Meine Tour beginnt auf der wohl symbolträchtigsten Location des ganzen Abends: dem historischen Neumarkt in der Altstadt, direkt vor der Frauenkirche. Die Aktion „Fête de la Musique Meets Europe“ hat hier zwei Bühnen aufgebaut, auf der am 21. und 22. Juni zahlreiche Künstler aus Deutschland und Frankreich auftreten werden. Als ich dort ankomme, gibt gerade der Deutsch-Französische Chor Dresden Vokalmusik aus allen Epochen der europäischen Geschichte zum Besten. Lieder auf zahlreichen Sprachen – von Altfranzösisch über Jiddisch bis hin zu Italienisch und Deutsch – begeistern das versammelte Publikum.

 

Unter „Bravo!“ und „Encore!“-Rufen treten die Choristen ab und machen Platz für die nächsten Präsentantinnen: eine Tanzgruppe aus Schülerinnen des deutsch-französischen Romain-Rolland-Gymnasiums. Die Mädchen – teils Deutsch-Französinnen, teils Deutsche – führen mehrere moderne Choreographien unter dem Zeichen der Toleranz und der Völkerverständigung auf.

 

Ich steige auf mein Rad und fahre weiter, auf die andere Elbseite, nach Pieschen. Hier im Weingarten des französischen Ladens und Bistrots „Savoir Vivre“ führt das Musiker-Duo „Tell Me Lies“ Rock-Klassiker aus den 80er und 90er Jahren auf. Junge Pärchen, Familien und Freunde lauschen bei französischem Rosé, traditionellen Käseplatten und Salade Niçoise den Gitarrenklängen und plaudern ausgelassen. Bei sommerlichen 25°C wähnt man sich unter dem Dach der Weinblätter bei untergehender Sonne beinahe in der Provence.

 

Meine letzte Station an diesem Abend ist das alternative und künstlerische Zentrum Dresdens, die Äußere Neustadt.  Auf dem Vorplatz der „Scheune“ sitzen viele junge Leute in kleinen Grüppchen, trinken Bier oder Mate und wippen bei der Musik der wechselnden Künstler mit. Manche haben sich mit Baguettes, Oliven und frischem Obst versorgt und nutzen den Abend für ein musikalisches Picknick. Auch nebenan, im Biergarten „Katy’s Garage“ ist die Stimmung tiefenentspannt und fröhlich. Jung und Alt studieren die Programmhefte der Fête de la Musique, während Musik aus allen Himmelsrichtungen erklingt. Mache ziehen weiter – manche bleiben und verbringen den Rest des Abends unter den Klängen der One-Man-Band Ju von Dözschen, der sein neuestes Album präsentiert.

 

Als ich nach Hause fahre, muss ich noch lange über den Abend nachdenken. Ich glaube, die Fête de la Musique bringt ein besonderes Flair mit sich, das Ostdeutschland und Dresden gut zu Gesicht steht. Ein bisschen Leichtigkeit, ein bisschen Unbeschwertheit, ein bisschen ungezwungene Geselligkeit bereichern das Leben ungemein und sind Qualitäten, die wir Deutschen uns von unseren Nachbarn links des Rheins öfters mal abschauen sollten.