1. Sie sind die neue pädagogische Mitarbeiterin des DFJW beim CNOSF. Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben und worin genau besteht Ihre Arbeit in dieser Institution? Was erhoffen Sie sich für 2019?

Ich habe meine Stelle beim CNOSF im Juni angetreten. Zuvor war ich pädagogische Mitarbeiterin beim Verein Gwennili in Quimper/Frankreich. Das war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Ich wollte dann in einer größeren Einrichtung arbeiten und die deutsch-französische Zusammenarbeit in einem anderen Kontext fördern. Nun bin ich beim CNOSF in der Abteilung „Internationale Beziehungen“ beschäftigt. Meine Aufgaben bestehen darin, Projektträger für ihre Austauschbegegnungen zu unterstützen. Pro Jahr handelt es sich um 80 Sportprojekte. Ich bin ebenfalls für die Vermittlung zwischen Vereinen und Verbänden zuständig. Außerdem betreue ich das Netzwerk der Jugendleiterinnen und Jugendleiter im Sport und koordiniere den Deutsch-Französischen Freiwilligendienst im Sportbereich (5 Tandems pro Jahr). Ich vertrete den CNOSF auch bei der Europäischen Kommission im Bereich der Erasmus+-Programme.

2019 werden wir ein neues Projekt im Bereich der Städtepartnerschaften auf den Weg bringen. Es geht darum, junge Menschen, die an Sportaustauschbegegnungen teilnehmen, auch in Städtepartnerschaften einzubinden.

2. Dank des DFJW arbeiten der CNOSF und sein deutscher Partner, die Deutsche Sportjugend (dsj), seit langem zusammen. Was ist so besonders an den Sportbegegnungen zwischen unseren beiden Ländern?

Das ist ein ganz spannender Arbeitsbereich, weil die Nachfrage in beiden Ländern hoch ist. Die Frage, die wir uns beim CNOSF und bei der dsj stellen, ist: Wie können wir allen Anfragen nachkommen? Ganz Frankreich ist in den Vereinen, die Austauschbegegnungen organisieren, vertreten. Das ist insofern sehr positiv, als dass die Akteure vor Ort diese interkulturellen Begegnungen fortsetzen und ausbauen wollen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind aus Sportaustauschbegegnungen zwischen Städten und Dörfern viele Städtepartnerschaftskomitees entstanden. Diese Austauschprogramme sind die Grundlage für jede interkulturelle deutsch-französischen Begegnung. 

3. Warum sollten junge Sportlerinnen und Sportler an einem interkulturellen Austausch teilnehmen?

Sport richtet sich an Menschen aus allen sozialen Schichten. Für junge Sportlerinnen und Sportler in den Vereinen ist es eine Möglichkeit, zu reisen und das zu lernen, was jungen Menschen in der Familie oder in der Schule nicht zwangsläufig vermittelt wird. Sport schafft starke Verbindungen und ist ein wichtiges nonverbales pädagogisches Werkzeug. Es braucht keine Sprachkenntnisse, der Funke springt schnell über!

Athletinnen und Athleten im Nachwuchsleistungssport können bei Austauschbegegnungen auch andere Techniken in ihrer Sportart kennenlernen, was ihrer sportlichen Ausbildung sehr zugute kommt.

4. Welchen Beitrag kann der Sport leisten, um die deutsch-französischen Beziehungen in einem erweiterten Europa neu zu erfinden?

Die 27 Länder der Europäischen Union müssen sich in den Sportaustauschbegegnungen besser wiederfinden. Die Nachhaltigkeit und Intensität der Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Sportvereinen könnte dabei helfen, auch andere europäische Vereine einzubinden. Ziel ist es, unsere bilateralen Programme auf andere Länder auszuweiten, damit die europäische Dimension in unseren Austauschbegegnungen noch stärker zum Tragen kommt.

5. Sie sind Teil eines Netzwerkes von 42 Personen aus ganz Deutschland und Frankreich. Sie werden bald an der Jahrestagung dieses Netzwerkes teilnehmen? Welche Erwartungen haben Sie? Was möchten Sie beitragen?

Bei diesen Treffen können wir ein wenig Abstand zu unseren Arbeitsmethoden gewinnen. Wir können auch Informationen und Ideen zwischen den pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern austauschen. Außerdem kann man sich gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen.

Ich bin auch gespannt auf den Austausch mit dem DFJW über die Änderungen der Richtlinien. Ich kann meine Alltagserfahrungen anhand konkreter Bespiele und auch Ideen einbringen, um z. B. digitale Tools für die Ausbildung von Projektträgern voranzubringen.