Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW
VI. Warum überhaupt "forschungsorientierte Ausbildung" und nicht lediglich ganz "normale" Ausbildung?
So banal es klingen mag - Ausbildung setzt auf Seiten der Ausbilder die Kenntnis dessen voraus, was sie vermitteln sollen.
Die nationalen Bildungseinrichtungen, die die Aufgabe haben, die in den Gesellschaften im Laufe ihrer Entwicklung angesammelten Normen, Verhaltensweisen, Informationen an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben, haben es dabei relativ leicht - obwohl auch hier sich zunehmend die Frage stellt, wie mit den rapiden Veränderungen auf den Gebieten des Wissens Schritt gehalten werden kann.
Ausbildung in Richtung darauf, "gegenseitiges Kennenlernen, Verständigung, Solidarität und Zusammenarbeit", wie es die Richtlinien des DFJW ausführen, in den Begegnungen zu verwirklichen bzw. einzuüben, ist etwas völlig Neues, vor allem, wenn auch noch dazu die deutsch-französische Gruppe als typischer Lernort kommt, über deren Gruppendynamik zu Beginn der Arbeit des DFJW und auch noch lange danach keine systematischen Arbeiten vorlagen. Wann hat es in der Geschichte jemals sowohl qualitativ als auch quantitativ einen solchen Versuch gegeben, die Zusammenarbeit und nicht die Gegnerschaft einzuüben?
Im deutsch-französischen Feld und ganz allgemein im internationalen Austausch (u. a. in Europa) mußte und muß also das, was in der Ausbildung vermittelt wird, erst entwickelt werden, und dies dazu noch in einem sich ständig verändernden Rahmen.
Es hat sich gezeigt, daß der im Jugendwerk gewählte Ansatz der Verbindung von Forschung und Ausbildung die Rückkopplung von Wissenschaft und Praxis in besonders intensiver Weise gewährleistet und darüber hinaus der zeitliche Abstand, der zwischen der Herausbildung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Umsetzung in die Praxis liegt, besonders gering ist.