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Am 13. November wurden mit den Anschlägen in Paris auch die demokratischen Werte Frankreichs sowie der gesamten freien Welt angegriffen. Die DFJW-Juniorbotschafter, schockiert und bekümmert durch diese Ereignisse, möchten zeigen, dass Werte wie Toleranz, Freiheit, Frieden und die Völkerverständigung wichtiger denn je sind. Wie haben sie die Attentate erlebt? Welchen Einfluss haben sie auf ihren Alltag? Statements:

Lucia Preiss

Ich war gerade auf einer ausgelassenen Feier, als ich die Nachricht bekam, dass in Paris eine Anschlagsreihe verübt wurde. Meinen Gedanken an Freunde und Verwandte in Paris sowie an die mutmaßlichen politischen Konsequenzen dieses Ereignisses ließen für mich in diesem Moment eine Welt zusammenbrechen. Drei der Anschlagsstätten im 10. und 11. Arrondissement sind in unmittelbarer Nähe der Wohnung, in der ich bis vor wenigen Wochen gelebt habe. Erst am nächsten Tag erfuhr ich nach und nach, dass alle meine Lieben körperlich unversehrt geblieben sind. Die Anschläge vom 13. November auf Paris, Beirut und Bagdad haben die Brutalität von Daesh ins unmittelbare Bewusstsein der westlichen Öffentlichkeit gerückt und werden ein historisch einschneidendes Ereignis bleiben. Unsere zivilgesellschaftliche Aufgabe sollte es jetzt sein, uns umso mehr für ein freies demokratisches Miteinander einzusetzen und xenophober Hetze im öffentlichen Diskurs keinen Raum zu geben. 

Julia Bräuer

Als ich von den Anschlägen in Paris erfuhr, war ich im Zug auf dem Weg nach Nantes, um Freunde zu besuchen. Es folgte eine Nacht in großer Besorgnis und Unruhe, in der ich versuchte, alle mir wichtigen Menschen in Paris zu kontaktieren. Zum Glück sind all meine Bekannten unversehrt, auch wenn sich einige von ihnen im Stade de France befunden haben.  Die Terroranschläge haben mich zutiefst schockiert und machen mich traurig. Wie nahe ist uns der religiöse Wahn durch Daesh gekommen. Noch vor wenigen Tagen traf ich Freunde auf ein Glas Wein in der Rue Charonne, nicht weit entfernt vom „La Belle Equipe“, in dem einer der Attentäter am 13. November mehrere Menschen kaltblütig ermordete. Aber ich werde nicht zulassen, dass das Gefühl der Angst mein Leben in Paris bestimmt. Ich werde weiterhin meinen Café au lait auf den Terrassen in Saint-Germain-de-Près trinken, ich gehe auch künftig zu Konzerten am Canal Saint Martin und auch in die Bars an der Bastille. Ich werde den Islamisten nicht den Gefallen tun, meinen Lebensstil zu ändern. #Noussommesunis

Kenny Kremer

Von den Terroranschlägen in Paris habe ich erst mit ein paar Stunden Verspätung erfahren. Am Abend war ich bei einer Freundin zum Essen eingeladen und achtete nicht wirklich auf die zahlreichen Eilmeldungen und Nachrichten, die ich von Freunden erhielt. Im Endeffekt war meine Ignoranz eine gute Entscheidung, da sie mir große Sorgen ersparte. Denn somit ich erfuhr erst durch die Meldungen meiner Freunde und der im Stade de France anwesenden DFJW-Juniorbotschafter, dass sie in Sicherheit seien, von den Anschlägen. Die folgenden Tage hätte ich in Schockstarre verbringen können. Die Stimmung in meinem Umfeld  –  seien es Deutsche oder Franzosen – war von Trauer, Verzweiflung, Bedrückung geprägt, kam uns der Terror doch so nah wie selten zuvor.

