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Ein Wettbewerb mit deutsch-französischen Konkurrenten: Drei Tage in Quiberon und Transit 

Die erste interessante Koproduktion, Drei Tage in Quiberon, ist ein schönes Beispiel für die Querverbindungen, die zwischen unseren beiden Ländern gezogen werden. Das fängt bereits beim Werdegang der Regisseurin Emily Atef an. Atef kam in Berlin als Tochter ihrer franko-iranischen Eltern auf die Welt, verlebte ihre Jugend in Frankreich und kehrte dann nach Berlin zurück, um an der Deutschen Film- und Fernsehakademie ihrem Studium nachzugehen. Sie hat also jedes Recht dazu, sich dem Urlaub von Romy Schneider im bretonischen Seebad Quiberon im Jahre 1981 zu widmen. Die Deutsche und eingebürgerte Französin Romy Schneider verliebte sich nämlich Ende der 50er-Jahre in das Land Frankreich (gut, und in den Schauspielerfranzosen Alain Delon nebenbei auch noch) und verbrachte dort ihr Leben lang immer mal wieder etwas Zeit. Ach, ist die deutsch-französische Liebe nicht schön!

Es gab noch eine weitere deutsch-französische Koproduktion im Berlinale-Rennen, die eine Brücke zwischen Deutschland und Frankreich schlägt: Transit von Christian Petzold. Darin versetzt der Regisseur die deutsche Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg in einen zeitgenössischen Kontext und der Zuschauer folgt den Schritten von Georg, einem deutschen Geflüchteten, der sich im Marseille des 21. Jahrhunderts vor den eigenen Truppen zu retten versucht, indem er sich für den Schriftsteller Weidel ausgibt, der zuvor in Lyon Suizid begangen und dessen Papiere Georg daraufhin entwendet hat. Eine wirklich ausgefallene Art und Weise, die Zuschauer an diese Zeit in der Geschichte zu erinnern.

Berlinale Classics und Retrospektive: Wo man die deutsch-französischen Filmklassiker wiederentdecken kann !

Die 68. Berlinale räumte auch älteren deutsch-französischen Koproduktionen einen Platz im Programm ein.

In der Reihe Berlinale Classics wurde zuerst ein wahrer Erfolgsfilm hervorgeholt, der dem deutschen Regisseuren Wim Wenders zur Berühmtheit verhalf: Der Himmel über Berlin (Les Ailes du Désir). Auch hier muss man sich wieder den Werdegang des Regisseurs angucken. Zwischen 1966 und 1967 lebt dieser nämlich als eifriger Besucher des Filminstituts Cinémathèque française in Paris, wo er auch versucht, in der Filmhochschule Institut des Hautes Etudes Cinématographiques aufgenommen zu werden. Leider scheitert er an den Aufnahmeprüfungen, weshalb er 1968 nach Deutschland zurückkehrt, um dort an der Hochschule für Film und Fernsehen in München anzufangen. Sein deutsch-französischer Werdegang ist dort allerdings noch lange nicht zu Ende, denn 1984 dreht er seine erste deutsch-französische Koproduktion Paris, Texas. 1987 folgt dann Der Himmel über Berlin. Darin irren die zwei Engel Damiel und Cassiel durch die Stadt an der Spree und beobachten Berlins Einwohner. Dabei sind sie unsichtbar und unsterblich. Eines Tages jedoch verliert einer der beiden sein Herz an die Trapezkünstlerin Marion und er beschließt daraufhin, auf seine Unsterblichkeit zu verzichten, um sich dem sinnlichen Vergnügen in der Liebe hinzugeben, das nur den Menschen vorbehalten ist. Ein wahrer Erfolgsfilm, der Wim Wenders auch den Regiepreis bei den Filmfestspielen von Cannes einbrachte!

Ein weiterer Film, diesmal aus der Reihe Retrospektive, ist ebenso beachtenswert aufgrund seines grenzüberschreitenden deutsch-französischen Charakters: Kameradschaft (La Tragédie de la Mine) von Georg Wilhelm Pabst, produziert im Jahre 1931 und in Berlin in einer aufbereiteten Version aus 2015 gezeigt. In dem Spielfilm geht es um eine sich 1919 ereignende Schlagwetterexplosion in einem französischen Bergwerk, das in einem Dorf unmittelbar an der Grenze zu Deutschland liegt. Deutsche Bergmänner begeben sich daraufhin nach Frankreich, um den französischen Kumpeln zur Hilfe zu kommen. Die deutsch-französische Grenze spielt in diesem Film eine ganz zentrale Rolle, da sie die Zeit der Rettung über außer Kraft gesetzt wird. Im Rahmen der Vorstellung des Films wurde ihm indes gar eine marxistische Interpretation zugeschrieben, nach der seine Hauptaussage zu sein vermöge: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Unabhängig vom Marxismus bleibt jedoch auch die in dem Film repräsentierte große Bedeutung internationaler – und hier insbesondere deutsch-französischer – Zusammenarbeit für uns Grund genug, ihn in diese Übersicht mit aufzunehmen.

Wo kein Weg am französischen Kino vorbeiführt: das Kulinarische Kino! 

Natürlich dürfen die Franzosen in dieser Reihe nicht fehlen! Seit 12 Jahren wird in dieser Reihe der Zusammenhang zwischen Gastronomie, Kultur und Politik erkundet. Doch wen wundert das schon, wenn man beachtet, dass Deutschland ganze 300 vom Guide Michelin mit Sternen prämierte Restaurants zählt – womit es hinter der Heimat Frankreich 2014 das Land mit den zweitmeisten Sternen in Europa war!

 Die Dokumentation La Quête d’Alain Ducasse von Gilles de Maistre macht der französischen Küche auf der 68. Berlinale dabei alle Ehre und blickt zurück auf die Arbeit des berühmten französischen Kochs Alain Ducasse. Der Regisseur begab sich dafür zwei Jahre auf Weltreise mit dem Koch (London, Hong Kong, Tokyo, Manila, New York, ...) und damit auf die Suche nach neuen Produkten und neuen Geschmäckern für seine Küche. Da läuft einem doch glatt das Wasser im Mund zusammen!

 

Zusammenfassend kann man also sagen, dass uns die 68. Berlinale mal wieder einige Beispiele dafür beschert hat, wie allgegenwärtig die deutsch-französische Freundschaft doch ist – und dass sie sogar bis in die Kinos reicht!