Arbeitstexte de travail

Das DFJW und interkulturelle Suchprozesse:
Forschung, die neue Perspektiven in Europa eröffnet

 

Inhaltsverzeichnis

Forschungsorientierte Aus- und Fortbildungsprogramme im DFJW

X. Schlußbemerkungen

Als das DFJW, aufbauend auf den schon vorliegenden Erfahrungen derjenigen öffentlichen und privaten Einrichtungen, die auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen tätig waren, gegründet wurde, wurde mit ihm eine einmalige und die zukünftige Entwicklung vorwegnehmende Institution geschaffen, die, wenn sie ihre Aufgaben wirklich erfüllen will, in beiden Ländern mit einem ausdrücklichen Bemühen um binationale Loyalität ihren Einfluß geltend machen muß. Diese beidseitige Loyalität schließt ausdrücklich die Unterschiede in beiden Gesellschaften ein. Wegen ihrer Spannweite wird sie nicht immer in zufriedenstellender Weise oder zumindest nicht sofort in den beiden Ländern als etwas angesehen, mit dem man wie selbstverständlich umgeht - begegnet man doch dabei Bekanntem und Fremdem zugleich.

Die mit der Gründung dieser institutionell und politisch völlig neuen Einrichtung DFJW verbundenen Absichten werden nach wie vor von vielen Veranstaltern von Austauschprogrammen nur unzureichend aufgegriffen.

Indessen ist seit der Gründung des DFJW eine nicht zu übersehende Veränderung eingetreten:

Die deutsch-französische Versöhnung war eine Voraussetzung für die Entwicklung einer Politik der Zusammenarbeit und der Solidarität zwischen Deutschland und Frankreich.

Die historische Rolle "der Jugend" in beiden Ländern als symbolische Kraft zur Erleichterung und Umsetzung der Versöhnungspolitik geht ihrem Ende zu.

Statt dessen erhöht sich in dem Maße, wie die symbolische Bedeutung "der Jugend" in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern abnimmt, die Wichtigkeit der "Jugendlichen" mit ihrer nicht reduzierbaren Unterschiedlichkeit, die sich anschicken, Erwachsene und Bürger zu werden.

Um an dem Werk der Versöhnung als "Jugend" teilzunehmen, waren keine besonderen Fähigkeiten Voraussetzung: Dazu reichte es, jung zu sein.

Als Bürger interdependenter europäischer Nationen, die zusammenarbeiten und miteinander solidarisch sind, bedarf es einer internationalen und interkulturellen Kompetenz, die zu erwerben nur wenigen Erwachsenen die Gelegenheit geboten wurde. In einem Europa, das auf der Bewegungsfreiheit der Menschen, auf dem freien Austausch von Bildern, Schriften, Ideen, Produkten und Waren aufbaut, reicht es in der Tat nicht mehr aus, der nationalen Ausbildung von Individuen eine Stück weit "Internationales" hinzuzufügen. Es bedarf vielmehr zusätzlich neuerer Erkenntnisse und neuer Lernprozesse, die dazu befähigen, psychologische, geistige, intellektuelle "Grenzen" zu versetzen und gesellschaftliche, kulturelle sowie politische "Territorien" neu zu gestalten.

Es ist zu fragen, wie Jugendliche diese neuen internationalen und interkulturellen Fähigkeiten ohne Hilfe jener Erwachsenen erwerben können, die die nationalen Erziehungs-, Bildungs- und Informationssysteme gestalten, verwalten und leiten und deren Aufgabe es auch ist, einen Beitrag zur Heranbildung der künftigen Bürger zu leisten?

Das Jugendwerk und seine Partner sehen sich mit einer der neuen Phasen ihrer deutsch-französischen Arbeit konfrontiert:

Sie sollten einen Beitrag leisten zur Heranbildung künftiger Bürger durch die Schaffung

  • - nationaler, bi- und multinationaler Orte der Reflexion und der praktischen sowie theoretischen Forschung hinsichtlich der neuen Erkenntnisse und Lernprozesse, die es im Bereich der Bildung der Bürger zu fördern gilt

  • - von Angeboten, die sich unter anderem an Verantwortliche und Führungskräfte richten, die nicht unmittelbar am deutsch-französischen Jugendaustausch beteiligt sind, die aber in allen Bereichen des nationalen Lebens Verantwortung tragen für die Politik bezüglich Bildung, Aus- und Fortbildung und Information von Jugendlichen.

Die forschungsorientierten Programme sind im Rahmen der Mittel, über die das Jugendwerk und seine Partner verfügen, um möglichst nahe an den Realitäten des Lebens der Jugendlichen und der Erwachsenen in unseren beiden Ländern zu bleiben, ein wichtiges Instrument und bieten darüber hinaus der Institution Jugendwerk selbst bedeutsame Handlungsmöglichkeiten.

Die forschungorientierten Programme sollten fortgeführt und weiterentwickelt werden, und dies zumindest aufgrund der folgenden fünf Argumente:

  • - Diese Programme sind ein ganz wesentlicher Faktor auch in der Fortbildung von Wissenschaftlern und von Ausbildern, die im deutsch-französischen Austausch tätig sind. Ohne qualifizierte Ausbilder ist aber keine Politik der Ausbildung für deutsch-französische Begegnungen möglich.

  • - Sie tragen dazu bei, jenes neue Wissen zu entwickeln, das in die Lage versetzt, Schwierigkeiten, Herausforderungen, Auswirkungen, kurzum all das, worum es beim Jugendaustausch geht, besser zu verstehen vor dem Hintergrund, daß Jugendaustausch ein Bestandteil einer Politik der auswärtigen Beziehungen der Nationen darstellt (z. B. angesichts des Vorhabens der Heranbildung einer Europäischen Gemeinschaft).

  • - Die forschungsorientierten Programme erlauben, auf dem besonderen Gebiet der Pädagogik des internationalen Jugendaustauschs zu Veröffentlichungen in Form von Arbeitsmaterialien, Broschüren usw. zu gelangen, die auf allen Ebenen (allerdings aus Budgetgründen zahlenmäßig begrenzt) wichtige Auswirkungen auf den Gebieten der Aus und Fortbildung haben. Es muß in diesem Zusammenhang unterstrichen werden, daß das DFJW unter anderem dank der Arbeiten im Rahmen der forschungsorientierten Fortbildung eine der wenigen Einrichtungen in Europa (und in der Welt) ist, die gegenwärtig in der Lage sind, eine exemplarische Rolle dabei zu spielen, mittels Prospektion und Antizipation jene Praktiken und jenes Wissen zu entwickeln, das erforderlich ist, um die Begegnungsprogramme ertragreich zu gestalten. Auf diese Weise erfüllt das DFJW auch seine Rolle, "ein Erprobungsfeld für europäische Jugendarbeit" zu bieten, von dem in den Richtlinien seines Kuratoriums die Rede ist (1.3.).

  • - Die forschungsorientierten Programme haben schon jetzt positive Auswirkungen auf die Praxis und die konzeptionelle Entwicklung der Programme.

  • - Zahlreiche Veranstalter von Begegnungsprogrammen ebenso wie viele Gruppenleiter, aber auch andere internationale Institutionen betonen die Wichtigkeit der forschungsorientierten Programme.

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