Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

Inhaltsverzeichnis

Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

I. Zur Vorgeschichte der forschungsorientierten Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

Als das DFJW gegründet und die Austausch- und Begegnungsprogramme eingerichtet wurden, konnte sich fast keiner der sich damals für die deutsch-französische Arbeit interessierenden Partner auf eine schon bestehende Praxis des deutsch-französischen Austauschs stützen. Es gab vor 1963 zwar vereinzelte deutsch-französische Begegnungen von Seiten der Wegbereiter der Versöhnung und mit besonders ausgewählten und vorbereiteten Teilnehmergruppen. All dies war jedoch weit entfernt von dem durch die Gründung des DFJW einschließlich der in diesem Zusammenhang von den Regierungen bereitgestellten erheblichen Finanzmitteln intendierten Breitenaustausch.

So kann man sagen, daß der Beginn des vom DFJW geförderten deutsch-französischen Austausches für die meisten Organisationen ein Sprung ins "kalte Wasser" war. Folgerichtig wurde deshalb in der Anfangsphase besonders sorgfältig durch das Kuratorium und durch das DFJW darauf geachtet, daß sich der Austausch in Richtung der von den Gründervätern des DFJW gesetzten Ziele entwickelte.

Eine erste Bilanz wurde im Rahmen eines großen Kolloquiums 1968 gezogen. Eine der drei Kommissionen dieses Kolloquiums behandelte das Thema: "Wie wirkt sich die Arbeit des DFJW auf die Pädagogik der internationalen Beziehungen aus?" Im Abschlußbericht dieser Kommission ist u. a. zu lesen:

"Man sollte sich vor allem die Fragen nach den Ursachen des Erfolgs oder des Scheiterns von Begegnungen vorlegen, denn tatsächlich ist eine Begegnung an sich noch kein Allheilmittel. Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, daß gewisse Vorurteile nach Abschluß einer Begegnung stärker waren als zu Beginn. Man sollte eine für wissenschaftliche Untersuchungen zuständige Kommission schaffen, die sich aus Soziologen, Psychologen und Pädagogen zusammensetzt und sich mit konkreten Arbeiten zu befassen hätte."

sowie:

"Die Ausbildung der Führungskräfte muß im Rahmen des Jugendwerks mit besonderer Sorgfalt erfolgen. Die Ausbilder selbst müssen ausgebildet werden. Größerer Wert ist auf die Kontaktfähigkeit und auf die pädagogische Ausbildung zu legen als auf die besonderen technischen Kenntnisse."

Und in einer Zusammenfassung der Ergebnisse des Kolloquiums drückte Alfred Grosser sich in der Richtung aus, daß die von den Initiatoren des DFJW intendierte politische Orientierung der Arbeit von den Jugendlichen nicht angenommen worden sei, und sagte:

"Wenn wir uns nicht ... den gemeinsamen Problemen und gesellschaftlichen Phänomenen öffnen, dann müßten unsere deutsch-französischen Begegnungen einen rein formalen Charakter annehmen, sie wären dann tatsächlich nur noch Touristen-Reisen."

Eine zweite Bilanz im Jahre 1972 anläßlich eines Kolloquiums in Straßburg zeigte kein wesentlich verändertes Bild. So brachte die Arbeitsgruppe IV dieses Kolloquiums u. a. zum Ausdruck:

"Das DFJW sollte intensiver als bisher unter Heranziehung geeigneter Mitarbeiter psychologische und soziale Bedingungen problemorientierten Lernens wissenschaftlich untersuchen. Therapeutische, ideologiekritische und gruppendynamische Gesichtspunkte sollten bei der Reflexion pädagogischer Abläufe in stärkerem Maße berücksichtigt werden. Bei der Leiterausbildung sollten die modernen pädagogischen Erkenntnisse vollständig berücksichtigt werden."

Im Rahmen der von den Regierungen 1973 beschlossenen und ab 1974 umgesetzten Reform der Struktur des DFJW wurde ein Referat geschaffen mit der besonderen Aufgabe, die Einrichtung von Ausbildungsprogrammen für Gruppenleiter bei den Trägern des Austausches voranzutreiben und dazu forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme zu initiieren, die zu einer Qualifizierung der deutsch-französischen Begegnungen führen sollten.

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