorurteile sind dann ein Instrument, um Angst abzuwehren. Sie dienen dazu, Sicherheit für das eigene Handeln zu finden, die Welt überschaubar zu machen, für alles die richtige Schublade zu finden. Damit hängt zusammen, daß es Wellen des Antisemitismus oder Wellen von Vorurteilsbereitschaft gibt. Diese Welle von Vorurteilen scheint im Anschwellen begriffen zu sein, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in Frankreich. Die Ursache dafür, daß die überwunden geglaubten nationalen Stereotypen und Vorurteile wiederum belebt werden, liegt in der Verunsicherung, die in allen europäischen Staaten durch krisenhafte Erscheinungen in Wirtschaft, Politik und Alltagsleben hervorgerufen worden sind.

Die Welt ist für sehr viele Menschen nicht mehr überschaubar, und insbesondere sind für sie die Folgen ihres Handelns nicht mehr kalkulierbar. Wenn vor zehn Jahren ein junger Mensch in der Bundesrepublik das Lehrerstudium begann, dann konnte er abschätzen, daß er zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Beruf würde arbeiten können. Heute ist das überhaupt nicht mehr absehbar. Das Entscheidende dabei ist nicht das Risiko der Berufswahl, sondern die Irrationalität dieser Verteilung von Lebenschancen, die etwa darin besteht, daß es lediglich auf die Stärke des Abiturjahrgangs ankommt, ob ein junger Mensch einen Studien- oder Arbeitsplatz bekommt oder nicht. Mit anderen Worten: die Lebenschancen von ganzen Generationen junger Menschen hängen für sie von völlig irrationalen, von ihnen nicht beeinflußbaren Faktoren ab. Das ist mit der These gemeint, daß für sehr viele Menschen nicht mehr des eigene Handeln in Bezug auf einen möglichen Erfolg abschätzbar ist. Das gleiche gilt auch für andere Bereiche. Auch da sind Konjunkturschwankungen, sektorale ökonomische Prozesse vom einzelnen überhaupt nicht mehr zu überschauen.

Eine zweite Funktion der Vorurteile ist das, was man Stabilisierung des sozialen Selbstwertgefühls nennen könnte. In Amerika gehören die weißen Dockarbeiter zu der sozial am niedrigsten eingeschätzten Gruppe der Arbeiter. Bei dieser Gruppe ist der Rassismus besonders stark. Das ist ein Beispiel für diese Funktion von Vorurteilen. Man findet sich mit einer niedrigen sozialen Position ab, wenn es eine Gruppe gibt, die noch drunter steht. Das gleiche gilt natürlich auch auf anderen Stufen der sozialen Leiter. So haben vom sozialen Abstieg bedrohte Gruppen der Mittelschicht in europäischen Staaten häufig rechtsradikal oder faschistisch reagiert.

Dritte Funktion von Vorurteilen: sie liefern ein gesellschaftlich gebilligtes Objekt für die Aggressionsabfuhr. In den modernen Industriestaaten gibt es, wie der amerikanische Soziologe Parsons überzeugend nachgewiesen hat, ein großes Potential an Aggressivität - das wissen wir auch aus unserer Alltagserfahrung -; diese Aggressivität findet in den vorurteilsbelegten Gruppen ein gesellschaftlich gebilligtes Objekt. 17)

