Unternehmenskulturen und interkulturelles Management |
Jetzt, im zweiten Teil, werden wir interkulturellen Problematiken einer anderen Größenordnung begegnen. Sie betreffen die Gesamtheit aller Unternehmen und die Gesamtheit aller Länder. Solche Problemstellungen als interkulturelle zu bezeichnen, hat sich noch lange nicht durchgesetzt. Hier geht es darum, die Globalisierung in ihrer tatsächlichen Tiefe zu begreifen. Um dorthin zu gelangen, müssen wir die Kulturen und das Interkulturelle durch neue Ansätze erschließen, die zum Teil bereits angedeutet wurden. Wir wollen uns hier an ein Beispiel aus einem klar umgrenzten Bereich halten, nämlich die international operierenden Unternehmen in Deutschland und Frankreich. In der unter Leitung von J. Pateau (1994) durchgeführten, umfassenden und genauen Untersuchung sieht man sehr deutlich, wie Vereinfachungen, Stereotype und Vorurteile aus genau solchen allgemeinen Problemstellungen hervorgehen, wie sie schon von Hall vorgestellt worden waren. Der deutsche Manager, charakterisiert durch "Monochronie" und "engen Kontext", erscheint wesentlich ernsthafter bei seiner Arbeit und kommuniziert besser mit anderen als der Franzose, doch zugleich wirkt sein Benehmen auch "methodischer", "strenger", stärker "regelgeleitet" und alles in allem "verschlossener". Er ist stärker um Grenzen, ja "Mauern" zwischen den einzelnen Tätigkeiten bemüht, um Aufgabenverteilung und Organisation. Der - durch "Polychronie" gekennzeichnete - französische Manager kann dagegen gerade für viele Deutsche als "ungeordnet", "oberflächlich" und "eingebildet" erscheinen. Seine im "weiten Kontext" verortete Kommunikation ist vielfach von Anspielungen gekennzeichnet. Durch sie gewinnt er in den Augen anderer jene Selbstsicherheit und -zufriedenheit, die übertrieben wirken können. Während er ganz selbstverständlich von geteilter Gemeinsamkeit und Übereinstimmung ausgeht, wirkt er für die anderen egozentrisch, snobistisch, auch arrogant. Hiermit vollzieht sich eine große geistige Errungenschaft. Anstatt einen immerwährenden, erfolglosen Kampf gegen Vorurteile zu führen, eröffnen sich nun Möglichkeiten für das Begreifen komplexer Fakten sowie eine Vorahnung oder intuitive Erkenntnis dessen, was ein ganzes Spektrum von verschiedenartigen Vorurteilen, negativen wie positiven, nähren kann. Jegliches kulturspezifisches Verhalten, deutsch oder französisch, beinhaltet Vorzüge und Nachteile. Es geht hier nicht im mindesten darum, sich einer trügerischen Symmetrie hinzugeben, um die Kulturen bloß Rücken an Rücken nebeneinander zu stellen. Ganz im Gegenteil! Denn schließlich müssen ja die jeweiligen Vor- und Nachteile auf jeweils ganz reale Situationen bezogen werden, auf Problemstellungen und Anpassungsleistungen, die von unterschiedlichen Bedingungen und Handlungsfeldern abhängig sind. Unter diesen Bedingungen offener Komplexität gewinnen zahlreiche kulturelle Verhaltensweisen - unsere eigenen wie auch die der anderen - eine menschliche und, wenn man wenigstens vorläufig und im besten Sinne so sagen darf, neutrale Bedeutung. Mit dieser Formulierung wollen wir unterstreichen, daß diese Verhaltensweisen für diejenigen, die dies wollen, offene Erfahrungen sind, bei denen das Urteil zunächst in der Schwebe bleibt. Die Handelnden selbst, die sicherlich immer beteiligt, voreingenommen und einseitig, aber auch auf der Suche nach Irrtum und Wahrheit sind, gelangen zu ihren eigenen Auswertungen: positiv in dieser, negativ in jener Hinsicht. So mündet also eine interkulturelle