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Julia Henriette Bräuer ist Juniorbotschafterin in Paris und hat Anfang Mai an den Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkrieges teilgenommen. Besonders einprägend fand sie das Treffen mit einem Soldaten, der 1944 die Landung in der Normandie miterlebt hat. Vielleicht war es nicht ihr letztes Treffen mit dem Veteran…

„Am 19. Juni 1940 bin ich in Brest in ein Segelboot gestiegen, um zu meinem Bruder nach Großbritannien zu gelangen. Denn dort, so hieß es, hielt sich ein gewisser Charles de Gaulle auf“, erzählt Fred Moore mit klarer Stimme.

Die Gelegenheiten, Menschen wie Fred Moore zu treffen, wird es nicht mehr lange geben. Moore ist 95 Jahre alt und einer der letzten, noch lebenden Kriegsveteranen in Frankreich. An diesem 8. Mai 2015, dem 70. Jubiläum des Ende des Zweiten Weltkrieges, steht er im adretten Anzug in der École Militaire in Paris vor einer Gruppe junger Menschen aus Deutschland und Frankreich und berichtet vom Zweiten Weltkrieg.

„Mhmm, schon wieder ein alter Herr, der vom Krieg erzählt?“ Rémi, ein junger Schüler aus Paris, hat Zweifel, als wir den Saal betreten. Doch der fast hundertjährige Fred Moore, der ohne jede Gehhilfe läuft und in aufrechter Haltung am Rednerpult steht, zieht die jungen Menschen schnell in den Bann. Er erzählt mit einer solchen Klarheit und Prägnanz vom Zweiten Weltkrieg, als sei dieser erst gestern gewesen.

Wie er mit seinem Bruder in England Charles de Gaulle kennen gelernt hat. Wie er der Gruppe der Forces françaises libres beigetreten ist, um gegen das besetzte Frankreich zu kämpfen. Wie er seinen besten Freund im Kampf verlor. „Und schließlich der 25. August 1944: Die Befreiung von Paris“. Er war dabei, als die Alliierten in der Normandie landeten; er war dabei, als Paris von der deutschen Besetzung befreit wurde.

Das Publikum – von 11jährigen Schülern bis zu 25jährigen Studenten – hängen dem 1920 geborenen Veteranen gebannt an den Lippe. Als wir nach rund einer Stunde zum nächsten Programmpunkt aufbrechen müssen, ist Fred Moore allerdings noch längst nicht fertig. „Ah dommage! Je n’ai pas encore fini!“, seufzt Moore, der mit seiner Rede noch längst nicht am Ende war und dem anzusehen ist, wie gern er vor jungen Menschen spricht. „Wer von euch Lust hat, sich noch weiter mit mir zu unterhalten, kann gern einen Termin mit meiner Sekretärin ausmachen“, fügt er verschmitzt hinzu:  Man glaubt ihm sofort, dass ihn das freuen würde. 

Redaktion: Hanna / Übersetzung ins Französische: Eléonore