Tobias Bütow hatte sie eingeladen, die Belegschaft des Deutsch-Französischen Jugendwerks zu treffen, das seit jeher mit Beate Klarsfeld verbunden ist: 1964 begann sie dort als Sekretärin zu arbeiten. 1967 wurde sie fristlos entlassen, da sie in der Zeitung Combat einen Gastbeitrag mit dem Titel „Deutschlands unruhiger Schlaf“ (Le sommeil trouble de l’Allemagne) veröffentlicht hatte.

Das Treffen drehte sich um das bewegte Leben des Paars, die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, das Engagement junger Menschen und die Frage, wofür es sich heute zu kämpfen lohnt. Dabei kam auch die Kündigung zur Sprache: Beate und Serge Klarsfeld sehen sie rückblickend als Auslöser für ihren Entschluss, ihr Leben dem politischen Engagement zu widmen – gegen das Vergessen und gegen das Weiterwirken ehemaliger Nazis im Nachkriegsdeutschland. Zum Symbol wurde Beate Klarsfelds Ohrfeige für den damaligen Kanzler Kiesinger im Jahr 1968. „Damals schien es ganz normal [, dass ein ehemaliger Nazi an die Macht kommt]. Dass sich das heute niemand mehr vorstellen kann, ist auch unseren Aktionen zu verdanken.“

Für Beate und Serge Klarsfeld geht mit ihrer Liebesbeziehung auch eine Pflicht einher: „Als deutsch-französisches Paar haben wir eine ganz besondere Verantwortung.“ Sie sind überzeugt: „Wenn die Nazi-Verbrecher in Deutschland ungeschoren davongekommen wären, hätte es keine deutsch-französische Versöhnung geben können.“

Und welche Schwerpunkte sollte das DFJW heutzutage setzen? „Das DFJW muss sich für die europäischen Werte einsetzen und jungen Menschen bewusstmachen, dass es uns nirgends sonst in der Welt so gut geht wie in Europa.“ Außerdem betonten sie die ungebrochene große Bedeutung von Erinnerungsarbeit: „Es reicht nicht, sich an die Ereignisse von damals zu erinnern! Mit Gedenken allein kann man Volksverhetzung und Extremisten nicht genug entgegensetzen. Was wirklich zählt, sind die Konsequenzen, die man aus der Geschichte zieht: Aus Wissen muss Bewusstsein werden, und daraus Engagement!“

Am 3. Juli erhalten Beate und Serge Klarsfeld den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für ihren unermüdlichen Kampf gegen das Vergessen.