Vorurteile und Feindbilder haben also eine individuelle und eine gesellschaftliche Funktion. Für des Individuum tragen sie zur Stabilisierung des Ichs bei. Sie vermitteln Sicherheit und vermindern die Angst. Dies bedeutet, daß Menschen umso stärker vorurteilshaft reagieren, je größer ihre Defizite in Bezug auf persönliche, berufliche und gesellschaftliche Identität sind. Auf der anderen Seite sind die Inhalte von Vorurteilen gesellschaftlich vorgegeben, und sie tragen bei zur gesellschaftlichen Integration. Die Gesellschaft akzeptiert und prämiert denjenigen, der das gesellschaftliche Normen- und Vorurteilssystem teilt, während sie denjenigen mit Sanktionen belegt, der abweichende Auffassungen vertritt. Dies bedeutet, daß Menschen von geringer Ich-Stärke aufgrund geringer persönlicher und sozialer Akzeptanzerlebnisse und Zuwendung den Versuch machen, durch Integration in dieses Normen- und Vorurteilssystem sich die erforderliche Akzeptierung und Zuwendung zu erkaufen. Sie werden umgekehrt den Versuch, ihr mühsam stabilisiertes Vorurteils- und Wertsystem in Frage zu stellen, als Bedrohung empfinden und mit Angst oder Flucht reagieren.

 

Vorurteile im internationalen Feld

Wie werden die Muster für die Wahrnehmung und die Beurteilung einer anderen Nation gebildet?
Zunächst gibt es die nationalen Stereotypen, die in den nationalen Kulturen überliefert werden. Diese nationalen Stereotypen vereinigen in der Regel positive und negative Eigenschaften. "Der Franzose" gilt in Deutschland als kultiviert, eloquent, aber unzuverlässig und pfauenhaft, der Deutsche in Frankreich als tüchtig, sauber, aber als tendenzieller Nazi. Diese nationalen Stereotypen sind historisch entstanden und verändern sich nur langsam. Sie - über die jeder verfügt, auch wenn er wenig oder gar keinen Kontakt mit dem Land hatte, auf das er die Stereotypen anwendet - beeinflussen, oft unbewußt, die Erfahrung des anderen Landes.

 

Neben diesen spezifischen Stereotypen gibt es allgemeine Formen der Wahrnehmung von Fremdem. Es sind dies die Wahrnehmungsgewohnheiten und Interpretationsregeln der jeweils eigenen Kultur. Die "Codes“ der eigenen Kultur werden - bewußt oder unbewußt - zum Maßstab für die Wahrnehmung und Interpretation des Fremden gemacht

Menschen neigen dazu, auf Bereiche, in denen sie keine unmittelbaren Erfahrungen haben, die Muster anzuwenden, die sie in ihrer Alltäglichkeit anwenden. Das aber bedeutet, daß sie das, was sie im Ausland sehen, interpretieren und beurteilen nach den Kriterien ihrer Alltagserfahrung in der eigenen Kultur. Bereits das Sehen und Wahrnehmen wird davon bestimmt. Je stärker die Andersartigkeit der Lebensweise der anderen Länder empfunden wird, desto eher besteht die Gefahr, daß man sich mit den Ursachen und Wirkungen dieser Andersartigkeit nicht auseinandersetzt, sondern sie nur wie ein exotisches Schauspiel betrachtet und so in seinen Vorurteilen bestätigt wird.

 

Der Umgang mit Vorurteilen

Vorurteile zu bekämpfen, heißt, den Menschen größere Chancen der Selbstverwirklichung zu geben, sie anzuleiten, sich selbst besser akzeptieren zu können, ihr Ich zu Stärken. Vorurteile bekämpfen heißt auch, den gesellschaftlichen Druck, der auf den Menschen lastet, zu verringern, ihnen die Angst und die Unsicherheit zu nehmen, ihren Freiheitsspielraum zu vergrößern. So ist die Frage der Relativierung von Vorurteilen sehr eng mit der Stärkung der Demokratie verbunden. Bearbeitung von Vorurteilen bedeutet aber auch Aufklärung. Aufklärung nicht nur im Sinne von besseren Informationen, sondern Aufklärung über die Mechanismen, nach denen Vorurteile funktionieren. Bei Menschen, die Vorurteile zu einem Teil ihrer Persönlichkeitsstruktur gemacht haben, ist der Frontalangriff auf Vorurteile zum Scheitern verurteilt. Allein Selbsteinsicht könnte hier dazu führen, die Verteidigungs- und Abwehrstellungen aufzuweichen, mit denen das Vorurteilssystem abgesichert ist. Erst Lernprozesse, die es dem Menschen erlauben, Einsicht in die eigenen psychischen Strukturen und ihre soziale Position zu gewinnen, die ihn erkennen lassen, weshalb er der Vorurteile bedarf, erleichtern den Versuch der Verminderung von Vorurteilen.

