Arbeitstexte de travail

Überlegungen zum Spannungsverhältnis zwischen nationalerJugendarbeit und interkultureller Begegnung:
EINE
UNTERSUCHUNG IN FRANZÖSISCHEN FERIENZENTREN

Dany Robert DUFOUR
(Aus dem Französischen übersetzt von Peter Geble)

Inhaltsverzeichnis

2) Beobachtungen in einem Ferienzentrum in Südfrankreich im Sommer 1978

Ich möchte gleich zu Beginn vorausschicken, daß eine Arbeit wie die an dem vorliegenden Bericht über Ferienzentren nicht erst an dem Tag beginnt, an dem der Forscher im Zentrum eintrifft. Sie beginnt bereits zuvor bei der Kontaktaufnahme des Forschers mit den Organisatoren und Zentrumsleitern. Manche Leiter sind bereit, einem Fremden die Tür des Zentrums zu öffnen, andere behalten den Schlüssel lieber in der Tasche, wobei sie - natürlich in aller Zuvorkommenheit - so tun, als würden sie ihn suchen; wieder andere öffnen sie nur, nachdem sie eine Sicherheitskette angebracht haben.

Der Leiter des in Südfrankreich gelegenen Zentrums gehörte zu denen, die die Tür öffnen. Unter den Organisatoren, mit denen ich zuvor Kontakt aufgenommen hatte, gab es einige, die mir dadurch, indem sie immer wieder neue Vorbedingungen stellten, auf die sie keinesfalls verzichten wollten, jedes Mal den Eindruck vermittelten, als wäre ein Besuch des Zentrums nur "mit einem Reiseführer" möglich.

In diesen Fällen wird dann für die - reale - Störung, die die Anwesenheit des Forschers teilweise auslöst, häufig die Pädagogik des aktiven Lernens vorgeschoben, so daß der Besuch schließlich "verschoben" werden muß. Kurz gesagt: es ist oft genauso wichtig, auf die Anzahl der Riegel, die die Tür verschließen, und auf das Ausmaß der schließlich zugestandenen Öffnung zu achten, als das zu beobachten, was man durch die offene Tür zu sehen bekommt.

Im Zusammenhang mit meinen Vorbereitungen für meine Aufgabe im Sommer 1978 ist die Einwilligung des Leiters dieses in Südfrankreich gelegenen Zentrums in meinen Besuch fast als ein Akt von Zivilcourage aufzufassen, zumal er sie nicht von der erst einzuholenden Einwilligung der Organisatoren abhängig machte.

Einschränkend muß gesagt werden, daß ich nicht im Zentrum selbst unterkommen konnte, sondern nur in der Nähe von Nizza, d.h. ca. 50 km vom Zentrum entfernt. Immerhin gab es für diese Erschwerung meiner Aufgabe einen Ausgleich: man sieht die Dinge anders, je nachdem ob man im Zentrum lebt oder ob man jeden Tag hinfahren muß. Hinzu kommt, daß sich mit jedem Kilometer, den man jeden Tag, morgens und abends, zurückzulegen hat, die Vorstellung relativiert, an einem privilegierten Ferienort (es handelt sich schließlich um Südfrankreich) zu weilen, denn der Urlauber erlebt zwischen Théoule und Antibes das gleiche armselige Autoabenteuer wie z.B. in Paris zwischen Levallois und Charenton; er fährt ans Meer wie er zur Arbeit fährt. Der städtische "Herdentrieb" verfehlt - wie wir dies weiter unten sehen nicht seine (sich unterschiedlich äußernde) Wirkung auf die jungen Deutschen und die jungen Franzosen im Zentrum.

Man muß die Umgebung kennen, damit die privilegierte Lage dieses Zentrums ersichtlich wird: verglichen mit der extrem dichten Bebauung der angrenzenden Küstenebene gegen Nizza zu sind die Berge weiter im Landesinnere nur mäßig urbanisiert. Hinzu kommt durch das Rot der Felsen ein weiterer Reiz und eine fast familiäre Ruhe rundet den Eindruck ab.