Haltung in die ganze Vielfältigkeit menschlicher Erfahrungen mit all ihren Unsicherheiten, Wagnissen und Hoffnungen. Hall zeigt uns die Grundlage, auf der wir die Möglichkeit haben, je nach den Umständen drei Wahrnehmungen - die positive, die negative, die neutrale - eines gleich gelagerten kulturspezifischen Verhaltens miteinander zu verknüpfen. Diese Grundlage liegt in der komplementär strukturierten Regulierung, die wir im folgenden näher bestimmen wollen. Zuvor aber wollen wir noch betonen, daß Kulturen, wenn sie auf vielfältigste Weisen orientierte Auswahlen treffen, dies stets im Hinblick auf grundlegende, oftmals widersprüchliche Problemstellungen tun, denen sie alle sich anpassen müssen, jedoch jede einzelne in ihrem jeweils eigenen, geohistorischen Kontext. Dies zeigt er sehr deutlich im Bereich der komplementären Regulierung in der Kommunikation. Eine Kommunikation innerhalb eines "engen Kontextbezuges" ist dann klug, wenn unser Gesprächspartner nicht über die gleichen Kontextbezüge und -verweise verfügt wie wir. Wenn er in unserer - ihm fremden - Heimatstadt ankommt, dann müssen wir sehr explizite Erklärungen geben, damit er sich im Innenstadtverkehr zurechtfinden kann! Wenn wir jedoch mit einem Freund reden, den wir von Kindheit an kennen und der wie wir seit seiner Geburt im selben Stadtviertel lebt, dann wird die angemessene Kommunikationsform die Kommunikation mit "weitem Kontext" sein, also voller impliziter Anspielungen, denn unser Freund kennt ja das Viertel ebenso genau wie wir. Kommunikation - ob mit engem oder weitem Kontextbezug - ist also nicht zuerst eine Frage von deutscher oder französischer Kultur, sondern einfach eine ganz allgemeingültige menschliche Problemstellung der Kommunikation zwischen Gesprächspartnern, die einander mehr oder weniger ähnlich oder voneinander mehr oder weniger unterschiedlich sind. Hall zeigt im menschlichen Verhalten also das auf, was wir heute als komplementär strukturierte Regulierung bezeichnen. Diese gestaltet diskontinuierlich (jedes Mal aufs Neue) und kontinuierlich (hinsichtlich einer Gesamtheit von Erfahrungen) die widersprüchliche Komplexität dieser oder jener Situationen und die daraus folgende Komplexität dieser oder jener Antworten und Reaktionen. Das heißt also: Sich auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren oder aber sich mehreren Aufgaben zugleich zu widmen, ist noch nichts spezifisches für den "monochronen" Deutschen oder den "polychronen" Franzosen. Es geht vielmehr, etwa in einer Situation der Unsicherheit, zunächst um ihre Einschätzung: Erlauben es mir die Bedingungen, mich ganz auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren, oder bin ich in einer Situation, die von mir umfassende Übersicht und Wachsamkeit gegenüber meiner Umwelt erfordert? Durch die Situation als solche kann ich dazu gezwungen werden, zwischen monochroner und polychroner Haltung hin- und herzuschwingen. Dies ist wiederum eine ganz allgemein gültige Problematik der menschlichen Anpassungsleistungen. In jeder einzelnen Situation, unter jedem besonderen Umstand muß ich ein neues - und zwar das bestmögliche - Gleichgewicht finden zwischen Bündelung (Konzentrierung) und Auffächerung ("Dezentrierung") meiner Aufmerksamkeit. Der Mensch ist nicht in seiner Kultur eingesperrt. Er bewahrt sich immer die Wesensmerkmale einer menschlichen Seinsweise, die es ihm eben erlauben können, in Übereinstimmung oder, wenn es nötig ist, in Konflikt mit seiner eigenen Kultur zu stehen und diese dadurch zu