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„Multikulturalität ist ein großer Schatz und keine Bedrohung!“

Am  24. und 26. Januar fanden die alljährlichen Neujahrsempfänge des DFJW in der Kulturbrauerei in Berlin und im Elysée-Montmartre in Paris statt. Den zweiten Teil des Abends krönte jeweils ein Benefizkonzert zugunsten unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Am Start waren in beiden Städten die Musiker von Culcha Candela, eine der erfolgreichsten deutschen Bands der letzten Jahre : vier Top Ten Hits, über drei Millionen verkaufte Tonträger, zweimal Gold- und zweimal Platinstatus für die Studioalben, 19 Platzierungen in den deutschen Singlecharts und Auftritte auf den größten Festivals Deutschland. Die vier Berliner füllen jeden Raum mit ihren Songs, geprägt von Raggae-, Hip-Hop- und Latin- und Elektroeinflüssen. Darin vereinen sie pure Party-Leichtigkeit mit politischen und gesellschaftlichen Themen. Die Band steht für Integration, ein buntes Deutschland und respektvolles Miteinander. 

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Warum habt ihr beschlossen, beim Benefizkonzert des DFJW mitzuwirken?

Wir sind immer bei sowas dabei! Wir können natürlich nicht jede Organisation unterstützen, die versucht, etwas Gutes zu tun. Da gibt es ja zum Glück recht viele und wir kriegen auch sehr viele Anfragen, aber das hat gerade zeitlich super gepasst. Das Thema Flucht und Migration beschäftigt uns natürlich auch aus persönlichen Gründen immens: Unsere Eltern sind teilweise nach Deutschland gekommen, um uns und ihren Familien eine bessere Zukunft zu gewährleisten. Wir sind alle Deutsche, haben aber Wurzeln in aller Herren Länder: Korea, Polen, Kolumbien.

Wir finden es schlimm, dass einige Menschen die Verschiedenartigkeit gar nicht akzeptieren können. Zum Glück gibt es auch viele Leute, die das ganz anders sehen, unter anderem das Deutsch-Französische Jugendwerk.

Das Geld geht an eine gute Sache, nämlich an junge Flüchtlinge. Da haben wir natürlich Ja gesagt. In Berlin und Paris ist eine Menge Geld zusammengekommen und insofern hat sich das sehr gelohnt.

 

Inwiefern kann Multikulturalität positiv zu einer Gesellschaft beitragen?

Wir haben von Anfang an Multikulturalität, die Verschiedenartigkeit von Menschen, als Bereicherung gesehen. Es ist ein großer Schatz und keine Bedrohung. Das ist das, wofür wir immer werben. Dass Leute keine Angst haben sollen vor Dingen, die sie nicht kennen, sondern offen und neugierig bleiben. Das ist auf jeden Fall der erste Schritt, um Ängste abzubauen: die Bereitschaft zu haben, Leuten eine Chance zu geben, dann gewinnen am Ende des Tages alle dabei. Vielfalt macht eine Gesellschaft reicher! Daran glauben wir alle ganz fest. Es ist wichtig, die geschichtlichen und auch kulturellen Zusammenhänge zu kennen, die in der Vergangenheit liegen, aber man muss auch offen sein für Neues. Verschiedene Elemente zu mischen und das Beste draus zu machen, aufgeschlossen zu sein, das hat nur Vorteile. Das ist wie in der Musik, da mischt man ja auch ganz viele Einflüsse. Oder wie bei Kulturen. Wenn man immer nur Gewohntes konservieren will, dann gibt es keinen Fortschritt. 

© Felix Ram

Ihr macht Musik, habt euch aber gleichzeitig entschlossen, eine Botschaft zu vermitteln. Wie kam das?

Ganz am Anfang, als uns noch niemand kannte, haben wir uns eigentlich schon ein paar Regeln aufgestellt. Wir haben einen gemeinsamen Nenner gefunden. Einer davon war, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Dass wir für etwas Positives einstehen wollen. Unser Vorbild war dabei immer Saian Super Crew (Ein französisches Hip-Hop-Kollektiv, mit dem Culcha Candela getourt ist und das von 1998 bis 2007 aktiv war und mit der Culcha Candela auf Tour war, Anm. d. Red.).

Dass wir uns engagieren, hat nicht zwingend etwas mit unseren Wurzeln zu tun, sondern eher mit „Menschsein“.  Es gibt überall Arschlöcher und nette Menschen. Es gibt keine Gewährleistung, dass alle Flüchtlinge nett sind. Es gibt aber auch keine Garantie dafür, dass alle Deutschen nett sind. Das Problem ist, dass es wenig böse Menschen gibt, aber viele von ihnen viel reden. Und so viele gute, die nichts sagen. Wir sind überzeugt davon, dass die Guten in einer riesengroßen Mehrheit sind.  Die müssen einfach mal ein bisschen laut werden.

Erziehung und Menschlichkeit sind das A und O. Aber hätten wir unsere verschiedenen Wurzeln nicht gehabt, hätten wir uns vielleicht auch nie kennengelernt und wären Freunde geworden. Da muss man schon ziemlich tolerant sein, um mit den anderen Bandmitgliedern befreundet zu sein (lacht). 

© Felix Ram

Inwiefern ist es für euch wichtig, dass sich Bands für den guten Zweck engagieren?

Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn man Menschen sagt, die sowas vorher nicht gemacht haben: Mach doch mal deinen Mund auf. Wenn Leute sich nicht informiert haben, und auch sonst nicht politisch engagiert sind, was ja auch nicht schlimm ist, dann kann das natürlich auch in die Hose gehen. Aber natürlich fänden wir das geil, wenn andere Kollegen aus unserer Branche sich mehr engagieren würden. Einige Beispiele gibt es ja, wie Peter Maffay. Der hat seine Prinzipien, er steht dafür ein. Herbert Grönemeyer ist natürlich auch jemand, der seinen Mund aufmacht und Udo Lindenberg. Aber darüber hinaus wäre es cool, wenn Leute aus der neuen Garde mit Migrationshintergrund sich verstärkt engagieren würden. Das wäre schön, das würden wir uns wünschen!