Dies alles zusammen war bei einem Teil der Jugendlichen der Grund für den Schock des ersten Tages; sie hatten sich vorgestellt, ihren Aufenthalt in der Hektik der Nachtlokale und Bistrots, des Konsums, der flüchtigen Begegnungen, der verstopften Straßen und der überfüllten Strände zuzubringen. "Das kann doch nicht die Côte d'Azur sein!", dachten sie. Dieser Anfangsschock war während meines Besuches in der letzten Dekade des Aufenthalts noch stark zu spüren, obwohl sich alles schon eingespielt hatte.

Bei den deutschen Jugendlichen war dieses Gefühl deutlich am stärksten, aber auch die französischen Jugendlichen waren dafür nicht unempfänglich. Der Ärger steigerte sich noch durch die Erzählungen von fünf oder sechs Jugendlichen, die 1977 an einem von der Sozialabteilung der Präfektur von Nizza organisierten Begegnung teilgenommen hatten; sie fand im Lycée von Nizza statt und hatte die Besonderheit, daß sie anscheinend in ein größeres internationales Begegnungsprogramm für Jugendliche integriert war.

« Wir waren 700 und machten, was wir wollten », sagten die jungen Veteranen mit etwas zu viel Enthusiasmus. Die Präfektur war, wie zu erfahren war, derselben Meinung und genau aus diesem Grund wurde das Experiment eingestellt und der Sommeraufenthalt in freistehende Räumlichkeiten verlegt, die normalerweise als Fertigbauten als Begegnungsstätte für Behinderte dienen.

Dieses anfängliche Mißverständnis, von dem die Rede ist, entwickelte während des Aufenthalts insofern eine starke und interessante Dynamik, als sie Aufschluß gibt über die Beziehungen, die - wenngleich die meiste Zeit verborgen - in der Institution eines jeden Ferienzentrums zwischen « Organisierten » und « Organisierenden », zwischen Jugendlichen und Erwachsenen bestehen.

Egal, ob es die Enttäuschung über die mangelnde großstädtische Ballung ist, von der ein Überangebot an Möglichkeiten erwartet wird, worauf sich bei den Jugendlichen das gesamte soziale und affektive Bestreben richtet und worin sich ihre imaginären Idealvorstellungen von Ferien als Gegengewicht zu der Abschirmung während des Schuljahres gipfeln, oder ob es das Wieder-Heraufbeschwören eines verlorenen Glücks ist, jedes dieser Gefühle mag sich noch so drängend bemerkbar machen, der Anspruch der Jugendlichen an die Erwachsenen wird doch immer sein Ziel verfehlen, denn sie vermögen es nicht, ihn anders als simulativ, bzw. metaphorisch zu bringen.

Hiermit soll verdeutlicht werden, warum es zu kurz greift, wenn man die zwischen « Organisierenden » und « Organisierten », zwischen Jugendlichen und Erwachsenen bestehenden Beziehungen ausschließlich unter dem Aspekt der Kräfteverhältnisse betrachtet.

 

Aber gerade weil dieses Modell so häufig vorherrscht, läßt er die Handelnden in dem Glauben, sie müßten « Forderungen stellen » (auf Seiten der Jugendlichen) bzw. sie müßten "vielleicht mal etwas nachgeben" (auf Seiten der Erwachsenen und der Pädagogen). Als der Zentrumsleiter einmal diese Situation zu charakterisieren versuchte, verglich er sie mit der Verhandlungsposition, in der sich Unternehmer und Gewerkschaften befinden, wobei er sich selbst - widerwillig - die Position des Unternehmers zuweisen mußte. Worüber er nicht gerade glücklich war.

Ganz egal, ob auf die Ansprüche der Jugendlichen teilweise oder vollständig eingegangen wird, ist es nicht immer möglich, weil diese Ansprüche als solche sich schon auf bestimmte Dinge verlagert haben (in der psychoanalytischen Bedeutung von Verschiebung), das Fehlende, das in der Natur selbst begründet liegt, auszugleichen. Jeder Versuch, auf diese Ansprüche antworten zu wollen, verbindet sich vielmehr mit einer archaischen Tiefenschicht, so daß sich die Anspruchshaltung immer wieder erneuert, weil deren Bedeutung verloren gegangen ist. Nachdem ein Anspruch zufriedengestellt ist und die Beruhigung wieder nachläßt, kann er sich nur - in Nachahmung des Absoluten - verdoppeln und erneut bemerkbar machen. Wie soll es bei einem System, in dem Ansprüche hervorgerufen und zugleich unerfüllbar bleiben müssen, auch anders sein, als daß die Jugendlichen in ein regressives Verhalten verfallen, wo sie aus eigenem Antrieb nichts mehr unternehmen wollen bzw. können, da sie nur diejenigen danach zu fragen brauchen, die ihnen zu Diensten stehen (15).

