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Valentinstag

Wenn Franzosen wieder vermehrt anfangen, einander öffentlich „bébé“ zu nennen, und man auf deutschen Straßen öfter groteske verbale Zuneigungsformen wie „Pupsi“ oder „Nougatschnittchen“ hört, dann weiß man Bescheid: Bald ist es wieder soweit, das neue Jahr ist schon wieder fast anderthalb Monate alt und das Kalenderblatt wird demnächst auf den 14. Februar umgeblättert. Es geht um den Tag, dessen Namensgeber in Frankreich eigentlich deutlich mehr Tribut gezollt wird – dort spricht man vom „Heiligen Valentin“, also Saint Valentin (wie man in Deutschland am 11. November auch „Sankt Martin“ sagt), während rechtsrheinisch die Rede vom Valentinstag ist – und um den Tag, der für die meisten entweder Himmel, Hölle oder absolut gar nichts bedeutet.

Dabei weiß man über den ominösen Heiligen Valentin kaum etwas Sicheres – oder vielmehr „die Heiligen Valentine“. Obwohl der Gedenktag Valentins jahrhundertelang im Heiligenkalender stand und seit dem Jahr 350 n. Chr. aktiv gefeiert wurde, wurde er wegen zu verworrener Quellen im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Sechzigerjahren daraus gestrichen. In der christlichen Geschichte nämlich findet man zwei Valentine: einen Valentin von Rom und einen von Terni, ein Ort nördlich von Rom. Was sie gemeinsam haben: Beiden wird ein Märtyrertod am gleichen Tag, nämlich dem 14. Februar, zugesprochen.

Dabei besagt die Legende über Ersteren, dass er Verliebte trotz kaiserlichen Verbotes nach christlichem Brauch traute, weshalb er am 14. Februar 269 hingerichtet wurde. Zweiterer – dank zahlreicher Wunderheilungen sehr angesehen bei Christen wie Nichtchristen in seiner Region – wurde währenddessen der Blasphemie gegenüber Kaiser Claudius II. bezichtigt und daher zum Tode verurteilt. Da Valentin den Kaiser jedoch vor seiner Hinrichtung noch mit seinem eigenen Bild des christlichen Glaubens konfrontierte und schwer beeindruckte, wird auch er von da an als Märtyrer gehandelt.

Zu diesen beiden Fragezeichen kommt noch ein dritter Faktor hinzu: Zu Ehren der römischen Göttin der Geburt, der Ehe und der Fürsorge – Juno –, der man ebenso am 14. Februar gedachte, beschenkte man Frauen in der Familie bereits sehr früh mit Blumen.

Geht die Tatsache, dass der Heilige Valentin heute zwar nicht mehr im Heiligen-, dafür aber umso dicker im Volkskalender steht, also aus drei verschiedenen zufällig am gleichen Datum aufeinander fallenden Gedenktagen hervor? Obwohl es vor dem dargestellten Hintergrund eventuell am offensichtlichsten klingen mag, dass es sich bei dem Valentin, dem wir heute gedenken, um jenen aus Rom handelt, ist auch das Szenario mit Valentin von Terni oder eine Verknüpfung des Ganzen mit dem Gedenktag Junos nicht auszuschließen.

Wie dem auch sei – eins ist sicher: Auch am heutigen Tage finden sich wieder zahllose Verliebte in Restaurants, Cafés, an ihren bedeutsamsten Orten oder bei sich zu Hause ein, um Zeit miteinander zu verbringen. Viele Liebesschlösser werden zweifellos wieder an Tausenden Orten auf der ganzen Welt angebracht werden – und hoffentlich länger halten als die, die vor zwei Jahren vom Pont des Arts in Paris entfernt wurden, weil sie aufgrund ihrer Tonnenschwere bereits einen Teil des Geländers abrissen. Tja, die Liebe ist halt keine „leichte“ Sache!

Redaktion: 

Hinweis

Das DFJW entwickelt Programme – inspiriert von jungen Menschen – und gibt den DFJW-Juniorbotschafterinnen und Juniorbotschaftern in diesem Blog die Möglichkeit, ihre Sicht auf deutsch-französische Themen zu teilen. Die Beiträge geben daher grundsätzlich ihre persönliche Meinung wieder.