Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

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Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

VIII. Schlußfolgerungen aus den forschungsorientierten Programmen

b) Deutsch-französische Verständigungsarbeit kann nicht der Jugend allein überlassen bleiben.

Eine Anzahl der forschungsorientierten Fortbildungsprojekte hat sich mit den Voraussetzungen befaßt, die die jugendlichen Teilnehmer an den Austauschprogrammen in bezug auf die Begegnung mit dem Nachbarn mitbringen. So wurden die Ausbildung der Lehrer, die Schulbücher, aber auch ganz allgemein die Sozialisationsbedingungen in beiden Gesellschaften untersucht, um besser zu verstehen, welche Informationen und Verhaltensweisen bei den Jugendlichen vorausgesetzt werden können.

Diese Analysen haben zu der Auffassung geführt, daß die Konzeption der Gründer des DFJW, die auf der diplomatischen Ebene geschehende Zusammenarbeit der politischen und administrativen Institutionen durch eine Annäherung der beiden Völker "von unten" mit Hilfe der von der Geschichte nicht belasteten Jugend zu ergänzen, etwas erweitert werden sollte.

Es ist sicher ehrenvoll, wenn Erwachsene "die Jugend" als Träger, als Garanten einer "anderen", "besseren" Zukunft bezeichnen, aber aufgrund der in den Gesellschaften vorhandenen Erziehungs-, Sozialisations- und Enkulturationsprozesse deutet eigentlich kaum etwas darauf hin, daß Jugendliche als solche plötzlich irgendeine besondere Qualifikation hätten, besser oder anders als die Erwachsenen zu werden.

Es erscheint uns deshalb wichtig, zu präzisieren, daß "Jugend" im Sinne von Hoffnungsträgern nicht in erster Linie biologisch, also nach dem Lebensalter, sondern kulturell im Sinne von suchend, offen, bereit zum Experiment - und dann relativiert sich das biologische Alter - angesehen werden sollte.

Hinzu kommt noch, daß ja auch gar nicht "die" Erwachsenen einhellig "die" Jugendlichen dazu in der Lage sehen, eine bessere Zukunft zu gestalten. Nicht wenige Erwachsene setzen da erhebliche Fragezeichen.

Die Jugendlichen sind also nicht losgelöst von der Welt der Erwachsenen zu sehen; die Institutionen, in denen sie jene Informationen erhalten und solches Verhalten einüben, die identitätsstiftend und noch spezieller entscheidend für nationale Identität sind, sind Institutionen, die von Erwachsenen geleitet oder betrieben, auf jeden Fall solche, in denen ein enges Zusammenleben von Erwachsenen und Jugendlichen erfolgt.

Es wird deshalb dafür plädiert, in einem gewissen Rahmen altersgemischte Begegnungen innerhalb des Jugendwerks zuzulassen, wobei Gruppenzusammensetzung und Förderungspolitik durchaus nicht deckungsgleich zu sein brauchen.

Das Plädoyer für eine verstärkte Teilnahme von Erwachsenen an den Programmen sollte nicht mißverstanden werden als ein Plädoyer dafür, Erwachsene verstärkt als "Referenten" in die Programme einzuladen. Damit die Erwachsenen in den intendierten interkulturellen Lernprozessen diese Rolle spielen könnten, hätten sie speziell dafür ausgebildet sein müssen. Weder sie noch die Jugendlichen besitzen aber bislang jene Verhaltensfähigkeiten, es "besser" zu machen. Es wäre deshalb wichtig, zu einem Konzept der gemeinsamen Ausbildung, der gemeinsamen Erfahrung, der gemeinsamen Entwicklung von Erwachsenen und Jugendlichen zu kommen, in das die historische Erfahrung der Erwachsenen als wichtige Informationsquelle und die Motivationen der Jugend als Impuls einfließen.

Schließlich: Die Erwachsenen (oder Älteren) sollten nicht den Jugendlichen (oder Jüngeren) allein die Verantwortung für die Zukunft überlassen. In dem vor uns liegenden Prozeß kann und muß jeder entsprechend seinen Möglichkeiten mitwirken.

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