Es scheint, daß sich das Idealbild von Ferien bei den deutschen und den französischen Jugendlichen spürbar voneinander unterscheidet, und daß die Côte d'Azur auf beide eine unterschiedliche Attraktion ausübt.

So trifft man bei den deutschen Jugendlichen sehr oft auf die Vorstellung, daß sie dort ein Überangebot an Möglichkeiten anfinden ; dies ist bei den französischen Jugendlichen zwar ähnlich gelagert, aber doch in einer deutlich abgeschwächten Form. Es ist, als würden sich die deutschen Jugendlichen ihren Aufenthalt vor der Abreise in etwa unter dem Motto vorstellen: « Bald und wenn wir nur erst woanders sind, ist alles erlaubt! »

Es ist schwer zu sagen, woher dieses Idealbild kommt, das wie in einem Traum das ganze soziale und affektive Bestreben in sich vereinbart, um sich auch nur keine Möglichkeit entgehen zu lassen.

 

Wäre sie nicht zu überspitzt und zu einseitig, könnte sich eine These, die sich auf eine rein soziologische Theorie stützt und nach der dieses Vorstellungsbild demgemäß mit der städtischen Herkunft zu tun habe - etwa: « Die deutschen Jugendlichen, die in einem Land leben, das stärker bevölkert ist als Frankreich, werden natürlich (!) stärker von den Städten angezogen » - als durchaus stichhaltig erweisen. In der Tat könnten sich die Reaktionen auf zwei von der Betreuergruppe vorgeschlagenen Aktivitäten in diesem Sinne interpretieren lassen: das Angebot, zelten zu gehen mit einer Bergwanderung, wurde von den deutschen Jugendlichen nur mäßig wahrgenommen.

Für einen Ausflug nach "Nizza-Monaco" füllten deutsche und französische Jugendliche einen ganzen Bus, während die Wahlmöglichkeit, das "Landesinnere" zu entdecken, nur einige junge Franzosen interessierte. Die ländliche oder städtische Herkunft ist hier jedoch nicht allein maßgebend, es müssen noch andere Erklärungsmuster für die Komplexität des Kontextes unter Berücksichtigung der jeweiligen Vorstellungswelten in den Gesellschaften gesucht werden. Wie sieht die Vorstellungswelt in einem Land aus, wo eine starke soziale Integration vorherrscht und wo im allgemeinen alles aufgeschlüsselt wird, was dabei "rausfällt", so daß wenig Raum am Rande bleibt. (16)

Diese Unterschiede im Bezugsrahmen für das jeweilige Idealbild können unter dem Gesichtspunkt unserer Kategorien eigenartige und unverständliche Formen annehmen.

Wie ist z.B. der Wunsch einer Gruppe von Mädchen, vornehmlich deutscher Mädchen, zu verstehen, die, um ihre Freunde treffen zu können, die sie außerhalb des Zentrums kennengelernt hatten, nicht allein an den Strand gehen (das Zentrum liegt 2 km von der Küste entfernt) sondern von einem Betreuer begleitet werden wollten. Mit anderen Worten wollten diese Mädchen eine "überwachte" Eskapade unternehmen, wobei sie ganz naiv den angesprochenen Erwachsenen in die mißliche Lage brachten, bei ihren Spielen zugleich anwesend und abwesend sein zu müssen?

Ein Wunsch aus zwei Teilen, die sich gegenseitig widersprechen; erster Teil: « Wir sind alt genug, um selbständig zu tun, was wir wollen, gerade auch mit unserem Körper, außerdem erlauben es unsere Eltern! ». Zweiter Teil: "Erlaubt uns, selbständig zu sein!" Dieser Wunsch nach einer Billigung der selbst erteilten Selbständigkeit, der ausschließlich von der Gruppe der deutschen Jugendlichen geäußert wurde, scheint die Spannweite der gesellschaftlichen Vorstellungswelten aufzuzeigen, von denen die Rede ist: die Notwendigkeit der Integration all dessen, was am Rande ist.

