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Niklas ist 29 Jahre alt und Unternehmensberater. Ich treffe ihn in einer Espressobar in der Bonner Südstadt. Dort erzählt er mir von seinen spannenden Erfahrungen mit Frankreich.

Der gebürtige Marburger verbrachte mit seinen Eltern zweimal den Familienurlaub im Land auf der anderen Seite des Rheins. Auf diese Weise bekam er an der Atlantikküste schon als Kind die Hauptstadt des berühmtesten aller Weingebiete zu sehen und bezwang als Jugendlicher mit seinem Vater die wilden Gewässer der Ardècheschlucht, die sich tief in die von Lavendel, Thymian und Mittelmeerkiefern bewachsenen Hügel Südfrankreichs eingräbt.

Ob er als 10-Jähriger Schüler seine Liebe für das Land deutscher Urlaubssehnsüchte wohl also von seinen Eltern mit auf den Weg bekommen hat? Als er auf das Gymnasium kam, entschied er sich jedenfalls, Französisch gleich von Beginn an zu erlernen. Die Gründe dafür mögen offensichtlich erscheinen und als Französischschüler in Unter- und Mittelstufe wuchs seine Begeisterung weiter. Ihm gefiel natürlich, dass es in der Provence und an der Atlantikküste sonniger und wärmer war als im waldigen Tal an der Lahn. Aber auch die Architektur und der Kulturreichtum in den Dörfern und Städten Frankreichs begeistern ihn bis heute. „An vielen Orten ist die lange Geschichte dieses Landes noch sehr lebendig. Das finde ich spannend.“

In der Oberstufe angekommen, machte ihm dann aber der Lehrplan einen Strich durch die Rechnung. Er konnte kein Französisch mehr wählen. So kam es, dass er es in den nächsten Jahren mehr mit anderen Ländern zu tun bekam, v.a. mit Spanien, aber auch mit England, wo er seinen Zivildienst leistete. So wurde der kulturinteressierte Teenager zum jungen Europäer.

Erst auf einer Geburtstagsfeier während des Studiums rückte Frankreich wieder in sein Blickfeld. „Hast Du nicht Lust, bei unserem Austausch mitzumachen?“,  sprach ihn eine Studentin an. Denn der Studentische Freundeskreis Bonn-Toulouse e.V. brauchte damals noch männliche Verstärkung. „Ich fand die Idee cool, bin zum Infoabend und fand die Gruppe auf Anhieb sympathisch. Der Austausch war günstig und sollte in den Semesterferien stattfinden. Das Programm war authentisch und originell. Also ergriff ich die Gelegenheit, um Toulouse zu sehen und neue, interessante Leute kennenzulernen.“

Ein paar Wochen später ging es dann auch schon, unterstützt vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, nach Toulouse. „In Toulouse gab es einen Empfang beim Bürgermeister. An der Mirail-Universität stellte man uns verschiedene Organisationen vor. Und in einem Museum erfuhren wir, wie sich der Zweite Weltkrieg in der Region um Toulouse ereignet hatte. „Aber das war dann auch schon die 'schwere Kost'“, erzählt Niklas weiter. „An einem Abend führte eine Studentengruppe auf Deutsch ein Theaterstück auf und wir besuchten ein Bergdorf, wo unter anderem eine Sekte lebte.“

Vor allem aber genossen die Studenten die Zeit an den Ufern der Garonne, dem Fluss durch Toulouse. Mit den richtigen Sprachanimationen fielen die Barrieren schnell und so wurde gespielt, geflirtet, gegessen und getrunken. „Die Leute da können ordentlich feiern. Es wurde auf den Tischen getanzt und es gab Verfolgungsjagden. In den Cafés gab es ständig Livemusik. Im Café La Maison Blanche zum Beispiel waren wir beim Live-Tango.“ Umso mehr tat dann der Abschied weh. „Es waren intensive Kontakte entstanden, die Stimmung war toll und wir hatten viel zusammen erlebt. Es hatten sich sogar schon Pärchen gefunden.“

Heute findet Niklas bei seiner Arbeit nicht mehr die Zeit, in den Semesterferien nach Toulouse zu fahren. Doch als Ehemaliger ist er so oft es geht dabei, wenn wieder eine Toulouser Gruppe nach Bonn kommt. Und auch um den Facebook-Auftritt des Vereins kümmert er sich noch. Wenn er demnächst mit Freunden nach Bordeaux zur Fußballeuropameisterschaft fährt, ist ein Treffen mit den Freunden aus Toulouse schon jetzt fest eingeplant: „Es ist toll, dass es so etwas wie das Deutsch-Französische Jugendwerk gibt, das solch einen Austausch möglich macht.“

Zum Schluss verrät mir Niklas, dass der Verein 2017 bereits sein 40-jähriges Bestehen feiert. Zu einem großen Fest wollen sie dann alle Mitglieder und Ehemaligen einladen und mit ihnen die Bonn-Toulouser Freundschaft hochleben lassen. Doch an die 600 Ehemalige wollen erst einmal gefunden werden.