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2017 - ein europäisches Frühlingserwachen

Am 25. März 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, die zum Grundstein der Europäischen Union wurden. Dieses Jahr feierte die EU also nun ihren 60. Geburtstag - und entgegen aller Befürchtungen und Untergangsszenarien scheint das supranationale Ausnahmeprojekt in diesem Moment einen zweiten Frühling zu erleben.

Während der Rechtspopulist Geert Wilders in den Niederlanden eine echte Absage erhalten hat und der „Front National“ und die „Alternative für Deutschland“ in den Umfragen immer weiter zurückfallen, findet die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ immer mehr Anhänger.

Ob Köln, Lyon, Strasbourg, Dresden, Warschau, Amsterdam, London oder Brüssel -  in dutzenden europäischen Städten versammeln sich seit Januar jeden Sonntag Tausende begeisterte Europäerinnen und Europäer, die für ein vereintes Europa einstehen wollen. Allein in Berlin schwenken bis zu 7000 Bürgerinnen und Bürger jede Woche die europäische Flagge.

Die europäische Bewegung ist vor allem auch eine Jugendbewegung. Immer mehr junge Menschen werden sich der Wichtigkeit des europäischen Projekts für Frieden, Völkerverständigung und die gemeinsame Bekämpfung kollektiver Probleme wie dem Klimawandel bewusst. Bei vielen dieser pro-europäischen Jugendaktionen ist die deutsch-französische Freundschaft eine der wichtigsten Antriebskräfte.

Ein gutes Beispiel dafür ist die European Youth Convention 2017, bei der unter den 150 ausgewählten Jugendmultiplikatoren auch einige ehemalige und aktuelle JuniorbotschafterInnen des DFJW an der Erarbeitung einer neuen Bürgerverfassung für die EU beteiligt waren.

Basis dafür waren seitens des DFJW die DFJW-EYE-Paper, das DFJW-Paper von der Konferenz zur COP21 und das DFJW-ePartizipations-Projekt von 2013. Fast alle Vorschläge des DFJWs, welche von Jugendlichen in der Vergangenheit im Rahmen von DFJW-Veranstaltungen erarbeitet wurden, wurden in die Bürgerverfassung eingebracht.

Drei der begeisterten Europa-Fans, die zuvor beim DFJW Erfahrungen gesammelt haben und sich jetzt für die gesamte Union einsetzten, haben uns kurze Interviews gegeben, um uns einen Eindruck von der European Youth Convention zu verschaffen.

 

Eléonore Garnier (24 Jahre alt, Französin, Argenton-sur-Creuse)

DFJW: Wie würdest du die European Youth Convention 2017 in drei Worten beschreiben?

Eléonore: "(Ein) großer Moment (der) Demokratie."

DFJW: Welcher Moment wird dir von der EYC 2017 in Erinnerung bleiben?

Eléonore: "Die letzten Arbeitssitzungen in den Kommissionen, als sich jeder nach stundenlangen Diskussionen über die erreichte Einigung freuen konnte. Trotz der Meinungs- und Kulturunterschiede waren die Debatten immer sehr konstruktiv, weil wir alle von der Suche nach dem Allgemeingut motiviert waren. Das macht Hoffnung und zeigt, dass alles in Europa möglich ist, wenn jeder sich solidarisch zeigt!"

DFJW: Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft der EU?

Eléonore: "Ein solidarisches Europa! Es ist der Geist der Solidarität, den wir für ein effektives Europa Tag für Tag kultivieren müssen. Auf dem internationalen Spielfeld können wir nur effektiv auftreten, wenn wir in Vielfalt geeint und stark in unserer Union sind!"

 

Moritz Schleicher (22 Jahre alt, Deutscher, Stuttgart)

 

DFJW: Wie würdest du die European Youth Convention 2017 in drei Worten beschreiben?

Moritz: "Team member, critics, observer"

DFJW: Welcher Moment wird dir von der EYC in Erinnerung bleiben?

Moritz: "Der Moment, als wir nach drei Sessions harter Arbeit und anfangs sehr schwierigen Diskussionen auch über Detailfragen, zu einem gemeinsamen Vorschlag zum EU Budget gefunden haben und im nächsten Augenblick der Schlussgong ertönte."

DFJW: Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft der EU?

Moritz: "Ich wünsche mir ein Europa, dass sich klar zu seinen Grundwerten Liberalität und Solidarität bekennt, in dem seine Bürger frohen Mutes in die Zukunft schauen und diese gemeinsam gestalten. In diesem Europa sollte jeder frei entscheiden dürfen, wo und auf welcher Sprache er arbeiten möchte, wie er leben will unabhängig von seiner Herkunft. Diese Möglichkeiten allen zugänglich zu machen und Europa somit für alle erlebbar zu machen wird unsere gemeinsame Aufgabe sein." 

 

 

Maike Brakhan  (23 Jahre alt, Deutsche, Aerzen)

DFJW: Wie würdest du die European Youth Convention 2017 in drei Worten beschreiben?

Maike: "Verantwortung. Austausch. Entscheidung."

DFJW: Welcher Moment wird dir von der EYC in Erinnerung bleiben?

Maike: "Die Verabschiedung der europäischen Verfassung Sonntagmorgen als demokratisches Versprechen, das sich ein Teil der europäischen Jugend selbst gibt."

DFJW: Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft der EU?

Maike: "Dass der 60. Geburtstag der römischen Verträge der Anlass wird, die europäische Integration wieder in Gang zu setzen – vor allem die politische Integration. Der Weg dorthin wird sehr lang und hart sein, dem bin ich mir bewusst. Wie dem auch sei, die politische Integration scheint mir das einzige Mittel zu sein, um einer Vielzahl an Herausforderungen zu begegnen, die sich dem europäischen Kontinent stellen. Andernfalls wird dieses schöne europäische Projekt immer unvollendet bleiben." 

Pulse of Europe und die European Youth Convention sind nur zwei Beispiele einer breiteren Bewegung. Wichtig ist vor allem, dass sich jeder beteiligen kann und dies auch tut. Europa kann nur funktionieren, wenn Bürgerinnen und Bürger sich für das Projekt interessieren und das Gefühl haben, sie können sich einbringen. Damit Europa langfristig prosperiert, sind wir deshalb heute, 60 Jahre nach Gründung der Union, mehr gefragt als je zuvor.

Redaktion: 
Übersetzung: 

Hinweis

Das DFJW entwickelt Programme – inspiriert von jungen Menschen – und gibt den DFJW-Juniorbotschafterinnen und Juniorbotschaftern in diesem Blog die Möglichkeit, ihre Sicht auf deutsch-französische Themen zu teilen. Die Beiträge geben daher grundsätzlich ihre persönliche Meinung wieder.