Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

Inhaltsverzeichnis

Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

VIII. Schlußfolgerungen aus den forschungsorientierten Programmen

c) Eine Balance zwischen kognitivem und affektivem Lernen herstellen

Es hält sich nach wie vor in der Praxis des Austauschs eine Dualität: einerseits Programme mit Seminarcharakter, themenorientiert, mit beachtlichem intellektuellen Anspruch, andererseits Begegnungsprogramme mit dem Schwerpunkt darauf, gemeinsam etwas zu erleben, zu unternehmen, oft ferien- und freizeitorientiert.

Vielfach wird davon ausgegangen, daß in der Arbeit mit Jugendlichen internationale Verhaltens-, speziell Kooperationsfähigkeit primär durch eine kognitiv ausgerichtete Arbeit in den Begegnungsprogrammen, d.h. durch Bildung im Sinne von Aufklärung erreicht werden könne.

Dieses Konzept hat sich in der Praxis als problematisch herausgestellt, weil es die Notwendigkeit vernachlässigt, das Verhalten im Umgang miteinander einschließlich des Alltagsverhaltens einzuüben. Dies ist besonders unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung über die Grenzen hinweg erforderlich, weil z.B. bei einer Berufstätigkeit im Ausland auch der Alltag miteinander geteilt sein will.

Es hat sich gezeigt, daß interkulturelles Lernen das Erleben von Problemen, d.h. das Sich-in-der-Problemsituation-befinden voraussetzt, so daß der Ausgangspunkt der Lernprozesse eine konkrete Erfahrung und nicht lediglich ein Gedankengebäude ist. Dies verweist auf die Notwendigkeit der stärkeren Einbeziehung gruppendynamischer Elemente in die Lernprozesse - wobei der Hinweis erforderlich ist, daß die Gruppendynamik von Gruppen mit Angehörigen aus zwei oder mehr Kulturen sich erheblich von der Gruppendynamik monokultureller Gruppen unterscheidet.

Aber auch erlebnisorientierte Programme bilden nicht notwendigerweise eine Gewähr für einen Lernprozeß im Sinne der Ziele des Jugendwerks.

Oft wird z.B. davon ausgegangen, daß das "gemeinsame Tun", wie zusammen an einem Projekt arbeiten, Musizieren, Sport treiben usw. als solches schon zur Verständigung führe oder Beleg für eine schon erfolgte Verständigung sei.

Das "gemeinsame Tun" ist wegen der dabei in der Regel vorhandenen affektiven Bindung der Teilnehmer untereinander sicherlich ein guter Ausgangspunkt für interkulturelles Lernen, es ersetzt aber nicht die explizite Beschäftigung mit den in den deutsch-französischen Beziehungen gemeinsam anzugehenden Fragestellungen.

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