Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

Inhaltsverzeichnis

Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

VIII. Schlußfolgerungen aus den forschungsorientierten Programmen

e) Vorbereitung und Auswertung anders gestalten

Die Vorbereitung eines deutsch-französischen oder internationalen Begegnungsprogramms wird meistens damit begründet, daß zwischen den unterschiedlichen Teamern und Institutionen Organisatorisches abzuklären sei, man neben dem Begegnungsort sich auch persönlich kennenlernen will und darüber hinaus Absprachen anstehen, wie die Begegnung ablaufen soll, welche inhaltlich-pädagogischen Schritte vorgeplant werden müssen.

Es ist der Eindruck nicht von der Hand zu weisen, daß bei diesem Vorgehen Kriterien das Verhalten der Programmverantwortlichen bestimmen, die eher auf die Übermittlung eines bekannten feststehenden Wissens angelegt sind, so wie man es in der nationalen Bildungsarbeit gewohnt ist, als auf die Offenheit für alternative Sichtweisen und neue Erfahrungen.

Es ist nur allzu verständlich, daß dazu tendiert wird, ohne Komplikationen, ohne "böse" Überraschungen "über die Runden" zu kommen, so daß der Begegnungsprozess von vorne herein kanalisiert wird - oft auch unter dem expliziten oder impliziten Erwartungsdruck der ausrichtenden Organisationen, daß ja nichts vorfallen dürfe.

Es wäre wichtig, daß der Neuartigkeit der Ziele des Jugendwerks auch verstärkt eine neuartige pädagogische Herangehensweise zugesellt wird, die, vom Kuratorium unterstützt, nicht mehr den problemlosen - und damit die wirklich relevanten, weil Kontroversen beinhaltenden Fragestellungen oft ausklammernden - Ablauf prämiert, sondern den Versuch, sich in die heute die Gesellschaften bewegenden Fragen mitten hineinzubegeben.

So könnte dann im Gegensatz zur klassischen Vorbereitungskonzeption, die mögliche Bedürfnisse und Erwartungen der Teilnehmer vorwegnehmen und entsprechend einplanen will, hier beidseitig eine Haltung der Aufgeschlossenheit entstehen für das, was kommt, manchmal überraschend ist, so daß man sich auf widersprüchliche, im ersten Augenblick unsinnig erscheinende, eher von unbewußten Beweggründen motivierte Aktionen einlassen kann mit der Chance, sich durch dieses Risiko neu zu entdecken, unerwartete Erfahrungen mit sich selbst und anderen zu machen.

Die Erfahrungen legen auch nahe, sowohl bei der Weitergabe normierten Wissens als auch bei der Vermittlung neuer Erfahrungen mit anderen, individualisiertere Lernprozesse zu ermöglichen, was wiederum in Richtung offenerer Programmstrukturen weist.

Entsprechendes gilt dann auch für die Auswertung:
Diese kann und sollte sich nicht in erster Linie auf "objektive" Bewertungs- und Auswertungskriterien stützen, sondern sich an den Erfahrungsprozessen orientieren, die für die Einzelnen oder die unterschiedlichen Gruppen relevant sind, und versuchen, die eigenen wie fremden Standpunkte und Entwicklungen nachzuvollziehen.

Ziel einer Auswertung wäre die Sensibilisierung für abgelaufene Interaktionsprozesse, für Kommunikationsbarrieren und die Unterstützung dabei, diese Prozesse individuell wie gemeinsam zu reflektieren.

Dementsprechend sollte einer prozessorientierten Sichtweise Vorrang vor einer lehrplanmäßigen Zielorientierung gegeben werden, um die Möglichkeit zu schaffen, die im Verlauf einer Begegnung hergestellten individuellen wie kollektiven Synthesen wahrzunehmen, diese zu verstehen und dabei die individuellen wie kollektiven Projekte als vorläufige Produkte und als Basis für eine mögliche Weiterentwicklung zu begreifen.

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