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Die 68er? Kaum Beachtung finden sie im Geschichtsunterricht – und auch die Generation zwischen 15 und 20 kann kaum etwas mit dieser ominösen Zahl anfangen. Was ist 68 denn nun also überhaupt passiert – in Deutschland und in Frankreich? Wie hat das alles angefangen?

Wir befinden uns am Ende der 60er-Jahre: der Zweite Weltkrieg hängt noch immer in den Köpfen der Menschen und aus den Baby-Boom-Kindern sind mittlerweile junge Erwachsene geworden. Deutschland ist indes seit 1945 zweigeteilt: auf der einen Seite die BRD, die sich am Wirtschaftsmodell und an der Ideologie des Westens – dem Kapitalismus – orientiert, und auf der anderen Seite die DDR, die dem sowjetischen Kommunismus untersteht.

Inmitten der Zeit des „Wirtschaftswunders“ erleben Frankreich und die BRD gerade einen konjunkturellen und industriellen Aufschwung – es scheint, es ginge ihnen prächtig. Trotzdem kommen die Menschen auf beiden Seiten des Rheins nicht ohne Proteste aus. Jugendliche gehen auf die Straße und sind sehnsüchtig nach Veränderung und Neuerung. Und rasch schließen sich ihnen Arbeiter, Bauern und Angehörige vieler anderer Berufe an.

Aber was wollten sie? Wofür standen die Menschen damals ein?

Anti-Vietnam-Demonstrationen, Bekenntnisse für die sexuelle Unabhängigkeit der Frau, Rufe nach Reformen der Universitätsgesetze, mehr Gleichheit innerhalb der Gesellschaft... all das sind Dinge, für die die in der Folge als „68er“ bekannt gewordenen Aktivisten kämpfen. Kurz und knapp: Diese jüngere Generation, die den Krieg schon nicht mehr miterlebt hat, möchte ihre Vorfahren mit der Realität konfrontieren: einem in ihren Augen überholten Nachkriegssystem in Sachen Politik und Bildung und einer Gesellschaft, die die Augen vor ihrer eigenen, jährlich nur noch zu wachsen scheinenden Ungleichheit verschließt.

In Frankreich wie in der BRD wird der Zugang zu Universitäten blockiert, Straßen verbarrikadiert. Die ganze Bewegung mündet in Frankreich sogar in einem Generalstreik, der je nach Schätzung zwei bis vier Wochen andauert – die Zahl der Streikenden bricht sämtliche Rekorde.

Hervorzuheben ist allerdings, dass diese riesige Protestbewegung nicht lediglich – wie oft propagiert – im Mai des Jahres 1968 aktiv ist. Tatsächlich nämlich sind die französischen 68er in einer ganzen Reihe von Protestaktionen zwischen den Monaten März und Juni 1968 aktiv. In Deutschland fängt das Ganze sogar schon im Juni 1967 an!

Einige wenige Namen muss man sich hier ganz besonders merken: Auf deutscher Seite Rudi Dutschke, auf französischer Seite Daniel Cohn-Bendit und Jacques Sauvageot... Klar wird: Diese Bewegung wird von einer ganzen Generation und ihren Ideen getragen.

In Frankreich werden die Früchte der Proteste im sogenannten „Grenelle-Abkommen“ festgehalten: ein höherer Mindestlohn, ein globaler Anstieg der Einkommen, ein niedrigeres Renteneintrittsalter und eine niedrigere Arbeitszeit. In Deutschland zerstreut sich die Bewegung mit der Zeit vor allem seit dem Attentat auf Rudi Dutschke durch einen Gegner der Bewegung mehr und mehr; seitens des Gesetzgebers jedenfalls gibt es kaum eine Reaktion auf die Reformbestrebungen der 68er.

Die Wirkung, die die 68er erreichen wollen, wird somit, ehrlich gesprochen, nicht ganz entfaltet.

Und trotzdem bleibt die 68er-Bewegung weiterhin in unseren Köpfen als eins der wichtigsten politischen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Das liegt eventuell daran, dass die wahre Stärke der 68er nicht darin bestand, unbedingt politische Reformen herbeizuführen. Die wahre Stärke der 68er lag vielleicht vielmehr darin, sich im Namen der jüngeren Generation vereint und änderungswillig für eine bessere Welt, eine gerechtere Gesellschaft und mehr Freiheiten auszusprechen. Die Kraft der 68er lag in der Sehnsucht nach Veränderung.

Neben Deutschland und Frankreich breiteten sich die Ideale der 68er allerdings auch weltweit aus: Sowohl in Italien und Spanien als auch in den USA, Brasilien und Mexiko wurden Forderungen laut. In Windeseile – innerhalb eines Jahres – verbreiteten sich die Werte der 68er. Innerhalb kürzester Zeit beschloss eine ganze Generation, das Stimme zu erheben und für ihre Ideen einzustehen.