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Begegnungen zwischen 9- bis 11-jährigen deutschen und französischen Schülern |
Lucette Colin
(Übersetzung aus dem Französischen von Gerald Prein)
Deutsch-französische Landschulheimaufenthalte oder
«Interkulturelles Lernen zwischen Grundschulklassen ohne Fremdsprachenkenntnisse»
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B. SPRACHE UND FREMDSPRACHE IN DER SCHULE In jeder Klasse existiert gewöhnlich ein ganz bestimmtes, besonderes Verhältnis zu einer anderen Sprache. Es ist bekannt, daß die Schule im nationalen Rahmen und ausgehend vom Konzept einer einheitlichen Gesellschaft entstanden ist, deren Garanten eine Kultur und eine allen gemeinsame Sprache waren - wo die Ursprünge des einzelnen auch liegen mochten. Im Rahmen dieses Projektes gab es keine Sprache in der Minderheit, jede Sprache hatte hier ihre Berechtigung. (Hier finden wir die Besonderheit des interkulturellen Feldes dieses Programms wieder.) Dies wird allerdings dadurch verschoben, daß der "dritte Ort" entweder in Deutschland oder in Frankreich gelegen ist und nicht in einem Drittland. Es erschiene auf dieser Ebene interessant, wenn die Schüler - genau wie die Lehrer - jeweils eine Begegnung in dem anderen Land hätten erleben können. Dieses Programm war kein Sprachprogramm im klassischen Sinne. Die Schüler nehmen weder an dieser Begegnung teil, weil sie den Wunsch haben, eine Fremdsprache zu erlernen, noch weil sie von der Schule dorthin geschickt worden sind, um ein Fach aus dem Lehrplan abzudecken ; es gab hier auch keinen besonderen Platz, der für Zweisprachige reserviert wäre. Die interkulturelle Begegnung kann sich daher nicht hinter den üblichen Sprachferien verstecken. In dem hier angesprochenen Programm eröffnet sich die Fremdsprache dem Kind je nach seinen eigenen Wünschen (und das läuft nicht nur auf der Ebene der Schüler ab). Hier siedele ich auch die Spiele mit Fremd- und Muttersprache an, die ich beschrieben habe. Wir haben festgestellt, daß die Begegnung mit einer Fremdsprache in einem solchen Rahmen viel stärker die « schlechten Schüler » sich einbringen ließ, mit denen wir als Forscher oft gearbeitet haben, weil sie dort ja die "guten Schüler" waren. Ich weise hier nur auf die Situation 3 unseres letzten Teils hin, in der die Schülerin 2, die sonst tagtäglich Schwierigkeiten mit einer anderen Fremdsprache hat (die nichts anderes ist als die Sprache der Schule), einer guten Schülerin erklärt, was Fremdsprache ist, was Muttersprache, etc. Wenn übrigens die kulturellen Minderheiten in Frankreich die Schule infrage stellen, dann tun sie dies durch ihr teilweises Schulversagen, was gleichzeitig auf das Schulversagen der Kinder aus benachteiligten französischen Milieus aufmerksam machen läßt. Die Immigration hat hier eine Spiegelfunktion, um die Formel von Claude Lasnel aufzunehmen (In : Pratiques de formation), was uns zurückwirft auf die Schulgemeinschaft als Ganzes sowie auf die Unangepaßtheit der Schule als solche bzw. vielmehr auf ihre perfekte Anpassung an die soziale Funktion, die ihr vor mehr als hundert Jahren übertragen worden ist. Wurde der Rahmen dieses Programms nicht gerade deshalb von den "schlechten Schülern" benutzt, weil sie dort sprechen konnten? Wenn dies zutrifft, dann wäre darin so etwas wie ein sozialtherapeutisches Setting zu sehen, das es ihnen möglich machte, sich in das Erlernen von Zeichen einzubeziehen; ein Auftrag, der als eigentliche Aufgabe der Schule angesehen wird. Dies gilt auch dann, wenn der Schüler Pascal mit der Prophezeiung abschließt, daß er sowieso nicht auf das Gymnasium gehen würde. Als Abschluß wollen wir schließlich darauf hinweisen, daß die Entdeckung der Relativität eines Gesetzes (der pädagogischen Norm einer Klasse, einer Nation, was ein guter Schüler ist - ich denke hierbei besonders an Pascal und Barnabé -, der Überlegenheit einer Sprache, der Kontrolle des Territoriums einer Klasse durch ihren Lehrer, der Erziehungskonzeptionen der Familie - ob man den Kindern die Erlaubnis zum Ausgehen gibt oder nicht, je nachdem ob man deutsches oder französisches Elternpaar ist -..., den daran Beteiligten erste Mittel in die Hand gibt, um der stereotypen Wiederholung, der scheinbar unabwendbaren Reproduktion zu entkommen. Insbesondere in diesem Sinne hat dieses Programm seine Aufgabe als forschungsorientierte Fortbildung erfüllt. |