Da ich das Praktikum zusammen mit zwei weiteren
Studentinnen absolvieren wollte, hatte der Praktikumsbetreuer vor Ort, Monsieur Brisson,
ein Hotel gefunden, in dem wir alle drei untergebracht werden konnten. Da der Hotelchef
Monsieur Tessier zur Hälfte an der Betreibung eines Restaurants beteiligt war; konnte er
uns auch dort einen Arbeitsplatz besorgen, so daß die Möglichkeit für drei
Praktikantinnen gleichzeitig ein Praktikum zu absolvieren, gegeben war.
Eine Betreuung durch die universitäre Seite in Pau,
personal durch Monsieur Brisson, hat nicht stattgefunden, entgegen seinen schriftlichen
Mitteilungen, in denen er einen persönlichen Besuch im Praktikumsbetrieb kurz nach
Praktikumsbeginn angekündigt hatte.
Arbeitszeiten
Der Hotelchef Monsieur Tessier hatte einen rotierenden Arbeitsplan entwickelt, nach dem
jeweils eine Person am Vormittag von 7.30h bis 13.00 im Hotel arbeiten sollte, eine
weitere von 10.00 bis 18.00 im Restaurant, und schließlich die dritte Person von 18.00
bis Schließung (in der Regel zwischen 24.30 und 1.30 Uhr) ebenfalls im Restaurant
arbeiten sollte. Einen geregelten freien Tag sollte es nicht geben, der Hotelchef räumte
jedoch ein, daß, wenn wir einmal einen Ausflug machen wollten, er uns einen Tag frei
geben würde. Im Schnitt entsprach dieser Plan einer 47-Stundenwoche ohne freien Tag, was
zu unserem Entsetzen absolut nicht dem entsprach, was uns vorher von Herrn Schrammen
mitgeteilt worden war, und dementsprechend auch nicht in unseren Erwartungen lag. Dieser
Arbeitsplan ließ sich nach unserer Meinung auch nicht mit dem Argument rechtfertigen,
daß die Arbeitsbedingungen in Frankreich so wären. Also kontaktierten wir telefonisch
das DFJW, um zu fragen, ob es eine allgemeine Beschränkung der Arbeitsstunden gäbe, was
leider verneint wurde. Daher waren wir an unseren Praktikumsvertrag gebunden.
Um für zukünftige Praktikanten diesen Fall
ausschließen zu können, würde ich dem DFJW gern den Vorschlag machen, in jedem
Praktikumsvertrag eine wöchentliche Höchststundenzahl von maximal 40 Stunden und
normalerweise zwei, aber mindestens einem geregelten freien Tag festzusetzen.
Nach dem ersten Arbeitstag, bei dem ich die
Mittagsschicht im Restaurant übernommen hatte, hat der Hotelchef die Arbeitszeiten
reduziert, da die Arbeit uns sonst an den Rand unserer Kräfte getrieben hätte. Er
gewährte uns einen freien Tag pro Woche, was während des ganzen Praktikums drei freie
Tage bedeutete, und kürzte die Stunden im Restaurant auf 10.30 bis16.00 Uhr und 18.30 bis
23.00 Uhr.
Unterbringung
Die Unterbringung erfolgte im Hotel. Wir hatten das kleinste Zimmer des Hotels bekommen,
ein Zweibettzimmer, in das ein zusätzliches Klappbett hineingestellt war. Ein Vorteil der
Unterbringung war, daß wir direkt am bzw. in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnten. Da wir
uns schon vorher gut kannten, war es persönlich kein Problem, auf so engem Raum zusammen
zu leben. Jedoch war es praktisch manchmal etwas schwierig. Es gab nur einen kleinen
Schrank, d.h. wir lebten fast nur aus dem Koffer. Es gab kaum eine Möglichkeit,
Handtücher aufzuhängen und zu trocknen. Zudem ragte in den Raum eine Art Mauervorsprung,
an der sich eine Praktikantin eine Platzwunde am Kopf zuzog, als sie mit dem Kopf dagegen
schlug, was in einem etwas größeren Zimmer sicherlich nicht passiert wäre. Durch das
rotierende Arbeitssystem mußten wir uns natürlich daran gewöhnen, in einem Zimmer nach
unterschiedlichen Tagesabläufen zu leben, d.h. wir standen zu unterschiedlichen Zeiten
auf und gingen zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett. Persönlich haben wir auch dies nicht
als Störung empfunden, was aber wiederum daraus resultiert, daß wir uns vorher schon gut
kannten. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte es sicherlich einige Konflikte zwischen
den Praktikanten gegeben. Der Betrieb hat sich also objektiv gesehen nicht viel Mühe
gegeben, uns eine angemessene Unterbringung zu bieten, obwohl er die Möglichkeit gehabt
hätte, subjektiv gesehen hat uns die Unterbringung aber nicht gestört.