erhalten, zu verändern oder ihr zu weitreichender Entwicklung ("Evolution") zu verhelfen. Hall eröffnet somit eine Weltsicht der Kulturen. Die eher "monochronen" und an einem engen Kontext orientierten Menschen finden sich mehr im Norden Europas und in Nordamerika. Die eher "polychronen" und auf einen weiten Kontext ausgerichteten Menschen finden sich mehr im Süden von Europa und Amerika. Dies läßt die Frage nach dem Warum offen. Die Antwort wird sich sicherlich nicht in der Geographie, sondern eher in der Geschichte finden lassen. Zumal die Japaner, im Norden Asiens, eher am "weiten Kontext" ausgerichtet sind. Diese Überlegung sollten wir im Gedächtnis behalten; sie wird uns dazu führen, uns für ein echtes Verständnis von Kulturen auf die Geschichte zu besinnen. Die Franzosen sind zwischen beiden Typen von Ausbildungen besonders hin- und hergerissen. Sie finden im allgemeinen, die Amerikaner seien allzu spezialisiert. Ein zweiter, mit dem vorausgegangenen eng verbundener Gegensatz bezieht sich auf das Verhältnis von vorausgegangener Ausbildung und praktischer Erfahrung. Hier findet man einen radikalen Unterschied zwischen Japanern und Amerikanern. Die ersteren ziehen die anfängliche Ausbildung vor, präzisieren sie in ihren Lebensläufen gleich von Anfang an und entfalten sie sehr detailliert, während sie ihre praktischen Erfahrungen nur in sehr begrenzter Weise darstellen. Die Amerikaner erwähnen ihre Ausbildung überhaupt erst von der Ebene der höheren Bildung an, stellen dafür aber ihre praktischen beruflichen Erfahrungen sehr präzise und detailliert dar. "Sie führen konkrete, insbesondere ökonomische Ergebnisse an: Bilanzzahlen, Gewinne, gewonnene Marktanteile, diverse durch sie erreichte Kostensenkungen." Menschliche Wesen trachten mehr oder weniger danach, sich ihren äußeren und inneren Umwelten anzupassen. Wenn sie das Gefühl haben, daß ihnen dies durch bestimmte Verfahrensweisen gelingt, dann entscheiden sie sich für diese Verfahrensweisen, sie bewahren sie, benutzen sie immer wieder und vermitteln sie weiter. Sie werden ihnen zu kulturellen Strategien, die ihnen die Suche nach adaptiven Strategien erleichtern. Und dennoch gerät die Richtung aller Problematisierung, die schon am Beginn jeglicher Strategie wirksam ist, nicht in Vergessenheit. Daraus ergibt sich eine grundlegende Schlußfolgerung. Sämtliche menschlichen Kulturen sind mithin notwendigerweise und gleichzeitig unterschiedlich und ähnlich. Sie sind unterschiedlich durch all die unterschiedlichen, je spezifischen Antworten, die sie entdeckt oder erfunden haben. Die Erfindungen und Schöpfungen der diversen Kulturen konstituieren somit einen Schatz von Möglichkeiten und tatsächlich erprobten Umsetzungen, die als solche immer auch für unser eigenes Suchen nach aktuellen Anpassungen von Interesse sind. Allerdings weisen die Arbeiten von Hall auch deutliche Mängel auf, da ihnen fast völlig der Bezug auf eine Rückbesinnung auf die historischen Quellen fehlt, in denen kulturelle Verhaltensweisen verwurzeln. Diese Wurzeln kultureller Antworten und Reaktionen in der Abfolge historischer Strategien zu erforschen - mit ihren Freiheiten und Zwängen -, ist zu einer Notwendigkeit geworden. Sie haben sich im Verlaufe der Jahrhunderte entwickelt bzw. erfunden, haben sich abgeschwächt bzw. verstärkt oder verändert. In den allgemeinen menschlichen Problemstellungen und den je spezifischen kulturen Antworten darauf stößt man auf die in ihrer eigenen Geschichte handelnden Menschen. Das Wissen um die Entwicklung ihrer