Aufgabe ist also die Schärfung der Beobachtungsfähigkeit für unser eigenes Verhalten, die Einübung einer Sensibilität für das, was wir sagen und tun. Nur so kann es gelingen, die Blindheit aufzuhellen, die nur zu oft die Grundlage unserer Selbstsicherheit ist.

Diese Selbstbesinnung ist nicht einfach. Denn solcher Introspektion stehen erhebliche Widerstände entgegen. Geradezu Schrecken erzeugt die unverstellte Selbstwahrnehmung, weil sie unser oft mit großer Anstrengung errichtetes Selbstbild gefährdet. Wir haben unser Selbstbild durch ein Bündel von Vorurteilen gesichert, und ein tiefgestaffeltes System von Selektionsmechanismen und Wahrnehmungshemmungen verhindert die Aufnahme von äußerer Realität, die unsere Vorstellungen von uns selbst stören oder korrigieren und damit unsere Selbstsicherheit bedrohen könnte.

Dies freilich ist nur die individuelle Seite. Es muß angemerkt werden, daß der Erfolg solcher Bemühungen nicht unabhängig vom gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen werden kann. Wenn Vorurteile gesellschaftliche Deformationen der Lebenspraxis der Menschen spiegeln, dann verlangt die Befreiung von Vorurteilen auch die Änderung dieses Lebenszusammenhangs.
In jedem Fall dürfte feststehen, daß eine Veränderung der Alltagssituation, eine Dissonanz, eine Verunsicherung notwendig ist, um Lernprozesse in Gang zu setzen und Verhaltensänderungen möglich zu machen. Die Frage ist einerseits, wie stark die Verunsicherung sein muß, um überhaupt wahrgenommen zu werden und die vorhandenen Denk- und Verhaltensmuster in Frage zu stellen. Andererseits: Wie stark darf sie sein, um nicht Angst und Abwehr zu provozieren, die dann mögliche Lernprozesse blockieren?

Ziel einer deutsch-französischen Begegnung müßte ein vorsichtiges Anstoßen, eine behutsame Verunsicherung der Teilnehmer sein, wobei allerdings zu bedenken ist, daß die Verunsicherungstoleranzschwelle individuell verschieden hoch ist. Das heißt, einige Teilnehmer reagieren bereits in bestimmten Situationen mit Angst und Abwehr, während andere Teilnehmer weit davon entfernt sind, die Verunsicherung wahrzunehmen.

14) Zu dem Freudschen Begriff der Realitätsprüfung vergleiche: J. Laplanche, J.-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt/Main 1972, p. 431 sq. zurück
 
15) Vergl. zu dem Begriff der Instrumentalisierung die unter Leitung des Verfassers in der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung entstandenen Arbeiten zur Aggressionsproblematik, besonders: Ute Volmerg, Gewalt im Produktionsprozeß und Birgit Volmerg, Zur Sozialisation Struktureller Feindseligkeit In: Friedensanalysen, Bd 6, Frankfurt/Main 1977. Ferner: Ute Volmerg, Identität und Arbeitserfahrung. Eine theoretische Konzeption zu einer Sozialpsychologie der Arbeit, Frankfurt/Main 1978 zurück
 
16) Margarete Mitscherlich, Müssen wir hassen? Über den Konflikt zwischen innerer und äußerer Realität. München 1972, p. 64. zurück
 
17) Talcott Parsons, Über wesentliche Ursachen und Formen der Aggressivität in der Sozialstruktur westlicher Industriegesellschaften In: Talcott Parsons, Beiträge zur soziologischen Theorie, Neuried 1964, p. 223-255. zurück

 

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