Die Arbeit im Hotel
Die Arbeit im Hotel setzte sich aus servieren des Frühstücks, putzen von Küche und
Toilette, bügeln, staubsaugen und-wischen zusammen. Das Servieren des Frühstücks war
die einzige Gelegenheit, mit Gästen in Kontakt zu treten und Französisch zu sprechen,
während wir bei den anderen Tätigkeiten keinen Kontakt zu Menschen hatten, da die
Räumlichkeiten den Gästen nicht zugänglich waren. Oftmals nahm uns Monsieur Tessier
jedoch das Servieren ab, damit wir schon einmal mit dem Bügeln beginnen konnten, was
manchmal bis zu drei Stunden dauerte. In die Hotelarbeit wurden wir von einer Angestellten
eingewiesen, die nach etwa drei Tagen in den Urlaub gefahren ist, so daß wir sie und ihre
Tätigkeit ersetzt haben. Dadurch waren wir während der Arbeit allein, hatten (außer
beim Frühstück) keinen Kontakt zu Angestellten oder Gästen. Wir fühlten uns nun nicht
mehr wie Praktikanten, die helfen, mitarbeiten, assistieren und so einen Betrieb
kennenlernen sollten, sondern wie billige Arbeitskräfte, die eine Angestellte während
ihrer Urlaubszeit ersetzen mußten. Meiner Meinung nach ist dies ein Bruch des Artikels 2
des Praktikumsvertrages, da der Betrieb durch die Besetzung einer festen Stelle durch
einen Praktikanten als Urlaubsvertretung finanziellen Gewinn aus dem Praktikanten schlagen
konnte. Das Gefühl, ausgenutzt zu werden, steigerte sich im Laufe der Zeit, da ein
möglicher Lerneffekt nach zweimaligem Verrichten der Arbeit vorüber war. Die Arbeit trug
nicht zur Lösung konkreter Probleme bei, wie es im Praktikumsvertrag stand, sondern
diente lediglich dem Betrieb, Geld zu sparen, da er keine Urlaubsvertretung einstellen
mußte. Über Allgemeines zur Hotellerie erfuhren wir während des Praktikums nichts. Zu
meiner wissenschaftlichen Ausbildung hat die Arbeit im Hotel in keiner Weise beigetragen,
was ich allerdings auch nicht erwartet hatte. Eine kleine Vergrößerung des Vokabulars
ist das einzige Resultat, was ich inhaltlich aus der Hotelarbeit ziehen konnte.
Die Arbeit im Restaurant
Die Arbeit im Restaurant bestand aus fegen, servieren, Terrasse wischen, Tische aufstellen
und decken etc. Die jeweilige Praktikantin, die im Restaurant arbeitete, konnte mit den
Angestellten zusammen dort essen, was eine gute Kommunikationsmöglichkeit darstellte.
