2017 – Die Qual der Wahl!

Gut drei Wochen sind es nur noch bis zum ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen in diesem so wichtigen Wahljahr für Europa. Denn 2017 ist das Jahr, in dem Franzosen ihr Staatsoberhaupt für das berühmte nächste quinquennat, also die nächsten fünf, und Deutsche ihres für die nächsten vier Jahre wählen und damit die Weichen für die Zukunft einer krisengeprägten Europäischen Union stellen.

Für die Wahlberechtigten und –willigen ist es also an der Zeit, sich langsam aber sicher festzulegen, wo sie ihr Kreuz machen. In der folgenden Liste haben wir einmal die aussichtsreichsten Kandidaten aus einer deutsch-französischen Perspektive zusammengefasst. Denn immerhin wird es wenige Monate nach der französischen Wahl darum gehen, dass der französische Gewinner mit dem frisch eingesetzten Sieger auf deutscher Seite gemeinsam den deutsch-französischen Motor befeuert, um in Verantwortung der Europäische Union zu reformieren und umzugestalten – oder eben nicht.
 

Emmanuel Macron (En Marche !)


Emmanuel Macron kommt nach Berlin und lobt Kanzlerin Merkel und Deutschland für ihre Flüchtlingspolitik, dafür, dass sie Europas Würde gerettet haben. Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) unterstreicht öffentlich seine gute Beziehung zu Macron und die deutschen Medien zeichnen kontinuierlich ein positives Bild über den liberalen freien Kandidaten und Ex-Wirtschaftsminister Frankreichs. Auch wenn er offiziell nicht von einer deutschen Partei unterstützt wird, kristallisiert sich heraus, dass er von vielen, vor allem jungen Menschen auf beiden Seiten des Rheins als derjenige verstanden wird, der frischen Wind in das französische Präsidentenamt bringen kann und dabei ein feines Gespür für die deutsch-französischen Beziehungen hat.
 

François Fillon (Les Républicains)


„Die deutsch-französischen Beziehungen sind absolut grundlegend.“ Um die Wichtigkeit der deutsch-französischen Freundschaft zu untermalen, suchte sich François Fillon Anfang des Jahres Deutschland als erstes ausländisches Reiseziel im Rahmen seines Wahlkampfes aus, um sich mit Angela Merkel auszutauschen. Obwohl diese sich nicht offiziell im Namen ihrer Partei unterstützend aussprach, vermutlich aus diplomatischen Gründen, um es sich mit einem anderen französischen Präsidenten – je nach Wahlausgang – nicht schon vor Amtsantritt zu verscherzen, schien Fillons reformistischer Konservativismus innerhalb der CDU auf Anklang zu stoßen. Die „Penelopegate“-Affäre sorgte jedoch auch bei den Deutschen für eine Störung des Vertrauensverhältnisses.
 

Marine Le Pen (Front National)


Marine Le Pen (FN) drückt ihre Abneigung gegenüber der Europäischen Union in der aktuellen Form im gleichen Maße aus – und vielleicht genau deshalb – wie jene gegenüber ihren rechtsrheinischen Nachbarn. Neulich beharrte sie darauf, selbst als mögliches neues französisches Staatsoberhaupt „nicht die Vizekanzlerin von Angela Merkel sein“ zu wollen.
 

Benoît Hamon (Parti Socialiste)


Der Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und Präsidentschaftskandidat der Parti Socialiste (PS) hat im Namen des deutschen Kanzlerkandidaten der Sozialdemokraten, Martin Schulz, in den vergangenen Tagen nun offiziell die Unterstützung von den deutschen „Roten“ bekommen. Lange war man sich im Lager der SPD nicht sicher, ob man eher Macron oder eher Hamon unterstützen solle.

Während Hamon sich vor ein paar Jahren noch sehr abfällig über die starke Rolle Deutschlands innerhalb der Europäischen Union äußerte, sieht man ihn heute jedoch eher als Verteidiger der Europäischen Union und der deutsch-französischen Freundschaft.
 

Jean-Luc Mélenchon (La France Insoumise)


Der Präsidentschaftskandidat seiner eigenen politischen Bewegung La France Insoumise hat in Deutschland seinen Sündenbock für seine Wahlkampagne gefunden. Seine Wut gegenüber Deutschland brachte er 2015 in seinem anti-deutschen Manifest „Der Bismarckhering – das deutsche Gift“ zum Ausdruck, nachdem er Angela Merkel bereits 2014 nahelegte: „Maul zu, Frau Merkel! Frankreich ist frei.“ Die Beziehung zwischen Franzosen und Deutschen ist für ihn nicht mehr als ein problematischer, „sehr empfindlicher Punkt, an dem sich alle Fieber entflammen.“

 

Dieser Artikel stellt den ersten Artikel einer Artikelserie zum Wahljahr 2017 dar. Die zugehörigen Artikel werden monatlich erscheinen.

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