Die vorstehenden Ausführungen sollten zweierlei deutlich machen:
Erstens, daß niemand, der internationale und interkulturelle Lernprozesse anregen oder organisieren möchte, um die Frage nach Zielen und Überzeugungen herumkommt, also um die Frage danach, wie seine Vorstellung der Welt aussieht, der er durch seine pädagogischen Aktivitäten näherkommen möchte.
Zweitens, daß das internationale und interkulturelle Lernen auf erhebliche in unserer individuellen und in unserer nationalkulturellen Entwicklung begründete Hindernisse stößt. Es wäre bedauerlich, wenn diese Schwierigkeiten Anlaß dazu wären, die Bemühungen um eine Pädagogik des interkulturellen Lernens zu vernachlässigen zugunsten der Förderung solcher Formen internationaler Arbeit, die ihren vermeintlichen Erfolg daraus ziehen, daß die Teilnehmer sich in Wirklichkeit nicht vertieft begegnen, sondern auf einer reduzierten Ebene lediglich der Gemeinsamkeiten.
Eine Begegnung auf der reduzierten Ebene der Gemeinsamkeiten kann für Organisatoren und Institutionen "erfolgreich" sein, dann nämlich, wenn Wirkungen lediglich im mikrosozialen Bereich oder in ganz eingegrenzten Sektoren wie der Erziehung, der Animation, der schulischen oder beruflichen Bildung der Jugendlichen angestrebt werden. Wählt man als Ziel jedoch einen Lernprozeß, der die Beziehungen zwischen Gesellschaften, Kulturen, Nationen und Staaten einschließt, - und warum sollte man nicht einmal die zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland geschlossenen Verträge und die Zielsetzungen, die sich das DFJW gegeben hat, wirklich ernst nehmen - einen Lernprozeß auf dem Gebiet gegenseitiger Kenntnisse und Verständigung also, der nicht nur auf Wenige, oft "Spezialisten" beschränkt bleibt und sich dementsprechend nicht damit begnügt, eingegrenzte und sektorielle Interessen zu befriedigen, dann greift vieles, was heute vorzufinden ist, erheblich zu kurz.