Eine richtige Einweisung haben wir in die Arbeit im Restaurant nicht bekommen, die
Angestellten waren zu Beginn auch nicht sehr erfreut darüber, daß wir noch nie in der
Gastronomie gearbeitet hatten, da sie aufgrund von Personalmangel statt eines unwissenden
Praktikanten eine ausgebildete Arbeitskraft benötigt hätten. Durch den Streß, der in
einem solchen Betrieb herrscht, bleibt keine Zeit für eine gründliche Einweisung in die
Arbeit, wir waren uns mehr oder weniger selbst überlassen. Nach einigen Tagen im
Restaurant bekamen wir jedoch einen Überblick und begannen sehr
selbständig zu arbeiten, wodurch wir uns zu einer großen Hilfe entwickeln konnten. Im
Restaurant konnten wir uns auch mit Gästen unterhalten und dadurch etwas über Frankreich
erfahren, etwas über französische Ess- und Trinkgewohnheiten lernen, es machte auch
einfach nur Spaß, Gäste zu bedienen. Uns wurde aber auch bewußt, was für ein harter
Beruf die Gastronomie ist, und welch rauhes Arbeitsklima dort herrschte. Der Chef de
Cuisine, Monsieur Philippe, dem das Restaurant zur anderen Hälfte gehörte und der dort
auch unser Chef war, behandelte seine Angestellten meist schlecht, was bis zu kleineren
Handgreiflichkeiten führte. Durch seinen übermäßigen Alkoholkonsum wurde er oft laut,
ausfallend und beleidigte seine Angestellten. Gleich an meinem ersten Arbeitstag wurde ich
Zeugin einer leicht handgreiflichen Auseinandersetzung des Chefs mit der Frau von Monsieur
Tessier, die im Restaurant tätig war. Ich mußte ihr später eine kurze Zeugenaussage
schreiben, mit der sie später gegen Monsieur Philippe vorgehen wollte, da ich den Hergang
mit angesehen hatte. Der forsche und rauhe Umgangston im Restaurant, der zwar nie gegen
uns Praktikantinnen erhoben wurde, trübte jedoch das Arbeitsklima sehr. Obwohl wir
eigentlich unparteiisch waren, wurden wir immer wieder in Konflikte involviert. Die Arbeit
im Restaurant war zu Anfang körperlich sehr hart, mit der Zeit gewöhnten wir uns an das
stundenlange Stehen und Laufen. Sowohl praktisch, sprachlich als auch kulturell hat uns
die Arbeit dort im Gegensatz zum Hotel weitergebildet, sie war jedoch durch das sehr
schlechte Klima, aus dem alle Angestellten so schnell wie möglich heraus wollten,
geprägt. Sie verschaffte uns einen (zwar schlechten, aber dennoch sehr lehrreichen)
Einblick in einen Ausschnitt der wirklichen Arbeitswelt, in der Mobbing, primitive
Machtkämpfe und ausfallende Umgangsformen auf der Tagesordnung standen.
Das Arbeitsverhältnis und das Verhältnis zum Chef
Das Verhältnis zu Monsieur Tessier verschlechterte sich zunehmend. Es begann schon
schlecht durch den Versuch einer 47-Stundenwoche, verschlechterte sich durch Unmut über
die Arbeit, und geriet durch ein Ereignis in der Mitte des Praktikums zu seinem Tiefpunkt.
Monsieur Tessier hatte uns immer gesagt, es sei ihm egal, wer zu welcher Schicht
erscheinen würde und trug uns auf, die Arbeitsverteilung unter uns zu regeln. Als er sich
dann doch einmal in unser internes Rotationssystem einmischte, wurde das Verhältnis zu
ihm ganz gebrochen. Er wollte, daß am nächsten Tag nicht die Praktikantin X, die nach
unserem System die Hotelschicht verrichten sollte, sondern die Praktikantin Y zu dieser
Schicht erschienen haben, da am nächsten Tag das Hotel angeblich voll belegt sein sollte
und er befürchtete, daß Praktikantin X die Arbeit nicht schaffen würde. Daran wird
klar, daß wir nicht in der Rolle eines Praktikanten, sondern eines Arbeiters im Hotel
angestellt waren. Der Vorfall regte uns dazu an, mit ihm über unsere Probleme zu
diskutieren. Unsere Vorstellungen von einem Praktikum, nämlich daß es nicht Aufgabe
eines Praktikanten ist, eine Angestellte zu ersetzen, woraus der Betrieb finanziellen
'Profit schlagen könne, interessierten ihn gar nicht, sondern er antwortete, daß gerade
das ein Praktikum ausmache. Auch auf die versuchte 47-Stundenwoche sowie auf sein
psychologisches Fehlverhalten, eine Praktikantin den anderen vorzuziehen, reagierte er
ablehnend mit dem Satz, daß er der Chef sei, und gab uns keine weitere Chance zur
Diskussion. Er stellte uns vor die Wahl, entweder erscheine am nächsten Morgen die von
ihm ausgewählte Praktikantin Y oder unser Praktikum sei beendet. Damit wurde ein
konkreter Beitrag geleistet, wie man nicht an das im Praktikumsvertrag festgehaltene Ziel
der Heranführung an die Lösung konkreter Probleme herangeführt wurde, sondern wie
Probleme mit primitiver Machtausspielung aus der Welt geschaffen werden. Dadurch war das
Verhältnis gebrochen, und selbst die Versuche weiterer Angestellter, eine
Kompromißlösung zu finden, bei der sich ein Angestellter bereiterklärte, freiwillig und
kostenlos die Praktikantin X für einige Stunden zu unterstützen, wurden von Monsieur
Tessier strikt abgelehnt. Das veranlaßte uns dazu, daß wir uns im Hotel von Monsieur
Tessier abschotteten und nur noch oberflächlich mit ihm kommunizierten, was das
Verhältnis zu den Angestellten aber in keiner Weise trübte. Wir entschieden uns, das
Praktikum trotz der Umstände zu Ende zu bringen, obwohl wir uns lieber die Abreise
gewünscht hätten. Ich denke, daß auch diese Erfahrung eine wichtige ist.