Aus einer Versammlung mit den Betreuern ging hervor, daß Wünsche dieser Art das Betreuerteam des Zentrums in zwei Lager gespalten hatte ; die einen hörten nur den ersten Teil (im wesentlichen: "Wir sind Erwachsene ») und hatten darauf nichts mehr zu sagen, die anderen hörten nur den zweiten Teil ("Wir sind Kinder") und nahmen zu qua Autorität abgesicherten Argumenten Zuflucht: « Die Präfektur hat uns gesagt, daß es am Strand von Nizza in einer Nacht zu zwanzig Vergewaltigungen gekommen ist ». In jedem Fall können beide Teile dieses Anspruches nicht gleichzeitig befriedigt werden, denn er führt in eine doppelte Sackgasse, was einen "klassischen" Streich Erwachsenen gegenüber bedeutet.

Dennoch scheinen einige französische Mädchen, gerade indem sie nicht um Erlaubnis nachsuchten, dieser Sackgasse entwischt zu sein, und trafen sich ein paar Abende mit ihren Ferienbekanntschaften.

In diesem Fall entwickelt sich allerdings eine andere Dynamik: die Dynamik eines doppelten Spiels, das schließlich nur enden kann mit dem Ausbrechen aus dem Ghetto der « Altersklasse der Heranwachsenden », mit der Flucht aus dem geschützten Bereich - dem Zentrum -, der für die Ferien eingerichtet ist, und der Übernahme des Erwachsenenstatus - oder aber mit Verzicht...

Diese gegenläufigen Bewegungen in der Dynamik, die sich vorübergehend miteinander « verbündeten » (die Beziehungen zwischen den deutschen und den französischen Mädchen waren « gut »), können indes nicht miteinander verglichen werden; sie dürfen nicht pragmatisch, weil es sich um den gleichen Gegenstand handelte - es ging in beiden Fällen darum, die Freunde zu treffen -, miteinander gleichgesetzt werden.

Darin einbezogen waren nur etwa 10 der insgesamt 50 Jugendlichen, die sich im Zentrum aufhielten. Nichtsdestoweniger wirkte diese Dynamik insofern auch anregend auf die anderen, weil sie vielleicht unbewußt von der Sache gepackt und trotz der an den Tag gelegten Gleichgültigkeit, die direkt daran Beteiligten mit allerlei infantilen Spielen nachzuahmen schienen: z.B. versammelte sich eine große Anzahl Jugendlicher um 2 Uhr morgens auf dem Hauptplatz des Zentrums, um einen massiven und geplanten Ausreißversuch vorzutäuschen; dabei amüsierten sie sich in ihrer Vorstellung über die Beunruhigung des Zentrumleiters, wenn er erfahren würde, daß sie des Nachts leise "wie Indianer auf der Fährtensuche" ausgerissen wären.

Es ist vielleicht aufgefallen, wie wenig in diesem Bericht von den Jungen die Rede ist. Das liegt unter anderem daran, daß die Mädchen ihre Freunde vorzugsweise außerhalb des Zentrums suchten, während die Jungen lieber im Zentrum selbst eine Freundin gefunden hätten.

Ich mußte somit ein weites "pädagogisches Setting" einführen, um hier klarer sehen zu können.

Als die vom Zentrum vorgeschlagenen Aktivitäten (Segeln, Schwimmen, Wasserski) in ihrer Wiederholung nur noch ein mäßiges Echo hervorzurufen begannen, gab ich im Speisesaal bekannt, daß ich alle Interessierten zu etwas einladen würde, was keine Versammlung sei. Die Teilnehmer könnten schweigen, sie könnten sprechen, mit wem und worüber sie wollten, sie könnten auch zu mehreren gleichzeitig sprechen, Lärm machen, lachen, weinen... Ich würde ihnen Techniken vorschlagen, die ihnen dabei helfen sollten. Dann fügte ich dem sehr gut aufgenommenen Vorschlag eine wichtige Einzelheit hinzu: « Dieser Vorschlag, an etwas teilzunehmen, was keine Versammlung ist, richtet sich nicht an die Jungen! ».