Doch das Einzige, was wir nun tun können, ist unser Leben so fortzuführen, wie wir es gewohnt sind, und unsere Freiheit noch mehr wertzuschätzen, um den Opfern des Anschlags ihre Ehre zu erweisen. Lassen wir uns nicht einschüchtern und beugen wir uns nicht der hinterhältigen Strategie des sogenannten „Islamischen Staat“ sowie derer, die die Anschläge  in Europa aus politischem Kalkül ausschlachten wollen. Bekennen wir uns noch stärker zu unseren Werten wie Freiheit und Offenheit –  kurzum: lassen wir uns unsere Lebensfreude nicht vermiesen. Machen wir den Terroristen klar, dass Gewalt sinnlos ist.

Amelie Reichmuth

 

Als ich von den Anschlägen hörte, war ich selbst mit vielen Freunde in einer Bar in der Nähe von Notre Dame. Da wir in voller Partystimmung waren, haben wir erstmal gar nicht verstanden, was genau geschehen war. Die Kellner sind zu uns gekommen und haben uns aufgefordert, so schnell wie möglich nach Hause zu gehen, es sei etwas sehr schlimmes passiert. Als ich zu Hause war, habe ich sofort die Nachrichten geschaut und meine Familie angerufen. Erst am nächsten Morgen habe ich das Ausmaß der Tragödie richtig wahrgenommen. Jetzt, eine Woche danach fühle ich mich immer noch schockiert und versuche, zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. In diesen schweren Zeiten sind die Solidarität und der Zusammenhalt der Stadt Paris bzw. Frankreichs sehr bewegend und tröstend. Ich denke allerdings, dass wir jetzt alle gemeinsam vorangehen sollen: Jeder trägt die Verantwortung, sich für die Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einzusetzen. Mein Motto: Engagiert euch!

Samuel Ney

Ich kam gerade vom Besuch bei einer Freundin nicht weit von Saint­Denis und war auf dem Heimweg zu meiner Mutter, als es zu den Anschlägen kam. Zunächst hörte ich eine dumpfe Explosion und dachte an Jugendliche, die mit Knallfröschen werfen. Dann klingelte mein Handy fünf Minuten lang ohne Pause. Schließlich ging ich dran: Panisch fragte mich eine Freundin, ob ich beim Deutschland­Frankreich­Spiel sei, für das ich eine Karte hatte. Ich verneinte und verstand ihre Unruhe nicht. So erzählte sie mir, was sich soeben ereignet hatte. Weil ich nicht glauben konnte, was ich hörte, schaltete ich schließlich das Radio ein, in der Hoffnung, es handle sich um einen Scherz. Auf allen Sendern lief es. Es war wahr, alle Zweifel ausgeschlossen. Zuhause angekommen erwartete mich meine Familie geschockt vor dem Fernseher. Nach den Anschlägen von Saint­Denis erfuhren wir von denen in Paris. Kein Wort brachten wir heraus, wir waren einfach nur entsetzt von dem, was gerade ein paar Schritte von uns entfernt geschehen war, zumal Mitglieder des Seminars, an dem ich teilnahm, beim Spiel waren. Am Ende habe ich dann gute Nachrichten bekommen: allen ging es gut. Erst am nächsten Morgen haben wir den Angriff in seiner ganzen Tragweite begreifen können. Die Stimmung drückte schrecklich schwer, beinahe düster auf Paris. Die Schrecken des Vorabends verfolgten alle. Nach und nach wich die Trauer dem Nachdenken. Ich glaube, es ist wirklich schwer zu realisieren und zu verstehen, was passiert ist. Der Schrecken ist durch und durch reell und unsere Werte werden bedroht. Aber wir dürfen uns nicht von der Angst besiegen lassen, denn das hieße, diesen Anschlägen ihren Erfolg zu geben. Meine Überzeugung, um die Freiheit zu verteidigen: Solidarität und Bildung. „Die Freiheit beginnt, wo die Unkenntnis aufhört.“ (Victor Hugo)

 

 

Die Gespräche führten die DFJW-Juniorbotschafter Kommunikation