Kontakte zu Angestellten und anderen
Personen
Im Hotel hatten wir guten Kontakt zu den Angestellten, die uns auch bei den aufgetretenen
Schwierigkeiten mit dem Hotelchef geholfen haben. Besonders ein Angestellter war eine
wirkliche seelische Stütze für uns. Es entwickelte sich eine freundschaftliche
Beziehung, die über die Praktikumszeit hinaus andauert. Zu den Bedienungen im Restaurant
entwickelte sich auch eine leicht freundschaftliche Beziehung, man verbrachte auch einige
Zeit außerhalb der Arbeit zusammen. Da das Arbeitsklima im Restaurant wie beschrieben
schlecht war, solidarisierten wir uns oft mit den Bedienungen, obwohl wir selbst nur
indirekt betroffen waren. Auch außerhalb des Arbeitsplatzes machten wir einige flüchtige
Bekanntschaften.
Eindrücke über das Land und die Branche
Durch das schlechte Klima im Restaurant und dann auch im Hotel war unser Frankreichbild
und auch unser Bild über die Franzosen ein wenig getrübt. Wir fühlten uns ausgenutzt
und dem Chef, dem Land und der Sprache machtlos ausgeliefert. Durch die vielen positiven
Erfahrungen mit den Angestellten, den Gästen und sonstigen Personen konnten wir dieses
Bild jedoch revidieren und es auf die Branche und die in diesem Fall zusammentreftenden
Umstände einschränken.
Dauer des Praktikums
Die Dauer des Praktikums wäre unter normalen Umständen optimal gewesen, in unserem
konkreten Fall war sie zu lange, da wir keinerlei Spaß mehr an der Arbeit und dem
Aufenthalt imHotel hatten, was natürlich aber durch die Arbeit im Restaurant wieder
aufgelockert wurde.
Sprachfortschritte
In der französischen Sprache haben wir Fortschritte gemacht, obwohl das oft sehr
angespannteVerhältnis sowohl im Hotel als auch im Restaurant keine gute Lernatmosphäre
dargestellt hat. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten haben wir versucht, unsere Interessen
zu artikulieren und uns für sie einzusetzen, wodurch wir eine sprachliche Hemmschwelle
überwunden haben.
Abschließende Einschätzung des Praktikums
Das Praktikum insgesamt hat uns zwar inhaltlich nur
einige wichtige Erfahrungen gebracht, die dem Studium oder dem Berufsleben dienlich sind,
es hat uns jedoch in unserer Persönlichkeit gestärkt, da wir unsere eigenen Interessen
verbalisieren und erkämpfen mußten, auch wenn es uns in diesem Falle nicht gelungen ist.
Das Hotel sowie das Restaurant sind nach meiner
persönlichen Einschätzung nicht geeignet, Praktikanten aufzunehmen, da sie diese nicht
als Praktikanten behandeln, sondern in der Funktion einer billigen Arbeitskraft sehen. Ein
kulturelles, sprachliches und praktisches Lernziel wurde nur durch die Arbeit im
Restaurant erreicht. Die Arbeitsbedingungen waren schlecht, die Leitungsebene weder
diskussions- noch kompromißfähig, man kann die Arbeitsverhältnisse generell nur als
negatives Vorbild und nicht empfehlenswert bezeichnen. Ich kann für die Zukunft nur
raten, solche Betriebe wie das Hotel de Gramont nicht durch die Unterstützung von
Praktikanten zu finanzieren, die dort als billige Arbeitskraft ausgenutzt werden.
Die Möglichkeit eines Praktikums generell kann ich nur
empfehlen, sie ist eine gute Möglichkeit, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und einen
Einblick und in die Berufswelt zu erlangen.