Strategien kann uns zu einem besseren Verständnis der Bedingungen ihrer Entstehung führen und uns in die Lage versetzen, die Entscheidungen näher zu erklären, die sie zwischen diesen und jenen Antwortmöglichkeiten getroffen haben: Entscheidungen, die aufrechterhalten oder verändert wurden. Interkulturelle Untersuchungen sollten sich auf folgende Beiträge historisch-angelegter Forschungen stürzen. Hierbei empfiehlt es sich, die handelnden Menschen in ihren vier großen Handlungsbereichen zu betrachten. Als kennzeichnend für indo-europäische Gesellschaften hat Dumezil zunächst folgende drei Bereiche in einer absteigenden Hierarchie aufgezeigt mit der Reihenfolge: Religion, Politik, Wirtschaft. Hinzu kommt ein vierter Bereich, derjenige der Information, im allgemeinsten Sinne verstanden. Dieser Bereich war ursprünglich mit den drei übrigen auf besondere Weise vermengt, kam aber doch schon in Technik und Kunst zu größerer Selbständigkeit und Autonomie. Innerhalb dieser vier Bereiche sind die gesellschaftlichen Akteure aufgrund der kulturellen Bezüge und Abhängigkeiten, die angesichts bestimmter Zwänge zur Aktivierung schon vorhandener oder zur Erfindung neuer Strategien führen, ebenso Schöpfer wie Geschöpfe. Konflikte und Allianzen, Kämpfe und Kooperationen ziehen Veränderungen von Stellenwert und Organisation der vier großen Handlungsbereiche nach sich. Diese erste große Dynamik ist grundsätzlich offen, doch zuweilen kann sie sich auch teilweise verengen und verschließen, woraus sich große, gesellschaftliche und kulturelle Formationen ergeben, die sich mehr oder weniger etablieren. Drei solche Formationen sind im Lauf der Geschichte aufgetreten: Die "gemeinschaftszentriert-stammesgesellschaftliche", die "königlich/kaiserlich-höfische" und die "nationalstaatlich-marktzentrierte". Eine vierte, "weltumspannend-informationelle", entsteht derzeit. Nach der Epoche ihrer jeweiligen Vorherrschaft werden diese gesellschaftlichen Formationen zu kultur-historischen Strömungen. Die Akteure, die sich auf vielfältige Weise darauf beziehen, treten während der Übergangsphasen und darüber hinaus in oftmals heftig ausgetragene Interaktionen ein. Diese Interaktion zwischen den - ihrerseits auch in Konkurrenz stehenden - kulturhistorischen Strömungen begründet die zweite große Dynamik, die es bei der Untersuchung der Entstehungsgeschichten von Gesellschaften und Kulturen zu berücksichtigen gilt. Dies ist mitnichten eine Sichtweise, in der kulturelle Phasen sukzessiv aufeinander folgen! Die Wirklichkeit gleicht eher einer Reihe von Verwicklungen. Die kultur-historischen Strömungen werden geschaffen und dann verändert durch die immer neuen, von Konflikten oder Zusammenarbeit bestimmten Wechselspiele der Handelnden innerhalb der großen menschlichen Handlungsbereiche untereinander. Hier wird somit eine doppelte Dynamik wirksam. Im Werden der Kulturen gibt es also nicht einerseits das Politische oder das Ökonomische und andererseits das Kulturelle. Jegliche politische oder ökonomische Strategie trägt zugleich und notwendigerweise eine kulturelle Dimension in sich und trägt zugleich und darüber hinaus auch wiederum zu deren Veränderung und Bereicherung bei. Sie ist zu einem Teil durch die Kultur hervorgebracht, und zu einem anderen Teil schafft sie Kultur. Die Kulturen sind lebendig, weil sie von den Lebenden geschaffen werden. Daraus ergibt sich ihre Vielfalt, die wir besser verstehen können, wenn wir die gesamte bisher dargestellte Dynamik berücksichtigen. Im Verlauf des zweiten