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Vor 45 Jahren hat Michael Scholz hier am Lac de Serre-Ponçon sieben Französinnen das Leben gerettet. Vielleicht wären sie auch nur nass geworden, wenn das Boot im Sturm gekentert wäre. Aber der 17-jährige Bootskapitän war an diesem Tag der Held.

Heute steht Scholz wieder an diesem See, diesmal mit seinem Motorrad. Im Sommer hat er innerhalb von 10 Tagen 3000 Kilometer in Frankreich abgefahren – persönliche Erinnerungsorte, Orte seiner Jugend. 

Als Jugendlicher war er öfters Teilnehmer eines deutsch-französischen Jugendlagers in den französischen Alpen. „Auch wenn meine Französischkenntnisse minimal waren, wir haben uns irgendwie verständigt“, erzählt Scholz. Viele Sommer hat er vier Wochen in Frankreich verbracht – jede Woche gab es eine andere Aktivität: Campen, Bergsteigen, Radfahren oder eben Segeln auf dem Lac de Serre-Ponçon. Bald hieß Michael Scholz nur noch „Michel“. Und natürlich versuchte er, nachts zu den französischen Mädchenzelten zu gelangen. „Ich wurde leider immer erwischt“, erinnert sich Scholz.

Schon als kleiner Junge kam Michael Scholz mit dem Nachbarland Frankreich in Berührung. Im gleichen Jahr, als der Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag geschlossen wurde, saß er auf den Stufen des Rathauses in Bonn, als Charles de Gaulle in Begleitung von Konrad Adenauer den 35 000 Besuchern in Bonn zurief: „Es lebe Bonn, es lebe Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“ Das habe ihn geprägt. Die politische Aussöhnung war geregelt, doch musste sie auch privat gelebt werden. „Hier kommt das DFJW ins Spiel – Sommercamps und Begegnungen zwischen jungen Franzosen und Deutschen sind wichtig“, sagt Scholz.

Sein Weg, die deutsch-französische Freundschaft am Leben zu halten war seine ganz persönliche „Tour de France“. „Ich bin an Orte gefahren, die für mich persönlich und für die deutsch-französischen Beziehungen wichtig sind“, sagt Scholz. Das sind die Orte seiner Sommercamps, aber er ist auch in das kleine Dorf Le Vernet gefahren, wo Franzosen den Angehörigen der Germanwings-Katastrophe geholfen haben. „Ich wollte einfach Danke sagen“, erzählt Scholz.

Seine Frankreichliebe hat Michael Scholz auch seinen Kindern vererbt. Sohn Dominik hat seine Militärzeit bei den deutsch-französischen Eurocorps verbracht. Als Sohn eines Ministerialbeamten ist Scholz praktisch in den deutsch-französischen Zauberkessel hineingefallen. Er dankt dem DFJW, dass die Organisation mit Leben gefüllt hat, was politisch beschlossen wurde. „Heute ist es umso wichtiger, dass auch Kinder aus anderen sozialen Schichten an deutsch-französischen Austauschprogrammen teilnehmen“, sagt Scholz. Für ihn ist bereits jetzt klar, welchen Schritt er persönlich für die deutsch-französische Freundschaft macht. Seine nächste Reise hat Scholz schon geplant – er möchte übernächstes Jahr die kompletten Pyrenäen mit dem Motorrad bereisen.

Das Interview führte Hanna / Übersetzung ins Französische: Eléonore / Copyright Fotos: Michael Scholz