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Erfahrungsbericht von Dr. Wulf Liebau, verfasst am 15. März 2013

So begann im August 1964 für uns ein deutsch-französisches Jugendlager mit je 35 Schülern in Hourtin bei Arcachon, organisiert von Jeunesse et Marine, denn ein Jahr zuvor war das Deutsch-Französische Jugendwerk gegründet worden. Solche Begegnungen zwischen Jugendlichen aus beiden Ländern wurden nun ausdrücklich gewollt und gefördert.

In diesem Jugendcamp wurden wir also gemeinsam von Profis im Segeln ausgebildet, und gemischte Mannschaften steuerten die Kutter. So lernten wir uns beim und durch den Sport kennen, sangen miteinander, tauschten unsere Erfahrungen aus und kamen zu dem Schluss, die Sprache des anderen fleißig zu üben. Für mich ein Ansporn für meine Zukunft, denn bis heute – beinahe 50 Jahre danach – verbindet mich eine Freundschaft mit Raymond aus Perpignan und seiner ganzen Familie, Jean-Pierre aus Dijon und Jean-Noel aus Paris. Das heißt, wir haben uns gegenseitig in Deutschland und Frankreich besucht, haben unsere jeweiligen Kulturen, Sprachen, Lebensarten und Heimaten kennengelernt. Als Raymond und ich jeweils zum Wehrdienst einberufen wurden, waren wir uns einig: aufeinander schießen würden wir nicht mehr müssen: wenn das nicht den Geist des DFJW erfüllt hat!

Und es ging weiter:1981 bekam ich nach gründlicher Vorbereitung die Chance, in Paris in der Deutschen Botschaft zu arbeiten; ich bin mir sehr sicher, dass meine prägenden Jugenderlebnisse die Basis dafür gelegt hatten. Ich war sehr glücklich, konnte ich mich doch jetzt für die deutsch-französischen Beziehungen auf weitem Feld einbringen. Es sollten insgesamt acht Jahre werden.

In jener Zeit hat mich emotional am tiefsten berührt, als ich als Reserveoffizier am gemeinsamen Manöver „Champagne 89“ teilgenommen habe. Die Übung sah vor, dass eine deutsche Brigade ein französisches Korps in Frankreich unterstützen sollte. Ein sehr bewegender Moment war es, als ich als Deutscher Soldat den Rhein überquerte. Ich musste an die leidvolle deutsch-französische Geschichte denken: mein Urgroßvater kam 1870/71 nach Frankreich als Feind und Besatzer, mein Großvater 1914/18 und mein Vater im Zweiten Weltkrieg.

Und jetzt ich - in der vierten Generation - überquere den Rhein als Freund! Nach diesen Erfahrungen in meiner Familie, die sicher für viele steht, ist für mich die Deutsch-Französische Freundschaft nach dem Elysée-Vertrag von 1963 seit 50 Jahren immer noch ein historisches Wunder. Und weiter so: meine Kinder leben ihre Schul- und Jugendfreundschaften völlig selbstverständlich.

Heute bin ich fast 70 Jahre und habe einen Traum, der nicht mit Politik zu tun hat, sondern mit meinem jetzigen Beruf, der Fotografie, und weiter mit Deutschland und Frankreich: Einen Bildband herauszugeben und darin Paris und Berlin im vertikalen Format und in schwarz-weiß zu vergleichen.