Die Ausbildung zur Unterstützung interkulturellen Lernens, wie sie mittlerweile von einer ganzen Reihe von Veranstaltern deutsch-französischer und anderer internationaler Begegnungen durchgeführt wird, ist kein fest gefügtes "System", wie z. B. die Pädagogik der Schule oder der Berufsausbildung. Einmal abgesehen davon, daß eine zu starke Systematisierung des interkulturellen Lernens und der Ausbildung dazu vermutlich die Qualität dieses Feldes nicht verbessert, da eine Standardisierung nicht zu einer neuen Offenheit für das Fremde, das Andere, sondern eher zu neuen Scheuklappen führt, ist die gegenwärtige Vielfalt auch darauf zurückzuführen, daß sich fast überall die Ausbildung noch in einem experimentellen Stadium befindet.
Aus diesem Grund sollte kein Gruppenbetreuer davon ausgehen, durch die Teilnahme an einem Ausbildungsprogramm schon hinreichende Voraussetzungen für seine Tätigkeit zu erhalten. Die Ausbildung kann nur eine Anregung sein, sich selbst weiterhin mit den angesprochenen Fragen zu beschäftigen, sich anhand der praktischen Erfahrungen in Begegnungsprogrammen weiterzubilden, selbst Informationen zu sammeln usw.
Ausbilder, Gruppenbetreuer, Lehrer und Teilnehmer beim interkulturellen Lernen sind gemeinsam Suchende in einem nach wie vor neuen und offenen Feld, das gelegentlich vor allem Fragen aufwirft.
Nicht selten wird deutlich, daß dieses offene Herangehen nicht jedermanns Geschmack ist. Manche verlangen klare Konzepte, klare Fragen und Antworten. Zögern wird als Inkompetenz, Differenzieren als Zerreden abgetan. Jemand, der Schwierigkeiten hat, sich unfertigen, oft mehrdeutigen Situationen auszusetzen, Prozessen auszuliefern, deren "Ergebnis" nicht von vornherein feststeht, wird es sehr schwer haben, hinter die oft andere Logik einer fremden Kultur zu schauen und so mit Angehörigen dieser Kultur umzugehen, daß diese den Eindruck gewinnen, ihnen würde Platz dafür eingeräumt, so zu sein, wie sie sind.