Ich schlug demnach vor:

- das Verhältnis "Gewerkschaft/Unternehmer" und die dort herrschende Redeweise vorübergehend zu beenden, die üblichen Aktivitäten auszuklammern, weil ich sie als praktische Antwort auf die sich ständig "verlagernden" Ansprüche der Jugendlichen analysiert hatte,
 
- durch die Bildung einer Gruppe, in deren Rahmen eine "narzißtische Regression" ermöglicht werden sollte, vorübergehend einen Bereich zu schaffen, der das Leben im Zentrum durch eine Verkehrung ins Gegenteil widerspiegeln und die dort wirksame Dynamik freisetzen könnte, den Kernpunkt der Fragestellung durch das symbolische Verbot ("keine Jungen") zu institutionalisieren und zu besiegeln.

Da die ersten drei Punkte bereits besprochen wurden, möchte ich nur noch auf den letzten eingehen: Die Einschränkung, durch die die Jungen ausgeschlossen wurden, und die ich unmittelbar auf die vermeintlich an alle gerichtete Ankündigung folgen ließ, rief weder bei den Mädchen noch bei den Jungen Proteste hervor, allenfalls war eine gewisse Enttäuschung zu beobachten.

Ich hatte das Verbot weniger aus praktischen Gründen ausgesprochen (die Art der vorgeschlagenen Übungen basiert auf Entspannungstechniken, die zu ihrem Erfolg eine Atmosphäre benötigen, in der es nicht zu ständigen Albernheiten kommt - und diese sind zwischen Jungen und Mädchen die Regel, wenn Erwachsene anwesend sind), sondern wegen der analysatorischen Effekte zur Rolle der Jungen und Mädchen im Leben des Zentrums.

Die deutschen Mädchen erreichten im allgemeinen - obwohl meine Anweisungen übersetzt werden mußten - einen hohen Grad an Entspannung (die Übungen wirkten sich auf sie im stärkeren Maße beruhigend aus), alle fühlten sich so « wohl » wie selten zuvor (« Ich wollte, es hätte nie aufgehört »).

Begriffe mit mehreren Bedeutungen ("Meer", "Wellen ») wurden eindeutig nur in einer Weise verstanden (« Wiegen des Meeres », « Streicheln der Wellen »), was sich allerdings nach den Übungen bei ihnen unbewußt und nur metaphorisch äußerte.

Die reale Abwesenheit der Jungen während der Übungen - Paradigma ihrer symbolischen Abwesenheit - gestattete es den Mädchen, sie in ihrer Vorstellungswelt wieder einzuführen.

In diesen Feststellungen stecken zwei wichtige Elemente, die den Grund der Analyse berühren:

-die Mädchen erwarteten die Erfahrung der Liebe, wobei der Hauptakzent jedoch auf der Erwartung liegt. Das heißt, die Erfahrung wird herbeigewünscht, aber nur insofern sie nicht eintritt, insoweit sie auf sich warten läßt;
 
- die Verwirklichung dieser Erwartung verläuft über die Errichtung des Ferienzentrums als Familie - als « Stamm », wenn man so will -, in der jede bündnisartige Beziehung, außer sie wird nur gespielt, verboten ist;
 
- das Zentrum funktioniert gewissermaßen "matrilokal": die männlichen Vertreter des Zentrums werden von den Mädchen gegen andere von außerhalb ausgetauscht; es bestehen Unterschiede in der Institutionalisierung dieser Tauschverfahren:
ein Anspruch auf offizielles Zugeständnis bei den Deutschen, ein abgeschwächtes Bemühen auf Seiten der Franzosen, das offensichtlich auch davon beeinflußt wird, daß sie es lieben, ein verstecktes Spiel zu spielen.
 
15) Nicht weniger als 15 Erwachsene waren im Zentrum anwesend, um 50 Jugendliche zu empfangen. zurück
 
16) Ein bereits organisatorisch geteiltes Team: die Gruppe der deutschen Jugendlichen wurde von drei Betreuern begleitet: einer von ihnen war dem Zentrumleiter vom Veranstalter als « Leiter der deutschen Gruppe ». vorgestellt worden. Die Spaltung, von der im Text die Rede ist, war zugleich die Nachwirkung von organisatorischen Schwierigkeiten, die zu Beginn des Aufenthalts aufgetreten und inzwischen « gelöst » waren. zurück
 
ENDE

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