europäischen Jahrtausends verändert sich das Wechselspiel der Akteure in den maßgebenden Handlungsbereichen untereinander. Oftmals geraten die Könige und die einzelnen Gruppierungen in ihrer unmittelbaren Umgebung in den Zwang, ein hochkomplexes Spiel zwischen den vorherrschenden sozialen Klassen oder Schichten zu spielen und zu beherrschen. Sie müssen einmal der Aristokratie, ein anderes Mal dem Bürgertum der freien Städte, wieder ein anderes Mal dem Volk den Vorzug geben. Die Handelnden im wirtschaftlichen Bereich bemühen sich, von diesen politischen Schwankungen und Fluktuationen zu profitieren. Es gelingt ihnen, ihre ökonomischen Strategien mit politischen und teilweise sogar religiösen Strategien zu verbinden. Solche Interaktionen und Verknüpfungen entwickeln sich in jedem Land anders. Die nicht zu unterschätzende, überaus wichtige Bedeutung der Reformation muß man in diesem Zusammenhang sehen. Sie bestärkt die politische Vielfalt in Deutschland und fügt ihr eine religiöse Vielfalt hinzu. Sie erhält die dezentralisierten politischen Perspektiven aufrecht und verstärkt die verinnerlichte Autorität, die das Leben in überschaubaren, durch Nähe gekennzeichneten Gemeinschaften bestimmt. Im Zusammenhang mit den bekannten Auseinandersetzungen um die Bedeutung und Reichweite der Arbeiten Webers erlaubt es die von uns dargestellte Methode, die Verstärkungsmechanismen zwischen den Orientierungen der kultur-historischen Strömungen und den Orientierungen der Handlungsbereiche sehr deutlich aufzuzeigen. So sind beispielsweise die Stammeskulturen dem ökonomischen Sektor nicht so schädlich wie es die königlich-/kaiserlich-höfischen Kulturen sind, die diesen stets zu kontrollieren trachten. Sicher ist dies eine Grundlage dafür, daß wirtschaftliches Handeln in Deutschland immer in höherem Ansehen stand. Von daher hat Weber gewiß nicht Unrecht, wenn er darauf hinweist, daß bestimmte Ausformungen des Protestantismus auf der Grundlage einer Angst, die aus dem Glauben an die Prädestination entspringt, dazu führen, das "tugendhafte" Investieren und Sich-Einbringen in allen Handlungsbereichen, insbesondere aber im Bereich der sich eben erst zu voller Blüte entwickelnden Ökonomie, auf sehr hohem Niveau zu etablieren. Von nun an sieht sich der Bereich des wirtschaftlichen Handelns auf eine Stufe gestellt mit Politik und Religion. Einzig Gott steht über allem. In Frankreich hingegen verstehen es die stärker verbündeten Akteure in den Bereichen der Religion und der Politik, sich eine ausgeprägte Kontrolle über die Handelnden des wirtschaftlichen Sektors zu erhalten. All dies haben wir bereits in früheren Arbeiten (Demorgon 1996 und 1997) ausführlich dargelegt. Wir müssen uns also bemühen, hier nicht durch allzu kursorische Zusammenfassung den Eindruck eines linearen Erklärungsmodells zu erwecken, obwohl es doch gerade das Ziel unserer Methode zur Untersuchung der Entwicklungsgeschichte des Kulturellen ist, die Komplexität der Kulturen zu Bewußtsein zu bringen. Die Reformation beispielsweise fördert die Vielfalt in Deutschland, indem sie ihr auch den religiösen Sektor einfügt (Katholizismus und Protestantismus), zugleich bewirkt sie aber durch die Übersetzung der Bibel in einen bestimmten Hauptdialekt auch einen gewissen Kompensationseffekt in Richtung Einheit. Die Kulturen werden also im Verlaufe einer komplexen Entwicklungsgeschichte geschaffen, die sich ebenso aus Verstärkungen wie aus Kompensationen ergibt (vgl. Demorgon und Lipiansky, vorgesehene Veröffentlichung im Jahre 1998). |